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Deutschland / Welt UN-Konvention: Wer behindert hier eigentlich wen?
Nachrichten Politik Deutschland / Welt UN-Konvention: Wer behindert hier eigentlich wen?
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20:01 26.03.2019
Wie gut ist Deutschland bei der Inklusion von Behinderten – was die Schulen, aber auch was den Beruf angeht? Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
Berlin

Behindert: Das ist ein doppeldeutiges Wort. Es kann einen Zustand beschreiben, also zum Beispiel, dass jemand eine Sehbehinderung hat. Das Wort kann aber auch für einen Vorgang stehen, also dafür, dass jemand behindert wird.

Vor zehn Jahren hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Behinderte Menschen sollen an der Gesellschaft selbstbestimmt teilhaben können, von der Schule über die Arbeit bis hin zum kulturellen Leben.

Deutschland setzt die Konvention nicht entschieden genug um. Das gilt nicht zuletzt für die Inklusion in der Schule. Sie hat sich vielerorts zum Reizthema entwickelt. Das liegt nicht daran, dass das Ziel des gemeinsamen Lernens falsch wäre. Es kann nicht funktionieren, nur einen Rechtsanspruch zu schaffen – und dann so zu tun, als bräuchte es kein Geld und Personal, um ihn zur Realität werden zu lassen.

Das Konzept des John Rawls

Das planlose Agieren der Politik weckt Widerstände von Eltern und Lehrern gegen ein richtiges Projekt. Dabei kann gelungene Inklusion in der Schule die Grundlage für ein Leben legen, das ärmer an Vorurteilen ist.

Mehr als 90 Prozent der Menschen erwerben ihre Behinderung erst als Erwachsene. Sie brauchen Jobs, sie sind darauf angewiesen, dass barrierefrei gebaut wird. In Zeiten des demografischen Wandels, in denen es immer mehr Ältere gibt, liegt solcher Fortschritt im Interesse aller. Doch ändert sich etwas? Ja, aber zu langsam.

Der US-Philosoph John Rawls hat für sein Konzept eines gerechten Gesellschaftsvertrages ein Gedankenexperiment vorgeschlagen: Jeder solle sich in eine Situation hineinversetzen, in der er selbst nicht wisse, welche Rolle ihm zukommt. Wer sich vorstellt, selbst im Rollstuhl zu sitzen oder blind zu sein, weiß: Es gibt noch viel zu tun für eine Gesellschaft, die niemanden behindert, sondern allen gleichermaßen offen steht.

Lesen Sie auch ein Interview mit dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel: Inklusion kann in beide Richtungen funktionieren“

Von Tobias Peter/RND

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