Die Vorwürfe acht Wochen vor der Landtagswahl hätten „ein einziges Ziel: Sie wollen in Nordrhein-Westfalen ein Linksbündnis schaffen“, rief Westerwelle den FDP-Delegierten zu. Zur Kritik an der Zusammensetzung seiner Reisedelegation sagte er an die Presse gerichtet: „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab.“ Er werde auch in Zukunft als Außenminister der deutschen Wirtschaft in anderen Ländern die Türen öffnen. Bei seinem ersten Auftritt nach der Rückkehr von seiner Südamerika-Reise bekräftigte Westerwelle auch seine Äußerungen zur Sozialpolitik. Leistungsgerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit gehörten zusammen. Der FDP-Chef hatte in der Diskussion um höhere Hartz-IV-Sätze vor „spätrömischer Dekadenz“ gewarnt.
Derweil tauchte neue Kritik an Westerwelles Reisetross auf. Die „Berliner Zeitung“ berichtete am Wochenende, dass sich der Außenminister bei seiner Asien-Reise im Januar auch von einem Vorstandsmitglied des Handelskonzerns Metro begleiten ließ, der zu den wichtigsten Kunden einer früher mit Westerwelle verbundenen Unternehmensberatung gehört. Laut „Spiegel“ gehörte zudem ein enger Mitarbeiter Westerwelles im Auswärtigen Amt bis vor Kurzem noch der Schweizer Firmengruppe Mountain Partners an, deren Gründer Cornelius Boersch wiederholt zur Reisebegleitung Westerwelles gehörte.
Niedersachsens FDP-Chef Philipp Rösler nahm seinen Parteifreund am Wochenende in Schutz. Wenn Westerwelle sich staatsmännisch geäußert hätte, hätte seine Hartz-IV-Kritik niemand zur Kenntnis genommen, sagte Rösler auf dem FDP-Landesparteitag in Lüneburg.
Unterdessen hat Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode Kompromissbereitschaft der Liberalen beim Streit um Steuererleichterungen signalisiert. „Eine Steuerstrukturreform ist unverzichtbar, aber über den Beginn lässt sich reden“, sagte der FDP-Politiker dieser Zeitung. Für Warnungen des FDP-Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher, nicht die Haushaltskonsolidierung aus dem Blick zu verlieren, zeigte Bode Verständnis: „Der Kuchen wird knapp, das heißt, dass man ihn sinnvoll verteilen muss. Aber auf den psychologischen Effekt einer Steuer- und Abgabenreform können wir nicht verzichten. Wir brauchen in einem ersten Schritt die Entlastung der Sozialbeträge.“
Hans-Edzard Busemann und Michael B. Berger
Goettinger-Tageblatt.de Anmeldung
Kommentare
Westerwelle holt zum Gegenangriff aus reh – 15.03.10
Hier halte ich es ausnahmsweise mal mit Horst Seehofer:"Das ist kein Tsunami, sondern nur eine Westerwelle!"
Je mehr Guidolein rumzetert, desto angreifbarer macht er sich. Mein Vater (ein Erzkonservativer) sagte früher zur FDP, es sei eine "Speckjäger-Partei". Die Vorkommnisse erinnern mich immer wieder an diesen Spruch ... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Westerwelles Gegenangriff XYZ – 15.03.10
Ein altes Sprichwort sagt: "Wer sich verteidigt klagt sich selber an" !Viele Politiker vor ihm haben sich versucht heraus zu reden,nur irgendwann kommt die Wahrheit an den Tag und dann ist Schluss mit diesem bunten Spaßvogel ! Wir brauchen dringend einen gestandenen Aussenminister der unseren Staat in der Welt vertritt und nicht täglich für Horrormeldungen in der Tagespresse sorgt; denn für die eigentliche politische Arbeit bleibt da kaum zeit! Aber bald ist Wahl - ihr deutschen Wähler seid wachsam; so einen Aussenminister wie Westerwelle darf es nie mehr geben! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Guido, Guido,Guido... koppelin – 15.03.10
Selbst wenn es gelänge, mit viel Phantasie und gutem Willen, Guido Westerwelle bei der Wahl seiner Reisebegleitung korrektes Handeln zu attestieren, so bleibt er dennoch zumindest im Amt des Außenministers eine krasse Fehlbesetzung, wenn nicht gar ein absoluter Totalausfall. Die FDP wäre gut beraten, wenn sie diesen bunten Spaßvogel die Flügel stutzen würde und er allenfalls noch beim ChristopherStreetDay öffentliche Auftritte wahrnehmen dürfte. Mit Steinbach angefangen, über Mövenpick, Talibanrente, EU-Beitritt der Türkei und jetzt eben die zweifelhaften Reisebegleiter schafft es WW ansonsten, die Partei wieder zu alter Stärke zu führen, als FDP für F-ast D-rei P-rozent stand! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein!