Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Merkel zu Solingen: „Solche Gewalttaten sind eine Schande für unser Land“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Merkel zu Solingen: „Solche Gewalttaten sind eine Schande für unser Land“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:52 29.05.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft Mevlüde Genç , die Mutter, Großmutter und Tante der Opfer von Solingen und ihren Mann Durmus. Quelle: dpa
Anzeige
Solingen

25 Jahre nach dem Solinger Brandanschlag haben führende Politiker zum Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit aufgerufen. „Hass und Antisemitismus dürfen keinen Platz haben“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einer Gedenkveranstaltung in Düsseldorf. Gewalttaten wie in Solingen seien eine „Schande für unser Land“, sagte die Kanzlerin. „Wir können und dürfen nicht vergessen, was passiert ist“, mahnte sie.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, der Brandanschlag sei „das schrecklichste Ereignis in der Geschichte Nordrhein-Westfalens“.

Familie leidet bis heute an den Folgen

Am 29. Mai 1993 hatten vier rechtsextreme Jugendliche Brandsätze in das Haus der türkischen Familie Genç in Solingen geworfen. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, 14 Familienmitglieder wurden zum Teil schwer verletzt und leiden noch heute an den Folgen. Mevlüde Genc und ihr Mann Durmus verloren bei dem Brandanschlag ihre beiden Töchter, zwei Enkelkinder und eine Nichte.

NRW-Ministerpräsident Laschet erklärte, es sei „richtig und wichtig, dass wir an diesen Tag erinnern“. Die Lehren aus dem Anschlag hätten „nichts an Aktualität verloren“. Deshalb müsse ein „Signal für das Verständnis miteinander“ ausgesendet werden. Merkel warnte davor, mit der Anstachelung zu Gewalt die „Grenzen der Meinungsfreiheit“ auszutesten. Wer mit Worten Gewalt säe, nehme in Kauf, dass es zu Gewalt komme, sagte die Kanzlerin.

„Auf eine unmenschliche Tat haben Sie mit menschlicher Größe reagiert“

Ausdrücklich dankten Laschet und Merkel Mevlüde Genç, die damals trotz ihres Schmerzes über den Verlust ihrer Angehörigen zur Versöhnung aufgerufen habe. „Ich danke Mevlüde Genç und ihrer Familie, dass sie trotz des schrecklichen Leids zu Botschaftern der Integration und des guten Miteinanders geworden sind“, betonte Laschet. „Auf eine unmenschliche Tat haben Sie mit menschlicher Größe reagiert“, sagte Bundeskanzlerin Merkel.

Auch Mevlüde Genç rief dazu auf, dem Hass Einhalt zu gebieten: „Wir alle sind Gottes Geschöpfe.“ Sie wünsche sich, dass alle „in Brüderlichkeit zusammenleben“ und den Blick auf die Zukunft richteten. Niemand solle den Schmerz ertragen, den sie erlitten habe. Sie bedankte sich für die Gedenkveranstaltung, weil die Anwesenden den Schmerz mit ihr geteilt hätten. Ihre Heimat sehe sie weiterhin in Deutschland und der Türkei.

Türkischer Außenminister Cavusoglu ruft zu mehr Zusammenhalt auf

Auf der Veranstaltung sprach auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Dagegen hatte sich zuvor die Opposition von SPD und Grünen gewehrt, weil die Türkei mitten im Wahlkampf für die vorgezogenen Parlaments- und Präsidentenwahlen ist. Aus diesem Grund fand die Gedenkstunde nicht wie zunächst geplant im Plenarsaal des Landtags statt, sondern als Veranstaltung der Landesregierung im Landeshaus, dem Sitz der Staatskanzlei.

Cavusoglu ging aber mit keinem Wort auf die Wahlen in der Türkei ein. Auch er rief zu mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft auf, um die „Plage des Rassismus“ sowie Ausländerfeindlichkeit zu bekämpfen: „Wir sind in der Pflicht, dieses Bemühen ununterbrochen fortzusetzen.“ Die Türkei sei bereit, dazu „jede erdenkliche Hilfe“ zu leisten. Kulturelle Vielfalt müsse als etwas Positives angenommen werden: „Alle Kulturen sollten sich dort zu Hause fühlen, wo sie leben.“

Von RND/epd

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

50.000 Asylverfahren liegen beim Bamf auf dem Tisch. Doch der Skandal um die Bremer Außenstelle zieht nun alles in die Länge. Das Bundesinnenministerium rechnet damit, dass die Zahl der unbearbeiteten Anträge auf 80.000 ansteigen könnte.

29.05.2018

Die EU nimmt den Kampf gegen Fakenews und Terror-Propaganda in sozialen Netzwerken auf. Im Interview erklärt Sicherheits-Kommissar Julian King, wie die Staatengemeinschaft sich gegen Angriffe aus dem Netz wappnen will.

29.05.2018

Die Ärzte sind verblüfft, dass der Ex-Agent Skripal und seine Tochter den Gift-Anschlag überlebten. Doch die Mediziner wollen wegen möglicher Langzeitschäden noch keine Entwarnung geben.

29.05.2018
Anzeige