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Deutschland / Welt Wie die Mächte um Einfluss in Korea ringen
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22:48 27.04.2018
Historischer Handschlag an der Demarkationslinie: Nordkoreas Führer Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In. Quelle: YNA
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Washington

Ein Hauch von 1989 weht über die koreanische Halbinsel. Nach mehr als einem halben Jahrhundert im Kriegszustand reichen sich die Staatschefs der bisher verfeindeten Länder endlich die Hand und versprechen sich gegenseitig, nach einem Weg in Richtung Frieden zu suchen.

Anders als 1989 in Europa geht der Wandel in Südostasien aber nicht von einer im Fall begriffenen Schutzmacht und von kollabierenden Volkswirtschaften aus. Zu beobachten ist eher das Gegenteil: China, Russland und die USA ringen offensiv um ihren Einfluss im pazifischen Raum – und um ihre Vorstellungen über eine künftige Weltordnung.

Zu Recht werden die beiden koreanischen Staaten und ihre unmittelbare Nachbarschaft als eine der gefährlichsten Regionen der Welt bezeichnet, in der sich widerstreitende Interessen und hochgerüstete Truppen drängeln.

China und Russland kollaborieren mit Nordkorea

China betrachtet Pjöngjang als eine Art Pufferstaat zu den US-Armeen im Süden. Auch Russland kollaboriert mit dem altstalinistischen Regime von Kim Jong Un, um ein klares Zeichen in Richtung Washington zu senden, unterhält aber gleichzeitig enge Wirtschaftsbeziehungen zu Südkorea. Gerade mit Blick auf seine verarmten Provinzen in Fernost, die den Zusammenbruch der Sowjetunion noch immer nicht überwunden haben und unter massiver Abwanderung leiden, verspricht sich Moskau viel von der Handelsoffensive.

Japan wiederum fühlt sich durch die wachsenden Ansprüche Chinas bedroht, besitzt aber immer noch nicht die Kraft, sich zu seinen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs und seiner Zeit als Kolonialmacht in Korea zu bekennen.

Trump befördert Entspannung mit Drohungen und Diplomatie

In dieser schwierigen Gemengelage kommt den USA eine besondere Bedeutung zu: Mit hohem Aufwand garantieren die Vereinigten Staaten die Sicherheit von Südkorea und besteht im Südchinesischen Meer auf die Einhaltung der bestehenden Grenzen. Zugleich muss die Supermacht aber mit ansehen, wie ihr technologischer und militärischer Vorsprung zu China schrumpft wie Eis in der Sonne.

Die Zeichen der Entspannung auf der so umstrittenen Halbinsel sind daher in Washington – wie auch bei allen anderen Beteiligten – überaus willkommen.

Es zählt zu den überraschenden Entwicklungen dieser Tage, dass ausgerechnet US-Präsident Donald Trump von sich behaupten kann, mit seiner kalkulierten Unberechenbarkeit, seinen wüsten Drohungen gegen Pjöngjang und der Geheimdiplomatie seines neuen Außenministers Mike Pompeo die neue Abrüstungspolitik mit vorbereitet zu haben.

Eine Entscheidung über die künftigen Machtverhältnisse in Südostasien ist damit zwar noch nicht gefallen. Aber der Weg zu einem friedlichen Miteinander der beiden Teilstaaten ist vielversprechender denn je.

Von Stefan Koch

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