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Untersuchungsausschuss

Kühn: Mögliches Absaufen der Asse schon lange bekannt


Der jahrzehntelang Asse-Verantwortliche Klaus Kühn überrascht vor dem Untersuchungsausschuss mit der Aussage, dass das mögliche Absaufen der Asse durch Zutritt von Laugen schon vor dem Beginn der Einlagerung von Atommüll bekannt war.
Ein mögliches Absaufen der Asse durch Zutritt von Laugen war offenbar schon vor dem Beginn der Einlagerung von Atommüll bekannt.

Ein mögliches Absaufen der Asse durch Zutritt von Laugen war offenbar schon vor dem Beginn der Einlagerung von Atommüll bekannt.

Vom Zeugen Klaus Kühn hatten sich die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zum Atommülllager Asse besonders viel Erkenntnisgewinn erwartet. Schließlich wird der 71 Jahre alte Bergbau-Ingenieur in der Fachwelt auch ehrfürchtig „Endlagerpapst“ genannt. Weltweit gilt er als einer der profiliertesten Wissenschaftler für Fragen der Endlagerung von Atommüll.

Kühn enttäuschte das Kontrollgremium des niedersächsischen Landtags am Donnerstag nicht. Der jahrzehntelang Verantwortliche für die marode Schachtanlage bei Wolfenbüttel überraschte gleich zu Beginn seiner mehrstündigen Anhörung mit der Aussage, dass das mögliche Absaufen der Asse durch Zutritt von Laugen schon vor dem Beginn der Einlagerung von Atommüll bekannt war.

Der Zutritt von Laugen sei in der Forschung sogar „von Anfang an“ als „größter anzunehmender Unfall“ in einem Salzstock-Endlager „definiert“ gewesen, sagte Kühn. Konsequenzen zogen er und seine Kollegen von der ehemaligen Asse-Betreiberin Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) nicht. Für einen “überschaubaren Zeitraum“ von 100 Jahren habe man die Standfestigkeit der Asse für „durchaus“ gegeben gehalten. Deshalb sei trotz des möglichen „Störfalls“ durch Laugenzutritt dort 1967 mit der Einlagerung von schwach- und mittelradioaktivem Abfall begonnen worden, erläuterte der Ingenieur.

Heute liegen nach offiziellen Angaben 126.000 Fässer dieses Abfalls in dem ehemaligen Salzstock. Momentan prüft das Bundesamt für Strahlenschutz, wie man vor dem Einsturz der Asse den radioaktiven Müll - der nach heutigem Wissen nicht nur 100 Jahre, sondern sicherlich mehrere Zehntausend Jahre oder länger strahlt - am besten absichert. Möglicherweise muss er aufwendig an die Oberfläche zurückgeholt und an einen sichereren Standort gebracht werden.

Kühn gab zu bedenken, dass er und seine Kollegen nach dem damaligen Stand der Wissenschaft gehandelt hätten. „Von uns wird aber erwartet“, damals nach dem Stand der Wissenschaft „von heute gehandelt zu haben“, beklagte er sich. Das Wissen habe sich seitdem „sehr verbessert“. Heute beispielsweise könne man mit einem „Rechenprogramm“ gebirgsmechanische Bewegungen simulieren. So etwas habe es in den sechziger Jahren nicht gegeben. Aber man habe den „Erkenntnisstand“ weiterentwickelt, betonte Kühn. Gleichwohl - so räumte er ein - „unter heutigen Gesichtspunkten“ hätte man die Asse nicht als Standort für die Einlagerung von Atommüll auswählen dürfen.

Was insbesondere die Ausschussmitglieder der Opposition Wissenschaftlern wie Kühn vorwerfen, ist, dass die Asse trotz der fachlichen Bedenken der Öffentlichkeit lange als sicher verkauft worden sei. Im Jahr 1969 habe in allen Zeitungen gestanden, dass die Asse „sicher für alle Zeiten“ sei, sagte Grünen-Obmann Stefan Wenzel. „Intern“ aber habe man gewusst, dass die Standfestigkeit der Asse gefährdet gewesen sei. In diesem Punkt habe „Kühn als führender Wissenschaftler maßgeblich dazu beigetragen, dass die Öffentlichkeit über viele Jahre getäuscht wurde“, sagte Wenzel.
Der Historiker Detlev Möller - der am Donnerstag vor Kühn vom Asse-Ausschuss angehört wurde - sprach in diesem Zusammenhang von einem „kleinen Kreis“, der die „Republik genarrt“ habe. Kühn schloss Möller auf Nachfrage in diesen Kreis explizit ein. Der Asse-Verantwortliche habe die Öffentlichkeit und die Politik über Sicherheitsmängel in der Schachtanlage „getäuscht“, sagte Möller.

Laut dem Historiker war die Asse überdies nie ein Forschungsbergwerk wie offiziell deklariert, sondern „von Anfang an“ ein Endlager für Atommüll und die „nationale Landebahn“ für die Nutzung der Kernenergie in Deutschland. Durch die Asse sei der „kommerzielle Durchbruch“ dieser Technologie erst möglich geworden, fügte Möller hinzu.

Kühn sagte vor dem Ausschuss, er sei auch heute noch aus „innerlichster“ Haltung von den Vorteilen der Kernenergie überzeugt. Vorwürfe, er sei Atomlobbyist, wies er zurück. „Nichts ist mehr gelogen als das“, betonte der Ingenieur.

ddp

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  • Unglaubliche Chuzpe Hanjo – 06.11.09
    Stellt sich wirklich noch die Frage nach einer Verantwortung, wenn einem Bergbau-Ingenieur ein mögliches Absaufen der Anlage von Anfang an bekannt ist, er aber offensichtlich wider besseren Wissens die Einlagerung für 100 Jahre als gesichert ansieht?
    Stand der Wissenschaft: Will der Herr uns etwa erzählen, man hätte 1967 nicht gewußt, dass der atomare Mist 1000 Jahre oder mehr strahlt?
    1000 Jahre minus 100 (sichere) = 900 Jahre Verdammnis für Leute, die
    einen solchen Schwachsinn absondern!

    Ein kleiner Kreis von eingeschworenen Atomlobbyisten hat die Republik genarrt. Ein Schelm, wer denkt, das könnte heute anders sein...
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  • was ist daran überraschend? MF – 05.11.09
    Ich komme aus der Region zwischen der Asse, Schacht Konrad und Morsleben.

    Vor ca. 15 Jahren besuchten wir mit der Schulklasse das "Versuchsendlager Asse".

    Damals wurde uns ganz offen mitgeteilt, dass Schacht 1 und 3 bereits abgesoffen sind (Das Lager ist in Schacht 2), dass dort Hochradioaktiver Abfall mit schwach strahlendem vermischt wird, um den maximal einlagerbaren mittelradioaktiven Abfall zu erhalten und dass auch radioaktive Tierkörper eingelagert wurden. Ebenso konnten wir uns davon überzeugen, dass einige der Lagermethoden garantiert nicht das Merkmal der Rückholbarkeit aufwiesen.

    Das Einzige, was mich immer noch überrascht, ist die scheinbare Unwissenheit der Beteiligten.
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