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Olaf Glaeseker steht vor einer Anklage

Wulff-Affäre Olaf Glaeseker steht vor einer Anklage

In der Affäre um den zurückgetretenen Bundespräsidenten und früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff gerät dessen ehemaliger Sprecher Olaf Glaeseker ins Visier der Ermittler. Wird er zum Bauernopfer?

Hannover. Waren der frühere Bundespräsident Christian Wulff und sein Sprecher Olaf Glaeseker zu ihrer Zeit in Niedersachsen korrupt? Seit vielen Monaten prüft die Staatsanwaltschaft, und mittlerweile nun zeichnet sich ein Trend ab: Offenbar glaubt das Landeskriminalamt, Belege für die Bestechlichkeit von Glaeseker gefunden zu haben. Im Fall von Wulff allerdings mehren sich die Hinweise, dass das Verfahren gegen ihn wegen Geringfügigkeit eingestellt wird und er erhobenen Hauptes aus der Affäre gehen kann. Wäre Glaeseker dann das Bauernopfer in der Affäre, die vor neun Monaten zu Wulffs Rücktritt als Bundespräsident geführt hatte?

Der „Spiegel“ berichtet aus einem internen Papier, einem 90 Seiten starken Bericht des Landeskriminalamtes an die Staatsanwaltschaft. Darin wird der Korruptionsvorwurf gegen Glaeseker mit Zahlen und Daten untermauert. Es geht um die Beziehung zwischen Glaeseker und dem Eventmanager Manfred Schmidt. Schmidt veranstaltete zwischen 2007 und 2009 drei Prominententreffen unter dem Titel „Nord-Süd-Dialog“, Glaeseker half bei der Organisation dieser Treffen, kümmerte sich auch um Sponsoren. Tat er das, um eine Gegenleistung in Form von Vergünstigungen zu bekommen? Das Landeskriminalamt hat das Resultat umfangreicher Ermittlungen jetzt aufgeschrieben. 17 Reisen zu Schmidts Anwesen in Spanien und Südfrankreich, zu denen Glaeseker und seine Frau eingeladen wurden, werden notiert. Außerdem ist von 18 Freiflügen auf Schmidts Kosten die Rede - sie sollen 8860 Euro Wert gewesen sein. Das Ehepaar Glaeseker habe außerdem 26572 Euro gespart, weil es für die Übernachtungen auf Schmidts Anwesen nicht bezahlt habe. Mehr als 16000 Euro sollen in die Zeitspanne fallen, in der die drei „Nord-Süd-Dialoge“ stattgefunden hatten. Bei diesen drei Prominentenpartys soll Schmidt insgesamt mehr als 871000 Euro verdient haben. Bei den ersten beiden Veranstaltungen soll Glaeseker rund 20 Prozent, bei der dritten sogar 43 Prozent der Sponsorengelder selbst eingeworben haben.

Sind diese Zahlen nun ein Beleg für Korruption? Das LKA spricht laut „Spiegel“ davon, Glaeseker habe sich von Schmidt „anfüttern“ lassen. Die Entscheidung, ob das tatsächlich so eingeschätzt werden kann und eine Anklage bevorsteht, muss die Staatsanwaltschaft treffen. Korruption wäre es wohl nur dann, wenn die Leistungen im Zusammenhang mit Glaesekers Wirken für die „Nord-Süd-Dialoge“ standen, nicht aber dann, wenn sie Ausdruck einer alten und intensiven Freundschaft sind. Glaeseker hat aber inzwischen eine 52 Seiten starke Stellungnahme bei der Staatsanwaltschaft abgegeben, und in dieser weist er persönlichen engen Beziehungen zu Schmidt hin. Dafür nennt Glaeseker auch mögliche Zeugen - unter anderem die Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen.

Die Vorgänge rund um Glaeseker sind auch für die Glaubwürdigkeit Wulffs von Bedeutung. In seiner Zeugenvernehmung im Sommer hatte Wulff angegeben, von den Urlauben Glaesekers bei Schmidt nichts gewusst und auch das Sponsorenwerben seines Sprechers für die „Nord-Süd-Dialoge“ nicht befürwortet zu haben.

In Glaesekers Einlassung wird nun auf die Tagebuchaufzeichnungen seiner Frau verwiesen - und darin war vermerkt, dass Wulff mehrfach Kontakt zu dem im Urlaub befindlichen Glaeseker hatte. Dabei habe Wulff sehr genau gewusst, wo sich sein Sprecher aufgehalten hatte.

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©dpa

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