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Verkürzung

Wehrpflicht als „Schnupperkurs“

Das „A und O“ für die Ausbildung junger Männer zum Soldaten ist nach Meinung von Generälen der Bundeswehr ein „gut organisierter, fordernder und attraktiver Dienst“. Wenn das jetzt umgesetzt würde, „hätten wir das Non Plus Ultra erreicht“, erklärte ein hoher General am Freitag in Berlin.
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© afp (Archiv)

Auch bei weniger Dienstzeiten sei „das zu schaffen“. Es dürfe eben „keinen Gammeldienst mehr geben“. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes Ulrich Kirsch meinte, eine Wehrpflicht von sechs Monaten sei „das richtige Praktikum“, um sich zu entscheiden, ob jemand in die Streitkräfte gehen möchte. Das sei wie eine „Art Schnupperkurs“. Wegen der neuen Konstellationen werden auch Fragen für die weitere Gestaltung des Zivildienstes erwartet.

Bei etlichen Generälen stößt die Verkürzung des Wehrdienstes auf ein geteiltes Echo. Sie sprachen gegenüber ddp wegen der schnellen Wechsel der Soldaten von einem Posten zum nächsten von einem„Durchgangsbahnhof“ oder von einem „Stafettenlauf“. Fahrzeuge, Waffen und auch teures Gerät wechselten „zu schnell die Bediener“. Unrichtige Handhabung und durch zu wenig Übung bedingte schlechte Bedienung würden erwartungsgemäß zu Fehlerquoten großen Ausmaßes führen können. Diese Generäle wiesen darauf hin, dass sich die Wehrstrukturkommission im Mai 2000 für eine generelle Wehrdienstdauer von zehn Monaten ausgesprochen hatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und mit ihr die Wehrexperten der Union hatten sich stets zur Beibehaltung der Wehrpflicht bekannt. Nur dadurch sie sei die ständige Verbindung der Armee mit den Bürgern gewährleistet. Aus französischen Militärkreisen ist immer wieder zu hören, dass sich die Armee als Berufsarmee „leider zu einer in sich geschlossenen Institution entwickelt hat“. Es bestehe die Gefahr vom „Staat im Staate“. In anderen Ländern wie in den Vereinigten Staaten und in Belgien zeigen sich ähnliche Entwicklungen.

Zum großen Problem wurde in Deutschland die Wehrgerechtigkeit. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat diese Problematik stets geleugnet und entgegen aller anderen Hinweise behauptet, es bestehe Wehrgerechtigkeit. Mittlerweile werden aber fast 50 Prozent der jungen Männer ausgemustert. FDP-Chef Guido Westerwelle wurde nach eigenen Angaben seinerzeit von der Bundeswehr wegen seiner Homosexualität nicht genommen. Westerwelle: “1979 wurden gleichgeschlechtlich orientierte Männer ausgemustert. So war das damals“. Die FDP-Wehrexpertin Birgit Homburger meinte, dass die Einberufungspraxis zum Wehrdienst zu einer „Lotterie für junge Männer verkommen ist“. Die FDP wollte am liebsten eine Freiwilligenarmee.

Das Verteidigungsministerium verweist angesichts der aktuellen Wehrdienstzeit von neun Monaten darauf, dass es inzwischen verschärfte Einberufungskriterien gibt. Danach werde niemand mehr eingezogen, der die ersten beiden Tauglichkeitsstufen nicht erfüllt. Die Bundeswehr hat rund 250.000 Soldaten. Darunter sind 35.000 Stellen für Wehrdienstleistende und 25.000 Stellen für freiwillig länger Dienende. Nach Angaben der Bundeswehr wurden im letzten Jahr 456.000 Männer zwischen 18 und 23 Jahren gemustert. Davon wurden 68.270 einberufen. 1992 absolvierten noch etwa 200.000 Männer den Wehrdienst.

Die Generäle unterstrichen auch die Wichtigkeit der Allgemeinen Wehrpflicht mit dem Hinweis, dass sich aus den Reihen der Wehrpflichtigen letztlich eine beachtliche Zahl junger Männer für den Gang in die Bundeswehr entschließt. Heute ist bei den Offizieren eine Bewerberlage von fünf zu eins zu verzeichnen. Auf eine Offiziersstelle gibt es also aktuell fünf Bewerber. Bei den Mannschaften ist die Bewerberlage zwei zu eins. Generäle machten darauf aufmerksam, dass Wehrpflichtige gerade für Einsätze im Inland von großer Bedeutung sind, zum Beispiel zur Bewältigung von Katastrophen. Für die Einsätze im Ausland wie in Afghanistan werden gut ausgebildete Profi-Soldaten benötigt, nicht Wehrpflichtige. Sie brauchten keine „Special Forces“ zu sein, unterstrichen die Offiziere.

ddp


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