Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Österreich: Oberst soll jahrzehntelang für Russland spioniert haben
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Österreich: Oberst soll jahrzehntelang für Russland spioniert haben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 09.11.2018
Die Beziehungen zwischen Wladimir Putin und Sebastian Kurz (rechts) sind kompliziert (Archivfoto). Quelle: Robert Jaeger/APA/dpa
Wien

Österreich verdächtigt einen pensionierten Oberst, jahrzehntelang für Russland spioniert zu haben. Der nicht namentlich genannte 70 Jahre alte Mann habe einem russischen Nachrichtendienst vermutlich Informationen über Militär und Politik in Österreich gegeben. „Dieses Vorgehen könnte nach den vorliegenden Informationen in den neunziger Jahren begonnen und bis 2018 angedauert haben. Das bedeutet, dass ein Spionagefall vorliegt“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow beschuldigte Wien der „Mikrofondiplomatie“. Österreich habe „öffentliche Anschuldigungen“ gemacht und „eine Erklärung für eine Angelegenheit gefordert, über die wir nichts wissen“. Wenn ein Land Sorgen habe, solle es im Einklang mit internationalem Recht direkt um eine Erklärung bitten, sagte Lawrow.

Brisantes Verhältnis zu Putin

Der österreichische Verteidigungsminister Mario Kunasek sagte, ein befreundeter europäischer Nachrichtendienst habe Wien vor mehreren Wochen wegen des mutmaßlichen Spions gewarnt. Der Oberst sei vor fünf Jahren pensioniert worden. Seine elektronischen Geräte, darunter ein Laptop, würden untersucht. Seine Kontaktpersonen seien an Waffensystemen, Zuwanderung nach Österreich und österreichischen Persönlichkeiten interessiert gewesen, habe der mutmaßliche Spion aus Salzburg gesagt.

Die österreichische Außenministerin Karin Kneissl habe den österreichischen Vertreter ins Außenministerium zitiert und ihre geplante Reise nach Russland abgesagt, sagte Kurz. Kneissl hatte den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu ihrer Hochzeit im August eingeladen und dafür Kritik geerntet.

Gefahr für Beziehungen zwischen EU und Russland

„Im Moment verlangen wir von der russischen Seite transparente Information“, sagte Kurz. Auf Basis der vorliegenden Informationen könne davon ausgegangen werden, dass der Verdacht gegen den Oberst bestätigt werde.

Der Vorfall und kürzlich erhobene Vorwürfe mutmaßlicher russischer Spionage in den Niederlanden verbesserten nicht die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union, sagte der Kanzler, dessen Regierung derzeit den EU-Vorsitz innehat.

Von RND/AP

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Noch ist die „Karawane“ von Flüchtlingen Hunderte Kilometer von der US-Grenze entfernt. Doch US-Präsident Donald Trump geht schon jetzt gegen sie vor.

09.11.2018

Mehr als 16 Stunden haben die Haushaltsexperten über 1450 Anträge der Fraktionen beraten. Jetzt steht der Etat für 2019. Die Opposition ist empört, denn in letzter Minute genehmigte sich die Koalition noch neue Stellen.

09.11.2018

Die SPD-geführten Ministerien für Familie und für Arbeit haben ein gemeinsames Gesetz zur Unterstützung armutsgefährdeter Familien entwickelt. Der Entwurf sieht zahlreiche Entlastungen vor. Wenn die Union mitspielt, tritt es Mitte 2019 in Kraft.

09.11.2018