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Niedersachsen Internetkriminalität nimmt rasant zu
Nachrichten Politik Niedersachsen Internetkriminalität nimmt rasant zu
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00:20 06.08.2018
Hackerangriffe werden immer häufiger – und gefährden die Wirtschaft und Privatleute. Einen rasanten Anstieg der Internetkriminalität verzeichnet das Landeskriminalamt Niedersachsen. Quelle: dpa
Hannover

Betrüger hacken sich in die Patientendateien von Arztpraxen, rauben sie und geben sie erst gegen „Lösegeld“ wieder her. Firmen werden ausgespäht und erpresst. Dies sind typische Formen der Internetkriminalität („Cybercrime“), die nach Angaben des niedersächsischen Landeskriminalamtes in den vergangenen Jahren „rasant“ gewachsen ist.

„Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Internetkriminalität um 30 Prozent erhöht“, sagt ein LKA-Sprecher auf Anfrage der HAZ. Im Jahr 2017 seien 33  522 solcher Straftaten erfasst worden. Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) betrachtet die Entwicklung aufmerksam: „Weil die Täter oft aus dem Ausland heraus agieren und sich auch die Server im Ausland befinden, sind wir bei den Ermittlungen auf internationale Zusammenarbeit angewiesen. Die funktioniert gut und wird von uns weiter forciert“, sagte Havliza der HAZ.

Drogenhandelper Postversand

Nach Beobachtungen der Ermittler vom LKA verschiebt sich das ganz „normale“ Verbrechen immer weiter ins Internet. Straftaten wie Betrug, Erpressung, Raub. Selbst klassische Straftaten der Straße, wie etwa der Handel mit Drogen, verlagere sich dorthin. „Täter nutzen extensiv die Möglichkeiten der Digitalisierung, und das nicht nur bei der Kommunikation“, berichtet der stellvertretende LKA-Sprecher Marius Schmidt. So würden alle möglichen illegalen Rauschmittel „in einem extrem hoch verfügbaren Markt im Postverkehr versandt.“ Gehandelt würde diese Ware im sogenannten Darknet. Die Palette der Produkte dort reiche von gestohlenen Kontodaten über falsche Identitätspapiere bis hin zu Waffen.

„Die Bekämpfung der Cyberkriminalität ist eine der zentralen Herausforderungen in der Strafverfolgung“, sagt Justizministerin Havilza. Aber die niedersächsische Justiz sei mit Spezialstaatsanwaltschaften gut gerüstet. Auch LKA-Präsident Friedo de Vries sieht seine Ermittlungsbehörde personell und materiell gut aufgestellt für die Aufgabe.

Vielen Firmen droht Gefahrdurch Hackerattacken

Besonders dynamisch ist die Entwicklung im wirtschaftlichen Bereich, wo immer mehr Firmen mit Hackerattacken rechnen müssen. „Die digitalen Panzerknacker von heute sehen anders aus. Sie sitzen auf der ganzen Welt hinter dem Rechner“, sagt Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der niedersächsischen Unternehmerverbände. Gerade kleinere und mittlere Firmen müssten für das Thema IT-Sicherheit sensibilisiert werden.

Das wollen auch Mitarbeiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) bewirken, die in der kommenden Woche die größte deutschlandweite Befragung von Unternehmen zur IT-Sicherheit starten. „Wir werden 5000 kleinere und mittelgroße Unternehmen befragen“, berichten Gina Wollinger und Arne Dreißigacker. Es sei bisher viel zu wenig darüber bekannt, in welchem Ausmaß Unternehmen von Cyberattacken betroffen seien – und wie sie sich wehren könnten. „Es ist auch so wenig bekannt, weil die wenigsten Firmen Fälle von Erpressung oder Lösegeld anzeigen“, sagt Wollinger.

Von Michael B. Berger

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