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Niedersachsen Ministerin fordert weniger Einsatz von Antibiotika
Nachrichten Politik Niedersachsen Ministerin fordert weniger Einsatz von Antibiotika
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00:43 08.04.2018
Kampf gegen Bakterien: Das Land Niedersachsen hat einen Ratgeber für Ärzte veröffentlicht. Quelle: dpa
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Hannover

Im Kampf gegen multiresistente Keime hat Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) zu einem sparsamen Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin aufgerufen. Ihr Appell richtet sich in erster Linie an niedergelassene Ärzte, die nach Ansicht des Ministeriums noch zu viel und zu schnell Antibiotika verschreiben – vor allem bei Viruserkrankungen. Deutschlandweit werden den Angaben zufolge 85 Prozent der Antibiotika im ambulanten Bereich verordnet.

„Antibiotika müssen bei der Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten weiter wirksam bleiben“, sagte Reimann am Donnerstag im Landesgesundheitsamt in Hannover bei der Vorstellung eines neu aufgelegten Ratgebers für niedergelassene Ärzte. Eine zielgerichtete Behandlung mit Antibiotika sei wichtig, um Keime zu bekämpfen, die gegen die Mittel resistent sind. „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“ – das müsse der Leitsatz sein.

Resistenzen nehmen zu

Nach Angaben des Ministeriums haben die Resistenzen bei sogenannten gramnegativen Keimen wie etwa „Escherichia coli“ zugenommen. Auch Hochrisikokeime  wie „Acinetobacter baumannii“ oder „Klebsiella pneumoniae“ sind trotz aller Maßnahmen weiterhin ein Problem. Ein Trend sei hier noch nicht absehbar. Dagen sei der Anteil des Krankenhauskeims MRSA kontinuierlich zurückgegangen. Wurde im Jahr 2009 noch bei 24,9 Prozent aller Proben eine Resistenz festgestellt, waren es 2016 nur noch 15,6 Prozent. Das sei vor allem auf die bessere Hygiene in Krankenhäusern und Praxen zurückzuführen, hieß es.

Laut Ministerium wurde der Antibiotika-Einsatz bei der Mast in den Tierställen binnen fünf Jahren mehr als halbiert: bei Ferkeln, Schweinen, Kälbern und Puten.

Mit dem Informationsheft „Kein Antibiotikum – warum?“ soll der Arzt besser erklären können, warum er kein Antibiotikum verschreibt, obwohl der Patient es fordert. „Das hilft bei der Überzeugungsarbeit“, sagte Reimann.

Die Ministerin präsentierte den Ratgeber gemeinsam mit dem Landesgesundheitsamt, der Ärztekammer Niedersachsen und der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Neuauflage gibt Tipps, welche Antibiotika gezielt bei welchen Krankheiten verschrieben werden können. 

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Jörg Berling, sagte, insbesondere wenn älteren Menschen mehrere Medikamente zugleich verordnet würden, sei ein zurückhaltender Einsatz von Antibiotika angezeigt. „Auch hier ist weniger häufig mehr.“ Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, betonte, dass die Entscheidung, ob und welches Antibiotikum eingesetzt werde, durch den behandelnden Arzt „in jedem Einzelfall sorgfältig getroffen werden“ müsse.

Von Marco Seng

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