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Niedersachsen Ärzte fordern 200 neue Medizinstudienplätze
Nachrichten Politik Niedersachsen Ärzte fordern 200 neue Medizinstudienplätze
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17:02 26.09.2018
Ein Schild an einem Haus weist auf eine Arztpraxis hin. Vor allem im ländlichen Raum droht ein Ärztemangel. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Hannover

Die Ärztekammer Niedersachsen hat die rot-schwarze Landesregierung aufgefordert, unverzüglich 200 neue Medizinstudienplätze in Niedersachsen zu schaffen. Das beschloss die Kammerversammlung am Mittwoch in Hannover. Die 60 Delegierten sprachen sich in einer Resolution einstimmig dafür aus, dass die drei medizinischen Fakultäten in Hannover, Göttingen und Oldenburg mit finanzieller Unterstützung des Landes umgehend diese zusätzlichen Studienplätze einrichten. „Nur durch eine deutliche Erhöhung der verfügbaren Medizinstudienplätze wird es möglich sein, dem Ärztemangel nachhaltig zu begegnen“, sagte Kammerpräsidentin Martina Wenker.

Die Ärztekammer hält die 60 geplanten Studienplätzen am Campus Braunschweig der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) nicht für ausreichend. Die 200 Plätze müssten jetzt geschaffen werden, damit die zahlreichen qualifizierten Bewerber auch die Chance bekämen, ihr Medizinstudium zu absolvieren. Desweiteren müsse es Anreize für die Absolventen geben, sich auch im ländlichen Raum Niedersachsens niederzulassen. