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Kinder bleiben Armutsrisiko

Bundesregierung in der Kritik Kinder bleiben Armutsrisiko

Jedes siebte Kind unter 15 Jahren in Deutschland lebt von Hartz IV, in Ostdeutschland sogar jedes vierte. Kein Grund also zur Entwarnung am Arbeitsmarkt?

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Kinder bleiben ein Armutsrisiko.

Quelle: dpa

Berlin. Das Arbeitsministerium sieht sich auf Erfolgskurs: Die Zahl der bedürftigen Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten leben, sinkt. Doch der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht keinen Anlass zur Entwarnung. . Auch die aktuellen Arbeitsmarktzahlen belegen, dass die Zahl der Hartz-IV-Bezieher zwar binnen fünf Jahren um rund eine Million Menschen auf 6,2 Millionen gesunken ist. Bei Kindern ist der Rückgang jedoch deutlich geringer; in Berlin stieg die Zahl der bedürftigen Kinder sogar.

Die gute Arbeitsmarktentwicklung komme bei kinderreichen Familien und Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug kaum an, kritisierte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen. Zwar sei die Zahl der betroffenen Kinder binnen fünf Jahren um 280000 auf 1,6 Millionen gesunken; doch da auch die Gesamtkinderzahl zurückgehe, sei die Kinderarmutsquote, der Anteil bedürftiger Kinder, gleichbleibend hoch und skandalös. Bundesweit sank die Quote zwischen 2006 und 2011 von 15,6 auf 14,9 Prozent.

Einen besonders starken Rückgang und damit positiven Trend vermerkt die Studie in Ostdeutschland. In allen neuen Bundesländern ist Kinderarmut seit Einführung von Hartz IV deutlich, teilweise um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. Dennoch ist in Mecklenburg-Vorpommern noch immer jedes vierte Kind (24 Prozent) und in Sachsen jedes fünfte Kind (20 Prozent) von Sozialleistungen abhängig.

In Westdeutschland ist die Situation regional sehr unterschiedlich. In Niedersachsen sank der Anteil bedürftiger Kinder von 16,8 Prozent im Jahr 2006 auf 14,6 Prozent in 2011. In Schleswig-Holstein von 17,2 Prozent auf 15,3 Prozent. Besorgniserregend sei dagegen die Entwicklung im Ruhrgebiet, sagte Schneider. Die Kinderarmutsquote liegt dort mit 25,6 Prozent über dem ostdeutschen Schnitt, mit steigender Tendenz seit Jahren. In Gelsenkirchen lebt mittlerweile jedes dritte Kind von Hartz IV. Dieser "armutspolitische Erdrutsch" dürfe nicht länger ignoriert werden, warnte Schneider.

Im Ländervergleich ist nach wie vor Berlin mit einer Quote von 33,6 Prozent das Schlusslicht. In der Hauptstadt werde deutlich, wie stark die demografische Entwicklung die Statistik beeinflusse, sagte Schneider. "Wenn im kinderfreundlichen Bezirk Prenzlauer Berg morgen noch einmal 1000 Kinder zur Welt kommen, sinkt die Armutsquote, ohne dass nur ein Kind in Berlin-Neukölln aus Hartz IV herausgeholt wurde."

Der Paritätische fordert eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik. Das Bildungspaket für Kinder müsse ebenso reformiert werden wie der Kinderzuschlag. Alleinerziehende bräuchten eine bessere Unterstützung. In Mecklenburg-Vorpommern ist mehr als jede zweite Alleinerziehende (57 Prozent) mittlerweile von Hartz IV abhängig. Selbst im wirtschaftsstarken Baden-Württemberg lebt jede dritte Alleinerziehende mit ihren Kindern von Sozialleistungen. Nach Ansicht Schneiders ist ein Ausbau der Kinderbetreuung nicht die alleinige Lösung. Die Hälfte der Frauen habe keinen Berufsabschluss. Notwendig seien Qualifizierungsangebote und öffentlich geförderte Beschäftigung.

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©dpa

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