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Deutschland / Welt Zehntausende Katalanen demonstrieren gegen Unabhängigkeit
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13:19 29.10.2017
Tausende kamen in Barcelona zusammen, um gegen die Unabhängigkeit Kataloniens zu demonstrieren. Quelle: AP
Barcelona

Zwei Tage nach dem Unabhängigkeitsvotum des katalanischen Parlaments haben Zehntausende in Barcelona gegen eine Abspaltung demonstriert. Viele trugen spanische und katalanische Fahnen. Die Atmosphäre war fröhlich, obwohl einige „Puigdemont, geh ins Gefängnis!“ riefen.

In Sprechchören drückten Demonstranten ihre Unterstützung der vom spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy eingeleiteten Maßnahmen gegen eine Abspaltung Kataloniens aus. Dazu gehören die Absetzung der Regionalregierung und ihres Präsidenten Carles Puigdemont, die Auflösung des Regionalparlaments und dessen Neuwahl am 21. Dezember. „Jetzt ja, wir werden wählen gehen!“, riefen sie und applaudierten jedes Mal, wenn ein Polizeihubschrauber über sie hinwegflog. „Das ist unsere Polizei“, riefen sie.

Oppositionsführerin Ines Arrimadas bei den Demonstrationen. Quelle: AP

Zu der Kundgebung hatte die prospanische Societat Civil Catalana aufgerufen. Deren Vorsitzender Alex Ramos sagte: „Wir haben uns spät organisiert, aber wir sind hier, um zu zeigen, dass die Mehrheit der Katalanen nicht länger schweigt und sich nicht länger zum Schweigen bringen lässt.“ 

Das Wort von der schweigenden Mehrheit griff auch die Vorsitzende der katalanischen Sektion der Bürgerpartei auf, die ebenfalls für die Einheit Spaniens eintritt. „Heute geht die schweigende Mehrheit der Katalanen erneut auf die Straße, um zu zeigen, dass die Mehrheit der Katalanen sich als katalanisch, spanisch und europäisch empfindet“, sagte Ines Arrimadas. Bei der Wahl im Dezember gehe es darum, eine Mehrheit zu gewinnen „und den Katalanen die Chance zu geben, unsere Zukunft zurück zu gewinnen“.

„Es ist die Zeit, auf die Straße zu gehen und die Wahlurnen zu übernehmen.“ Quelle: dpa

Der Vorsitzende der prospanischen Oppositionspartei Ciudadanos, Albert Rivera, warf den Separatisten vor, „in einer Parallelwirklichkeit“ zu leben. „Das ist nicht die Zeit, in einer Art Matrix zu leben. Es ist die Zeit, auf die Straße zu gehen und die Wahlurnen zu übernehmen“, sagte er. Bereits vor drei Wochen hatte die Societat Civil Catalana zu einer Demonstration aufgerufen, zu der Hunderttausende kamen.

Puigdemont hatte nach dem Inkrafttreten der Madrider Zwangsmaßnahmen die Katalanen zum friedlichen Widerstand aufgerufen. Der mit ihm von Rajoy abgesetzte Vizepräsident, Oriol Junqueras, schloss am Sonntag nicht aus, dass sich die separatistischen Parteien an der von Madrid angesetzten Neuwahl beteiligen. In einem in der katalanischen Zeitung „El Punt-Avui“ veröffentlichten Offenen Brief schrieb er, die Unabhängigkeitsbewegung müsse „weiter vorwärts gehen ohne jemals auf die Wahlurnen zu verzichten“.

Quelle: dpa

Bei der Neuwahl am 21. Dezember müssen die Separatisten Kataloniens nach einer Umfrage mit einem Verlust der Mehrheit im Regionalparlament in Barcelona rechnen. Bei einem Urnengang zum jetzigen Zeitpunkt würden die drei nach Unabhängigkeit der spanischen Region strebenden Parteien zusammen auf höchstens 42,5 Prozent der Stimmen und damit 65 Sitze kommen, wie aus einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage des angesehenen Forschungsinstituts Sigma Dos im Auftrag der Madrider Zeitung „El Mundo“ hervorgeht. Für die absolute Mehrheit sind mindestens 68 Sitze nötig.

Die separatistische Allianz Junts pel Sí (Gemeinsam fürs Ja) und die linksradikale Partei CUP (Candidatura de Unidad Popular), die das Regierungsbündnis unterstützte, hatten bei der Wahl von 2015 zusammen 47,7 Prozent erhalten und waren damit auf insgesamt 72 Sitze gekommen.

Nach der Sigma-Dos-Umfrage würde Junts pel Sí jetzt nur noch 36,2 Prozent erhalten und somit im Vergleich zu den Wahlen von vor zwei Jahren 3,3 Prozentpunkte verlieren. Ob diese Allianz, die von der liberalen PDeCat (Partido Demócrata Europeo Catalán) des von der spanischen Regierung abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont und der linken ERC (Esquerra Republicana de Catalunya) gebildet wurde, bestehen bleibt, ist fraglich. Zumal die ERC mit 26,4 Prozent erstmals in ihrer Geschichte stärkste Partei sein würde.

Von ap/RND