Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Seehofer, Söder und der Abschied von der Champions League
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Seehofer, Söder und der Abschied von der Champions League
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:04 15.09.2018
Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern ist im Wahlkampfmodus. Quelle: imago/STL
Anzeige
Berlin

Noch eine Woche, dann startet endlich das Oktoberfest. Und wenn in München die Wiesn-Zeit anbricht, ist der FC Bayern meist besonders erfolgreich, gerade vor heimischem Publikum. Die Bundesliga-Statistik weist viele eindrucksvolle Siege aus, darunter das 7:1 gegen Schalke von 1977 und das 6:0 gegen Waldhof Mannheim von 1983.

Die CSU sah sich bislang gerne als FC Bayern der Politik, als Rekordmeister an der Wahlurne und unverändert stärkste Volkspartei Europas. Champions League eben. Doch jetzt droht der Partei, die unter Franz Josef Strauß oder Edmund Stoiber nie um die absolute Mehrheit bangen musste, der Abstieg aus der Königsklasse, hinein ins graue Mittelmaß.

Vier Wochen vor der Landtagswahl geht es in den Umfragen immer weiter runter. In der Partei der Seehofers und Söders geht die Angst um, den 35 Prozent von dieser Woche könnte schon bald der nächste Tiefpunkt folgen und dann womöglich noch ein tieferer Tiefpunkt.

Die CSU in diesen Wochen ist nicht mehr die CSU, die es einmal gab. Das Krachledernde, das demonstrative Selbstbewusstsein - alles nur noch Fassade.

Kein Rückenwind für Wahlkämpfer Söder

Dabei sollte sich niemand in der Parteiführung einreden, das alles habe nichts mit ihm zu tun. Nichts mit strategischen Fehleinschätzungen, nichts mit den panikartigen Versuchen, der AfD durch Rechtsruck und verschärfte Rhetorik doch noch beizukommen, nichts mit selbst verschuldeter Unglaubwürdigkeit. Die CSU droht zum Opfer ihrer eigenen Hybris zu werden.

Hatte Ministerpräsident Markus Söder nach der beispiellosen Konfrontation mit Angela Merkel und der CDU vor dem Sommer noch versucht, sich auf Landespolitik zu konzentrieren, auf Themen jenseits der Flüchtlingskrise, so hat ihm Horst Seehofer inzwischen einem dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Der Umgang des Bundesinnenministers und CSU-Chefs mit den Vorgängen von Chemnitz und sein unerbittliches Festhalten an Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen haben in Berlin zu einer neuen veritablen Koalitionskrise geführt - und erneut zu Schlagzeilen, die alles sind, nur kein Rückenwind für Wahlkämpfer Söder.

Harmonie-Show auf dem Vor-Wiesn-Parteitag

Die CSU steht da jetzt vor einem Dilemma: Gibt Seehofer in der Causa Maaßen dem Druck nach, kann das als Schwäche ausgelegt werden. Bleibt er bei seiner Haltung, treibt er den Konflikt weiter auf die Spitze, jedoch ohne erkennbaren Nutzen für die CSU.

In dieser Lage treffen sich die Christsozialen nun zu ihrem Parteitag. Mit dem großen Befreiungsschlag ist nicht zu rechnen. Wohl aber mit verzweifelter Offensive und dem Versuch, andere für die eigene Misere verantwortlich zu machen. Harmonie-Show auf diesem Vor-Wiesn-Parteitag hin oder her: Der CSU stehen große Disruption und große Depression bevor. Alles deutet darauf hin, dass in dieser Partei nach der Bayern-Wahl kein Stein mehr auf dem anderen bleibt.

Von RND/Rasmus Buchsteiner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er ist jung, konservativ und schwul – und in der Berliner Republik hoch umstritten. In der CDU gilt Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, dennoch als eines der größten politischen Talente. Der Journalist Michael Bröcker hat die erste Biografie über ihn veröffentlicht – Auszüge lesen Sie hier vorab exklusiv.

15.09.2018

Opfer sexuellen Missbrauchs sprechen in Berlin auf einem zweitägigen Kongress über ihre Erfahrungen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sichert ihnen Unterstützung zu.

15.09.2018

Nachdem die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen sind, verhält sich Europa weitgehend neutral zwischen den beiden Parteien. Irans Außenminister fordert nun aber mehr Engagement im Ausgleich von US-Sanktionen und spricht gleichzeitig eine Drohung aus.

15.09.2018
Anzeige