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Deutschland / Welt Willkommen im Weltwirtschaftskrieg
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22:21 10.08.2018
US-Präsident Donald Trump Quelle: AP
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Hannover

Will Donald Trump die Weltwirtschaft brennen sehen? Will er dann Lieder zur Laute singen, wie es der Legende nach Nero tat, mit Blick aufs brennende Rom?

Soeben warf der US-Präsident jedenfalls eine Fackel in die ökonomisch schon gefährlich ausgedörrte Türkei. Trump verdoppelte seine Abschottungszölle und fügte händereibend auf Twitter hinzu: „Die türkische Lira rutscht rapide abwärts gegen unseren sehr starken Dollar!“

Willkommen im Weltwirtschaftskrieg. Es geht jetzt nicht mehr um Details, um Fragen der Fairness im Handel. Es geht jetzt um Übelzufügung: Wie kann ich dem anderen möglichst schnell und möglichst heftig schaden, ihn vielleicht gar in eine tiefe Krise rasseln lassen?

Währungen fallen in den Keller

Sanktionen, Sanktionen, Sanktionen: Trump legt die ökonomische Lunte an die Türkei, an den Iran, an Russland, an China. In Moskau fiel der Rubel auf den tiefsten Wert seit zwei Jahren, aus Teheran verabschiedet sich derzeit ein Investor nach dem anderen, Peking fürchtet eine Rezession. Was, wenn diese jetzt überall lodernden Feuer sich vereinen zu einem Flächenbrand an den globalen Finanzmärkten?

Niemand, auch nicht der ärgste Feind Recep Tayyip Erdogans, kann Interesse haben an einem Kollaps der türkischen Finanzwelt. Viele europäische Banken, spanische und französische vorneweg, haben Geld in der Türkei investiert; gefährliche Kettenreaktionen drohen. Europas Nationalisten kichern schon: Wenn es bald brennt bei den Geldhäusern in der Euro-Zone, werden als Erstes die Pläne Emmanuel Macrons zu Asche, die EU enger zusammenrücken zu lassen.

US-Staatsschulden verdoppeln sich

Der Weltwirtschaftskrieg zerstört Zukunftsideen, aber auch alte Allianzen. Verbündete der USA werden jetzt attackiert, ohne dass ihnen jemand hilft. Als Kanada die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien kritisierte, erzwang der Wüstenherrscher und spezielle Trump-Freund Mohammed bin Salman den sofortigen Verkauf sämtlicher kanadischer Wertpapiere durch saudische Investoren: Kanada soll leiden.

Trump schweigt dazu. Hatte Kanadas Premier Justin Trudeau nicht auch ihn kritisiert? Trump fühlt sich unglaublich stark. Sogar der Anstieg der Ölpreise, von ihm eigenhändig hervorgerufen durch seine Iran-Sanktionen, scheint ihm zu nützen. Da die USA mehr Öl und Gas fördern denn je, rentiert sich das Fracking jetzt besser. Für gute Stimmung in den USA sorgt zudem die fröhliche Steuersenkungsparty, für die künftige Generationen zahlen sollen: Die Staatsschulden verdoppeln sich unter Trump von 11 auf 22 Billionen Dollar.

Damit allerdings türmt Trump im eigenen Land mehr brennbares Material auf als alle Präsidenten vor ihm. Es ist gefährlich, mit Brandfackeln zu hantieren, wenn man sich selbst in Verflechtungen befindet, die man nicht lösen kann.

Von Matthias Koch

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