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Deutschland / Welt Zwei Tage bis zur Bayernwahl: Wird die CSU abgewählt?
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16:53 12.10.2018
Die Bayern wählen ihre neue Landesregierung. Quelle: Matthias Balk/dpa
München

Noch zwei Tage, dann treten die Bayern in die Wahlkabinen und wählen eine neue Landesregierung. Rund 9,5 Millionen Menschen werden dann über die Zukunft von Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer entscheiden. Die letzten Tage vor der großen Entscheidung erhöht sich die Spannung, in den jüngsten Umfragen bahnt sich eine Wahlschlappe für die CSU an, während die Grünen weiter aufholen.

Landtagswahl in Bayern 2018: Wer wird CSU-Koalitionspartner

Eine Koalition mit den Grünen hat CSU-Chef Markus Söder auf Basis des Grünen-Wahlprogramms im Vorfeld allerdings bereits abgelehnt. Beide Parteien würden laut den Demoskopen zusammen auf 51 Prozent der Wählerstimmen kommen. CSU und AfD erreichten zusammen 48 Prozent, CSU und SPD 43 Prozent.

Wahlumfragen zur Landtagswahl in Bayern 2018

In vorausgegangenen Wahlen unterschieden sich Wahlumfragen und Wahlergebnis jedoch häufig erheblich. In Bayern sind derzeit etwa die Hälfte der Wähler noch unentschlossen, für wen sie stimmen wollen. In einer Erhebung des Instituts GMS gaben 53 Prozent an, ihre Wahlteilnahme oder Wahlabsicht sei noch unsicher. Der Anteil ist im Vergleich zu den vergangenen Wochen sogar leicht gestiegen. Gespalten sind die Bayern vor allem darin, welche Koalition besser wäre, sollte das Wahlergebnis Zweierbündnisse ermöglichen.

Landtagswahl in Bayern 2018: Seehofer spiele eine wichtige Rolle bei der Wahlentscheidung

Neben der Bundespolitik spiele für fast jeden Zweiten das Verhalten der CSU und von Parteichef Horst Seehofer in der Bundesregierung eine wichtige Rolle bei der Wahlentscheidung. 19 Prozent nannten dies sogar „ganz entscheidend“, weitere 26 Prozent sagten „sehr wichtig“.

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Großes Überraschungspotenzial bei Landtagswahl in Bayern 2018

Der Blick auf die Websuche zeigt außerdem auf, dass der Urnengang am Sonntag einige Überraschungen bereit halten könnte: Diesen Schluss lässt eine Analyse der Suchanfragen durch den Search-Spezialisten SEMrush zu: Die Experten schauten sich in den vergangenen Tagen sehr detailliert an, nach welchen Parteien und Politikern die Bayern im Web suchten. Das Ergebnis: Für die Alternative für Deutschland (AfD) interessierten sich mit großem Abstand die meisten User. Dann folgten die CSU und die SPD. Die Grünen belegen Position vier.

Allerdings sind die Suchanfragen auch keine wissenschaftlich haltbare Aussage zu der Frage, bei welcher Partei die Stimmberechtigten in München, Nürnberg oder Oberammergau tatsächlich ihre Kreuze machen. Zudem gilt die AfD als im Netz stark vertretene Partei, die soziale Medien stark nutzt. Ein interessantes Stimmungsbild lässt sich durch die Analyse jedoch durchaus ableiten.

Landtagswahl in Bayern 2018: Die Berechnungen der Demoskopen – je nach Partei

CSU: Die CSU kann sich eigentlich nur mit einem trösten: Sie wird wohl nicht das schlechteste Landtagswahlergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg hinnehmen müssen - das waren 27,4 Prozent im Jahr 1950. Allen Umfragen zufolge müssen die Christsozialen aber mit einem Absturz rechnen: Die 47,7 Prozent von vor fünf Jahren sind außer Reichweite. Frage ist nur noch, ob es nach den historisch schlechten 38,8 Prozent bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 weiter abwärts geht - und wie weit. Zum zweiten Mal nach 2008 dürfte die CSU jedenfalls ihre absolute Mehrheit verlieren. Damals war sie von 60,7 auf 43,4 Prozent abgestürzt und musste sich erstmals seit Jahrzehnten einen Koalitionspartner suchen. 2013 gelang es ihr, die absolute Mehrheit noch einmal zurückzuerobern. Doch Ergebnisse von über 50 Prozent, die jahrzehntelang die Regel waren, sind Geschichte. Während Ministerpräsident Markus Söder fest im Sattel zu sitzen scheint, könnte eine Debatte über Parteichef Horst Seehofer losbrechen.

