Thilo Sarrazin.
Angesichts des gegen ihn laufenden Abberufungsverfahrens als Bundesbankvorstand sagte der wegen seiner Integrationsthesen kritisierte Banker dem Magazin „Focus“: „Der Bundespräsident wird sich genau überlegen, ob er eine Art politischen Schauprozess vollenden will, der anschließend von den Gerichten kassiert wird.“ Er gehe davon aus, dass Bundespräsident Christian Wulff ihn vor einer Entscheidung anhören werde, „zumal der Bundespräsident die Stärkung der Demokratie und des offenen Diskurses als sein Zentralthema gewählt hat“.
Zur Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte das SPD-Mitglied: „Was glauben Sie, wie viele tausend Briefe und E-Mails von CDU-Anhängern in ihre Parteizentrale geschickt worden sind. Da spürt sie: Hier bricht was auf, was schwer zu beherrschen ist. Deshalb kommt es zum Kesseltreiben.“
Trotz des gegen ihn laufenden Ausschlussverfahrens wolle er in der SPD bleiben und keine eigene Partei gründen, sagte Sarrazin. „Ich habe keine Partei im Sinn, ich habe Ideen im Sinn. Mit denen kommt man zuweilen weiter als mit Parteien.“
Würde Sarrazin eine eigene Partei gründen, könnte sich laut einer EmnidUmfrage fast jeder fünfte Deutsche (18 Prozent) vorstellen, diese zu wählen. Besonders viel Zuspruch bekäme eine Sarrazin-Partei bei Anhängern der Linkspartei.
SPD-Chef Sigmar Gabriel rechnet wegen der anhaltenden Kontroverse um Sarrazin mit einem spürbaren Sympathierückgang für seine Partei. „Die Debatte wird uns richtig schaden“, sagte er am Sonntag bei einer Veranstaltung in Berlin. Die zuletzt steigenden Werte für die Sozialdemokraten in Umfragen würden wohl wieder nach unten gehen. Gabriel geht davon aus, dass der größte Teil der SPD-Mitglieder einen Parteiausschluss unterstützen wird. Für viele an der Basis wäre es unverständlich gewesen, wenn die SPD nichts gegen solche Positionen unternommen hätte.
Im Ausschlussverfahren kann Sarrazin auf prominente Unterstützung setzen: Der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) kündigte in der „Süddeutschen Zeitung“ an, ihn vor der Schiedskommission der Partei verteidigen zu wollen. „Einen fairen Prozess wird es ja wohl noch geben“, sagte Dohnanyi. Sarrazin sei kein Rassist. Zudem habe Sarrazin nicht die Muslime insgesamt angegriffen, sondern nur jenen Teil von Zuwanderern, der sich weigere, seine „Kinder zum Deutschlernen, zu Bildungswillen und offener Integrationsbereitschaft zu erziehen“.
Kommentare
Wulf /Sarrazin gretel – 06.09.10
Wir haben keine echte, sondern nur eine parlamentarische Demokratie.Deshalb ist es ja so ärgerlich, dass zum großen Teil am Volk vorbei regiert wird. Warum werden keine Volksentscheide zugelassen? Weil die arroganten Patentschwätzer das Volk für blöd halten. WIR SIND ZWAR DAS VOLK, nur unsere Meinung geht den Damen und Herren am verlängerten Rücken vorbei.- Auch wenn wir hier und da in entsprechenden Foren unsere Meinung artikulieren dürfen, so soll damit wahrscheinlich nur Dampf aus dem Kessel genommen werden. Die APO und ihre Folgen wirken wohl noch nach. Man braucht halt Ruhe an der Front.
Noch braucht es uns um unseren Rechtsstaat nicht bange zu sein: das Verfassungsgericht hat schon manchen politischen Bockmist kassiert. Ob die DA OBEN aber daraus lernen?! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Schauprozess? Hansi – 06.09.10
Jetzt kann der Bundespräsident dritter Wahl mal beweisen, wieviel Demokratie in ihm steckt - ohne das Land und seine Bürger zu verraten... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben
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