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Deutschland / Welt Merkel mit Tomaten beworfen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Merkel mit Tomaten beworfen
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08:52 06.09.2017
Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt in Heidelberg. Quelle: dpa
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Heidelberg/Stuttgart

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist bei einem Wahlkampfauftritt in Heidelberg mit zwei Tomaten beworfen worden. Dabei wurde sie am Dienstagnachmittag an der linken Hüfte von einigen wenigen Spritzern getroffen. Auch die neben ihr stehende Moderatorin der CDU-Veranstaltung bekam etwas ab. Merkel reagierte gelassen und reichte der Moderatorin ein Taschentuch. Der Zwischenfall ereignete sich zum Ende der Veranstaltung auf dem Universitätsplatz. Ihre Rede hatte die Kanzlerin bereits beendet.

Unbekannte haben Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Wahlkampf-Veranstaltung mit Tomaten beworfen. Quelle: dpa

Wer für die Würfe verantwortlich ist, war zunächst unklar. Am Rande der etwa 40-minütigen Veranstaltung versuchten Demonstranten, den Auftritt mit Sprechchören und Trillerpfeifen zu stören. Es ertönten Rufe wie „Volksverräter“, „Heuchler“ und „Lügner“ - Begriffe, wie sie von Merkelgegnern aus dem Umfeld der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung und der AfD bekannt sind. Den Auftritt Merkels verfolgten den Veranstaltern zufolge rund 3000 Menschen. Sie feierten Merkel mit viel Beifall und teilweise stehend.

Die Polizei bestätigte zwei zeitlich voneinander getrennte Tomatenwürfe Richtung Bühne. Es sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden wegen Verdachts der versuchten Körperverletzung und versuchten Sachbeschädigung, sagte ein Sprecher. Es habe außerdem kleinere Rangeleien zwischen Gegnern und Anhängern Merkel gegeben. Von sechs Beteiligten seien die Personalien festgestellt worden.

Nach den Würfen griff ein Sicherheitsmann nach einem transparenten Schutzschild, der dann aber doch nicht zum Einsatz kam. Bei der ebenfalls von Tomatenspritzern getroffenen Moderatorin handelt es sich um Claudia von Brauchitsch, die auch für die CDU-eigene Videoredaktion CDU.TV arbeitet. Merkel nahm nach dem Zwischenfall am Abend in Stuttgart an einer Podiumsdiskussion von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ teil. Sie trug dabei augenscheinlich den selben Blazer wie in Heidelberg.

Kanzlerin lobt „tolles Stück humanitärer Hilfe“

Die Kanzlerin lobte in Heidelberg den Einsatz vieler Menschen in der Flüchtlingskrise als „tolles Stück humanitärer Hilfe“. „Wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann nicht in der Aufnahme von Menschen, sondern dass wir nicht aufgepasst haben, dass Menschen in Jordanien, im Libanon, in der Türkei und in Syrien nichts zu essen hatten, keine Bildung bekamen und sich in die Hände von Schleppern und Schleusern begeben haben, weil sie weder ein noch aus wussten“, sagte sie. Gleichwohl dürfe sich „2015 nicht wiederholen“.

In der Diesel-Affäre forderte Merkel die Automobilkonzerne auf, den entstandenen Schaden wiedergutmachen. „Ich will, dass wir saubere Dieselautos und Automotoren haben, aber genauso die besten Elektro-Autos und besten Brennstoffzellen der Welt. Das muss unser Anspruch sein, und dafür müssen wir arbeiten“, meinte sie.

Merkel äußert sich skeptisch zur blauen Plakette

In Stuttgart äußerte sie sich skeptisch zur blauen Plakette, die vor allem die Grünen zur Luftreinhaltung in Städten fordern. Der Staat könne nur Dinge einführen, die er auch tatsächlich durchsetzen könne. „Sonst haben wir ja nichts gewonnen.“ Das halte sie bei der blauen Plakette für relativ problematisch, weil man dann alle Autos von Pendlern kontrollieren müsste, um zu sehen, wer eine solche Plakette habe und wer nicht. „Ich versuche erst einmal, dass wir ohne Fahrverbote auskommen. Dann brauche ich auch keine blaue Plakette.“

Mit der blauen Plakette könnte vor allem älteren Diesel-Autos, die als Hauptverursacher für Stickoxide gelten, die Einfahrt in Umweltzonen untersagt werden. Sie wird vor allem von den Grünen gefordert, um für saubere Luft in den Städten zu sorgen. In Stuttgart und andernorts drohen Fahrverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge, die als Hauptverursacher für gesundheitsgefährdende Stickoxide gelten.

Von RND/dpa

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