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Deutschland / Welt Der Wettstreit um Merkels Nachfolge hat alles verändert
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15:03 01.12.2018
Die Kandidaten für den CDU-Vorsitz: Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz, Noch-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn. Quelle: dpa
Leitartikel

Die Ära Merkel in der CDU endet in der kommenden Woche und sie endet mit zwei Entwicklungen, die gegenläufiger nicht sein könnten. Da ist zum einen diese: So viel Lebendigkeit und auch so viel positive Energie war lange nicht in der Partei. Aber gleichzeitig stand das Auseinanderbrechen der CDU nie so kurz bevor.

Mit ehrlichem Interesse, Begeisterung, ja geradezu Wonne haben sich die Mitglieder in den Wettbewerb um den neuen Parteivorsitzenden gestürzt. Tausende von Mitgliedern haben sich in den vergangenen Wochen aufgemacht, um auf Regionalkonferenzen die drei Kandidaten für den Parteivorsitz zu begutachten und zu befragen.

Mehrfach musste auf größere Hallen ausgewichen werden. Allein in Düsseldorf strömten fast 4000 herbei. Die bisherige Parteichefin Angela Merkel, die zuweilen den Status eines festgeschraubten Inventars erreicht zu haben schien, wirkte schon fast vergessen.

Lesen Sie auch: Zwischenbilanz: Wie Merz, AKK und Spahn sich im Rennen um den CDU-Vorsitz schlagen

Kandidaten bügeln ihre Schwachstellen aus

Die CDU-Basis breitete auf den Konferenzen auch ihre Themen aus, zwar moderiert, aber eben nicht kanalisiert durch Parteitagsabläufe und -anträge. Regionale Unterschiede wurden sichtbar: In Ostdeutschland fragten viele nach Migration, im reichen Baden-Württemberg nach Steuern und Wohnungsbau.

Manche besorgte Migrationsfrager reisten quer durch die Republik in andere Landesverbände, um ihre Fragen loszuwerden – von Hamburg nach Rheinland-Pfalz, von Sachsen-Anhalt nach NRW.

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Und die Kandidaten ließen sich dabei beobachten, wie sie versuchten, ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Schwachstellen auszubügeln: Friedrich Merz, belastet vom Ruf eines etwas unverträglichen Bärentöters, begab sich auf einen freundlich-netten Mitte-Kurs, vor dem er dann offenbar selbst erschrak und daher zwischendurch mal schnell das Asylrecht abservierte.

Kramp-Karrenbauer kämpfte gegen das Merkel-Kopie-Image und auch sie bediente sich dabei der Migrationspolitik und forderte zum Beispiel die Abschiebung ins Bürgerkriegsland Syrien. Es gibt, so scheint es, einen erheblichen Kompensationsbedarf der CDU bei diesem Thema.

Die erwartete Merzwelle bleibt aus

Ein Favorit hat sich bei all dem noch nicht herausgebildet, nur der dritte Platz ist fest an Jens Spahn vergeben, der seit seine Kandidatur seit Jahren mit einem Marathon durch Kreisverbände vorbereitet hat und nun seine ganz eigene Erfahrung mit Loyalität macht. Die Fans von Friedrich Merz waren anfangs und auch auf manchen Regionalkonferenzen besonders laut zu vernehmen.

Aber eine Merzwelle gab es nicht. In den Umfragen liegt Kramp-Karrenbauer leicht vorne. Sehr abwägend und abwartend verhalten sich die meisten CDU-Mitglieder. Es geht ja nicht nur um die Parteiführung, sondern aller Voraussicht nach auch um den nächsten Kanzlerkandidaten.

Es ist ein Abwägen zwischen Inhalten, persönlicher Sympathie, Wahlchancen und der Lust beziehungsweise Unlust auf Krawall. Denn es kann ja durchaus sein, dass der jetzt so gelöst wirkenden Partei nach der Wahl in einer Woche der Atem stockt. Das Schaulaufen der Kandidaten haben alle noch als Hochamt der Demokratie gefeiert.

Fliehen die Merz-Fans endgültig aus der CDU?

Aber wenn der neue Chef oder die neue Chefin feststeht, was macht dann das Verliererlager? Die Notwendigkeit des Zusammenhalts auch nach dem Parteitag ist in den vergangenen Wochen in einer Art und Weise beschworen worden, die das Ausmaß der Angst vor einem lauten Knall deutlich macht.

Vor allem den Merz-Fans wird zugetraut, sich bei einer Niederlage ihres Favoriten enttäuscht abzuwenden von der CDU. Es wäre wohl das nächste Aufschwungprogramm für die AfD. Aber wählen Kramp-Karrenbauer-Anhänger Merz, um zu verhindern, dass dessen Leute beleidigt sind?

Wann schlägt der Schwung der CDU in Hadern um?

Es ist die Frage, ob und wann der Schwung der CDU in das nächste große Hadern umschlägt. In Baden-Württemberg ist zum Beispiel bis heute zu besichtigen, dass die Gräben, die das Rennen um den Landesvorsitz dort vor 15 Jahren hinterlassen hat, noch immer nicht zugeschüttet sind.

Das hat zur Folge, dass sich nach der Parteivorsitzendenwahl manches anders entwickelt als bisher erwartet. Friedrich Merz etwa dürfte mit Angela Merkel zwangsharmonieren, um die Moderaten in der CDU nicht zu verschrecken.

Und Kramp-Karrenbauer wäre wohl nicht schlecht beraten, als Parteichefin auf eine schnelle Neuwahl drängen, um damit die Partei zu Gemeinsamkeit zu zwingen. Sicher ist allerdings in der CDU vor allem eines: Dass die Ära Merkel endet. Sonst nichts.

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Von Daniela Vates/RND

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