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Null Toleranz

Schavan kündigt Maßnahmen gegen Missbrauch an


Auch an einer Reformschule im hessischen Odenwald sind Schüler über Jahre hinweg missbraucht worden. Angesichts dieser und anderer Missbrauchsfälle will nun auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) tätig werden. Wo immer ein Verdacht bestehe, müsse es „null Toleranz“ geben und vollständige Aufklärung erfolgen, sagte Schavan.
Null Toleranz in Missbrauchsfällen: Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Null Toleranz in Missbrauchsfällen: Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

© ap

Die Schulleitung der Reformschule im hessischen Odenwald bestätigte den „jahrelangen Missbrauch von Schutzbefohlenen“, nach Recherchen der „Frankfurter Rundschau“ (Samstagsausgabe) gibt es womöglich bis zu 100 Opfer. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper forderte angesichts der jüngsten Skandale in katholischen Einrichtungen harte Strafen für die Täter.

Nach Angaben der Leiterin der Odenwaldschule, Margarita Kaufmann, war bereits vor mehr als zehn Jahren bekannt geworden, dass der frühere Schulleiter in den 80er Jahren Schüler sexuell missbraucht hatte. Dieser habe nach der Aufdeckung der Vorwürfe Ende der 90er Jahre seine Ämter niedergelegt. Inzwischen sei klar, „dass weitere Kinder und Jugendliche in den Jahren von 1970 bis 1985 Opfer sexueller Übergriffe nicht nur durch den damaligen Leiter der Odenwaldschule geworden sind“, erklärte Kaufmann weiter.

Ehemalige Schüler der Odenwaldschule, einer UNESCO-Modellschule in Heppenheim, berichteten der „FR“, wie sie von Lehrern regelmäßig durch das Streicheln der Genitalien geweckt, wie sie als „sexuelle Dienstleister“ für ganze Wochenenden eingeteilt und zu Oralverkehr gezwungen wurden. Einzelne Pädagogen hätten ihren Gästen Schüler zum sexuellen Missbrauch überlassen, schreibt die „FR“ weiter.

Angesichts dieser und anderer Missbrauchsfälle will nun auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) tätig werden. Schavan sagte der Zeitung „Bild am Sonntag“, sie werde in den kommenden Tagen mit dem amtierenden Präsidenten der Kultusministerkonferenz, dem bayerischen Unterrichtsminister Ludwig Spaenle (CSU), und den Vorsitzenden der Lehrerverbände über konkrete Hilfs- und Präventionsmaßnahmen beraten. Wo immer ein Verdacht bestehe, müsse es „null Toleranz“ geben und vollständige Aufklärung erfolgen, sagte Schavan.

Unterdessen wurden neue Einzelheiten des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen bekannt. Der Regisseur und Komponist Franz Wittenbrink, der bis 1967 im Regensburger Internat der Domspatzen lebte, sprach im „Spiegel“ von einem „ausgeklügelten System sadistischer Strafen verbunden mit sexueller Lust“. Ein weiterer Betroffener berichtete dem Magazin demnach von grausamen Ritualen in einem Vorschul-Internat der Domspatzen für jüngere Schüler.

Der Papst-Bruder und frühere Leiter der Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger, bestritt erneut, von den Vorfällen gewusst zu haben. Die Fälle hätten sich in den 50er Jahren abgespielt. Er aber habe die Domspatzen erst zwischen 1964 und 1994 geleitet, sagte er der italienischen Zeitung „La Repubblica“.

Angesichts der Fälle in katholischen Häusern sprach Kurienkardinal Kasper von „abscheulichen“ und „unverzeihlichen“ Verbrechen, die mit „absoluter Entschlossenheit“ bestraft werden müssten. „Genug! In unserer Kirche muss aufgeräumt werden!“, sagte er der italienischen Zeitung „Repubblica“ (Samstagsausgabe). Der enge Vertrauter von Papst Benedikt XVI. kündigte an, dass das Kirchenoberhaupt sich demnächst eingehend mit dem Thema beschäftigen werde. In einer von der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ am Sonnabend veröffentlichten Erklärung hieß es, der Vatikan dringe auf vollständige Aufklärung. Oberstes Ziel der Kirche sei es, „möglichen Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen“.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) ermahnte die Kirchen bei der Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe zu mehr Zusammenarbeit mit der Justiz. „Es gibt Fälle, in denen es nicht so läuft, wie es laufen sollte“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagsausgabe). Sie warnte vor einer Beschädigung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat.

afp

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