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Deutschland / Welt „Das Ergebnis zeigt, dass man Brinkhaus nie unterschätzen sollte“
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10:52 26.09.2018
Ralph Brinkhaus ist der neue Mann an der Spitze der Unionsfraktion im Bundestag. Quelle: imago/Müller-Stauffenberg
Gütersloh

Der Westfale Ralph Brinkhaus ist der neue Mann an der Spitze der Unionsfraktion im Bundestag. Der Sieg des 50-Jährigen gegen den alteingesessenen Fraktionschef Volker Kauder, enger Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel, überraschte nicht nur innerhalb der Bundespartei. In seinem Heimatort Gütersloh wird der Aufstieg des bekannten Gesichts aus den eigenen Reihen vor allem gefeiert. Ein Stimmungsbild:

Ihn habe schon die Kandidatur von Brinkhaus gefreut, sagte Patrick Seidel, Vorsitzender der Gütersloher Stadtschützen. „Ich freue mich für ihn, aber ich freue mich auch für die Demokratie.“ Sie lebe vom Wettbewerb, dem Wettstreit der Ideen, und Brinkhaus sei ein Mann, der für Veränderung stehe. „Ich finde es wichtig, dass sich auch eine Volkspartei immer wieder hinterfragt und weder in den Personen noch in den Inhalten einen verkrusteten Eindruck macht.“ Brinkhaus zeichne eine Nähe zu den Menschen aus, das habe er auf seinen Besuchen des Schützenfestes oft bewiesen.

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„Ja, das ist ein Typ, der traut sich was“, sagte Rudolf Bolte, Brinkhaus’ Vorgänger als CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Schon damals, als der Rietberger nach Gütersloh kam, habe Brinkhaus sich offensiv bemüht, in die Politik zu kommen. „Wir haben einen Wahlkreis mit ihm besetzt, und er hat ihn direkt geholt.“ Nur drei Jahre später, 2007, übernahm Brinkhaus auch den Fraktionsvorsitz. „Er hatte die Qualifikationen und den Ehrgeiz, ich ahnte schon, dass ihn sein Weg irgendwann nach Berlin führt.“

„Wir sind froh, glücklich und auch ein bisschen stolz, dass er es geschafft hat“, sagte Heiner Kollmeyer, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Brinkhaus’ politisches und menschliches Talent habe sich schon in dessen ersten Jahren im Stadtrat gezeigt. Dass er eine Fraktion führen könne, Ideen entwickeln und seine Parteikollegen mitnehmen könne, habe Brinkhaus schon in Gütersloh gezeigt. „Diese Qualitäten wird er nun auch in Berlin einbringen. Toll!“

Frischer Wind und ein anderer Blickwinkel

Michael Brinkmeier, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Schlaganfallhilfe, schickte seinem ehemaligen Schulkumpel vom Rietberger Gymnasium Nepomucenum direkt eine Glückwunsch-SMS. „Er wird seine Sache gut machen, da habe ich keine Zweifel“, sagte Brinkmeier. Dass Brinkhaus von den Medien, zumal den überregionalen, fast bis zuletzt unterschätzt wurde, zeige, dass sich nicht nur Teile der Politik, sondern auch die Hauptstadt-Journaille in einer Blase bewege. „Manche haben das ja sogar als ’Aufständchen’ abgetan, dabei wusste Ralph von Anfang an, dass ein solches Zeichen ganz unabhängig von seinen tatsächlichen Chancen einfach mal not tut. Wie sich nun zeigt, lag er damit richtig, auch mit dem Zeitpunkt.“

Brinkhaus wisse, wie das Wahlvolk denke, sagte sein Stellvertreter im CDU-Kreisvorstand, Klaus Dirks. „Seine Kandidatur war ein mutiger, ehrlicher, längst überfälliger Schritt“, so Dirks. Brinkhaus stehe für frischen Wind, für einen anderen Blickwinkel. Ob er nun seinen Kreisvorsitz abgeben müsse? Warum?, so Dirks. Einen solchen Automatismus gebe es nicht, und die ständige Rückkoppelung an die Basis sei elementar.

„Ich bin sehr sprachlos“, sagt Gertrud Brinkhaus mit Blick auf das Wahlergebnis ihres Sohnes. „Wir hatten in den vergangenen Tagen Kontakt und natürlich haben wir die Daumen gedrückt“, die Nachrichten verfolgten die in Rietberg-Mastholte lebenden Eltern am Fernsehbildschirm.

Der passende Mann zur passenden Zeit

„Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt“, kommentiert CDU-Landtagsabgeordneter Raphael Tigges die Atmosphäre im Landtag. „Das Ergebnis zeigt auch, dass man einen Ralph Brinkhaus nie unterschätzen sollte“, dass wisse er aus eigener Erfahrung in der Gütersloher Kommunalpolitik. „Er macht nichts unüberlegt.“ Noch heute morgen hätten die Abgeordneten ihre Schätzungen zur Wahl abgegeben. „Fifty-Fifty“ sei die positivste Schätzung gewesen. „Mir hat die Wahl gezeigt, dass die CDU in Berlin mal wieder ein Lebenszeichen gesendet hat. Ich begreife es als Aufbruchstimmung.“ Welche Ambitionen Brinkhaus mit dem Amt nun verknüpfe, könne Tigges nicht absehen, aber eines stehe für ihn fest: „Die Partei will wieder gestalten und dafür sei Brinkhaus genau der Richtige.“ Am Abend gab es ein Treffen der Landtagsabgeordneten aus OWL im Landtag. Tigges: „Gut möglich, das wir anschließend auf diese Personalie ein Bier trinken.“

Überrascht vom Wahlergebnis zeigte sich auch der Landrat des Kreises Gütersloh: „Aber ich hatte ihm ein sehr gutes Ergebnis zugetraut“, so Sven-Georg Adenauer (CDU). Für die Bundestagsfraktion sei Brinkhaus der passende Mann zur passenden Zeit. „Die Querelen der letzten Wochen hätte es unter seiner Führung so nicht gegeben“, ist sich Adenauer sicher. „Brinkhaus kann die Menschen für sich begeistern und scheut sich nicht, klare Entscheidungen zu treffen.“ Die neue Funktion werde gewiss dafür sorgen, dass Brinkhaus mehr in Berlin sein werde, aber „er hat hier seinen Wahlkreis und er gehört zu den Menschen, die nicht abheben.“ Dass Brinkhaus Adenauers „besten Kreis der Welt“ nun in der bundesdeutschen Hauptstadt zu mehr Bekanntheit verhilft, stimmt den Landrat fröhlich: „Ein besseres Standortmarketing kann ich mir für Gütersloh und Umgebung gar nicht wünschen.“

„Ich freue mich“, kommentiert der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hubert Deitert (CDU) aus Rietberg die Wahl. „Brinkhaus hat ein gesundes Urteilsvermögen und er kann sich außerdem gut ausdrücken.“ Deitert und Brinkhaus stehen nach eigenen Aussagen in engem Kontakt durch die gemeinsame Arbeit im Kreisverband. Brinkhaus war 2009 Deiterts Amtsnachfolger im Bundestag. „Ich wünsche ihm viel Glück“, so Deitert, „und ich bin ziemlich sicher, dass er das schafft.“

Von Ludger Osterkamp und Jeanette Salzmann/RND

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