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Niedersachsen Zahl der Pflegebedürftigen wächst deutlich
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21:01 10.09.2018
Stärkung der Ausbildung von Pflegekräften in Niedersachsen: Dr. Hans-Heinrich Aldag und Sozialministerin Carola Reimann, Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Niedersachsen muss sich auf erheblich mehr Pflegebedürftige einstellen. Eine am Montag vorgestellten Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) spricht von mehr als 444.000 Menschen, die im Jahr 2035 auf Pflege angewiesen sein werden – fast ein Drittel mehr als 2015. In ganz Deutschland würden es dann wohl vier Millionen sein, gegenüber drei Millionen im Jahr 2015. „Schon heute fehlen entsprechende Fachkräfte – und die Lücke wird stetig größer“, hob das arbeitgebernahe Institut hervor. Maßgeblich in der Verantwortung seien die Länder. In Hannover stellte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) eine „Ausbildungsallianz“ für Pflegekräfte vor.

Ausbildungsallianz soll Pflegeberufe stärken

Dem neuen Verbund gehören Vertreter von Pflegeschulen, Kommunen, Krankenhausgesellschaft und Wohlfahrtsverbänden an. Sandra Mehmecke, Präsidentin der Niedersächsischen Pflegekammer, sprach von einer „bundesweit einmaligen Allianz zur Stärkung der Ausbildung von Pflegekräften“. Es gehe darum, die Pflegeausbildung attraktiver zu machen.

Ab 2020 werden bundesweit in einer generalistischen Ausbildung alle Pflegekräfte in den ersten zwei Jahren gemeinsam geschult. Die Auszubildenden müssen sich nicht mehr frühzeitig festlegen, ob sie im Bereich der Altenpflege, der Kinderpflege oder in einem Krankenhaus arbeiten wollen. In Niedersachsen soll die Ausbildung soll über ein Umlageverfahren finanziert werden, an dem alle bisherigen Kostenträger und das Land beteiligt sind. „Es wird überall eine Ausbildungsvergütung geben, das wird alles aus einem Topf finanziert“, sagte Ministerin Reimann. „Darüber bin ich sehr froh, das ist nicht in allen Bundesländern der Fall.“ Die Ausbildungsallianz greife die mit dem bundesweiten Pflegeberufegesetz eingeleitete Aufwertung der Pflegeberufe auf und flankiere die Bestrebungen auf Landesebene.

Pflegekräfte dringend gesucht

Die in der Pflegeausbildung aktiven Einrichtungen hoffen, so mehr Nachwuchs zu finden. „Wir suchen Pflegekräfte überall und händeringend“, berichtete Hans-Heinrich Aldag, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft. Die Allianz dokumentiere einen Schulterschluss, der so nicht selbstverständlich sei. Zuletzt hatten die Gewerkschaften Alarm geschlagen. Laut einer Erhebung von DGB und Verdi fühlen sich hunderttausende Pflegekräfte durch Überlastung, Dauerstress und geringe Bezahlung ausgezehrt.

Laut einer Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse sind aber auch Angehörige in hohem Maß engagiert. 86 Prozent der Befragten in Deutschland erklärten sich bereit, nahe Angehörige mehrere Stunden in der Woche zu pflegen. Rund zwei Drittel von ihnen würden dafür im Beruf kürzer treten und Stunden reduzieren, zwei von zehn sogar eine längere Auszeit nehmen. Mit 83 Prozent möchte die große Mehrheit in der eigenen Wohnung versorgt werden. Gleichzeitig können sich 58 Prozent gut vorstellen, sich bei körperlichen Einschränkungen von einem Roboter helfen zu lassen.

Von Gabriele Schulte und Rebecca Hürter

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