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Deutschland / Welt Mesale Tolu steht in der Türkei vor Gericht
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mesale Tolu steht in der Türkei vor Gericht
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10:09 11.10.2017
Die 33-Jährige Ulmerin sitzt seit April in der Türkei in Haft. Quelle: dpa
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Istanbul

Mehr als fünf Monate nach ihrer Festnahme beginnt an diesem Mittwoch der Prozess gegen die in der Türkei inhaftierte deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu. Die 33-Jährige gebürtige Ulmerin gehört zu einer Gruppe von 18 Angeklagten, denen Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in der linksextremen MLKP vorgeworfen wird. Nach Angaben von Tolus Anwältin Kader Tonc drohen ihrer Mandantin in dem Verfahren vor dem Gericht in Silivri westlich von Istanbul bis zu 20 Jahre Haft. Die Bundesregierung fordert die Freilassung Tolus und von mindestens zehn weiteren Deutschen, die in der Türkei derzeit aus politischen Gründen inhaftiert sind.

Namentlich bekannt von diesen mindestens elf Bundesbürgern sind Tolu, der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel und der Menschenrechtler Peter Steudtner. Tolu-Anwältin Tonc sagte dem Deutschlandfunk, sie glaube nicht an ein faires Verfahren. „Wir hoffen natürlich auf einen Freispruch. Und wäre die Justiz unabhängig, dann wäre es gar nicht erst möglich gewesen, sie überhaupt festzunehmen. Aber wenn man sich die Entwicklungen in der Türkei in der letzten Zeit anschaut, dann kann man das wohl nicht erwarten. Es ist eher ein politisches Verfahren.“

Zweijähriger Sohn mit ihr im Gefängnis

Die Vize-Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag, Heike Hänsel, kündigte an, an dem Prozess gegen Tolu als Beobachterin teilzunehmen. „Mesale Tolu – genauso wie Deniz Yücel, Peter Steudtner sowie zahlreiche weitere willkürlich Verhaftete – ist nichts anderes als eine Geisel von Präsident Recep Tayyip Erdogan“, sagte Hänsel. „Deshalb ist kein rechtsstaatliches Verfahren zu erwarten.“

Tolus Vater Ali Riza Tolu sagte dem Deutschlandfunk, seine Tochter habe im Gefängnis keine körperlichen Probleme, es gebe keine Folter. Tolu war am 30. April festgenommen worden, als Polizisten einer Anti-Terror-Einheit ihre Wohnung stürmten. Sie hat ihren zweijährigen Sohn bei sich im Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy.

Ihr Vater kritisiert: „Ich kann meinem Enkel kein Spielzeug mitbringen. Ein Kind braucht Spielzeug und muss an einem anderen Ort aufwachsen. Hätten sie meine Tochter nicht gefangen genommen, wäre auch mein Enkel jetzt in Freiheit.“

Vater hält Anklageschrift für lückenhaft

Mesale Tolus Ehemann war wenige Wochen vor ihr aus ähnlichen Gründen festgenommen worden. Ihr Vater kümmert sich um Tochter, Enkel und Schwiegersohn. Die Anklageschrift kritisiert er als lückenhaft: „Ich lebe seit über 40 Jahren in Europa, doch so etwas habe ich noch nie erlebt. Erst nehmen sie jemanden fest, erst danach suchen sie nach Beweisen. Wenn das keine Vorverurteilung ist!“

Ali Riza Tolu wird den Prozess vor Ort verfolgen. Seine Tochter besitzt nur die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie wurde in Ulm geboren und hat ihren Hauptwohnsitz in Neu-Ulm.

Nachrichtenagentur bisher nicht verboten

Mesale Tolu arbeitete als Journalistin und Übersetzerin für die linke Nachrichtenagentur Etha. Deren Internetseite ist in der Türkei zwar gesperrt. Etha ist bislang aber – anders als zahlreiche andere regierungskritische Medien in der Türkei – nicht verboten worden.

In der Anklageschrift wird Tolu die Teilnahme an vier Veranstaltungen vorgeworfen, bei einer davon soll sie ein Banner einer MLKP-Splittergruppe getragen haben. In ihrer Wohnung soll außerdem Propagandamaterial gefunden worden sein.

Von dpa/ang/RND

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