GRÜNE: Die Grünen stehen mit ihren beiden Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann vor einem historischen Erfolg in Bayern: Noch nie zuvor haben sie bei einer Landtagswahl im Freistaat ein zweistelliges Ergebnis erzielt. Am Sonntag könnten sie nicht nur das schaffen, sondern sogar zweitstärkste Kraft hinter der CSU werden. In den Umfragen der vergangenen Wochen lagen sie mit 16 bis 18 Prozent jedenfalls konstant auf Platz zwei, deutlich vor der SPD. Der bisherige Spitzenwert der Grünen bei einer Bayern-Wahl waren 9,4 Prozent im Jahr 2008. Vor fünf Jahren hatten sie 8,6 Prozent erreicht, sie waren damals nur viertstärkste Kraft geworden.

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SPD: Die SPD ist in Bayern traditionell leidgeprüft. Sie muss sich nun aber auf das schlechteste Landtagswahlergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg einstellen - bisheriger Tiefpunkt waren 18,6 Prozent im Jahr 2008. Bei der Europawahl 2009 musste sich die SPD mit 12,9 Prozent zufrieden geben. Sogar mit dem beliebten und prominenten Münchner Oberbürgermeister Christian Ude als Spitzenkandidat hatten es die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl 2013 nur auf 20,6 Prozent geschafft - wobei diese 20,6 Prozent inzwischen wie aus einer anderen Welt scheinen: In Umfragen lag die SPD zuletzt nur bei 10 bis 13 Prozent. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Herbst waren es in Bayern 15,3 Prozent gewesen. Spitzenkandidatin Natascha Kohnen, erst seit Mai 2017 Landeschefin, muss möglicherweise um ihren Job bangen.

FREIE WÄHLER: Die Freien Wähler hoffen am Sonntag nicht nur auf ein zweistelliges Ergebnis, sondern wollen künftig erstmals auf der Regierungsbank sitzen. Und zwar am liebsten nur zusammen mit der CSU, notfalls, wenn das nicht reicht, in einem Dreierbündnis mit CSU und FDP. Das wäre der größte Erfolg in der Geschichte der Freien Wähler überhaupt, die 2008 mit 10,2 Prozent der Stimmen erstmals in den Landtag eingezogen waren. Vor fünf Jahren hatten sie mit 9,0 Prozent etwas schlechter abgeschnitten. Nun dürfen sie sämtlichen aktuellen Umfragen zufolge mit einem Ergebnis von 10 bis 11 Prozent rechnen.

AFD: Die AfD kann fest mit einem Einzug in den Landtag rechnen - die Frage ist eigentlich nur noch, mit wie vielen Abgeordneten. Umfragen sehen die Rechtspopulisten seit Anfang 2017 im zweistelligen Bereich, zuletzt waren es zwischen 10 und 14 Prozent. Besonderheit bei der AfD ist: Es gab keinen landesweiten Spitzenkandidaten, sondern nur Listenführer in den Regierungsbezirken. Erwartet wird deshalb beispielsweise, dass es in der neuen Fraktion gleich Auseinandersetzungen über die Führungsmannschaft geben könnte.

FDP: Für die FDP waren die vergangenen Jahrzehnte ein Wechselspiel: Mal schaffte sie den Einzug in den Landtag, mal nicht. 2008 waren die Partei nach längerer Pause wieder ins Maximilianeum eingezogen, mit 8,0 Prozent. Und gleich durfte sie mitregieren - weil die CSU auf einen Koalitionspartner angewiesen war und sich die FDP aussuchte. 2013 flog die FDP mit 3,3 Prozent wieder aus dem Landtag. Diesmal soll es mit dem jungen Spitzenkandidaten Martin Hagen wieder klappen. Dennoch muss die FDP angesichts von Umfragen von 5 bis 6 Prozent zittern.

LINKE: Bei Bundestagswahlen lag die Linke in Bayern schon zweimal über 5 Prozent. Nicht aber bei Landtagswahlen. 4,4 Prozent im Jahr 2008 waren der bisherige Höchststand - der Einzug ins Maximilianeum blieb der Partei also bisher verwehrt. Diesmal heißt es wieder Hoffen und Zittern: In einer Umfrage im September lag die Linke tatsächlich bei 5 Prozent, sonst meist knapp darunter. Es wird also sehr knapp.

Von RND/dpa/lf

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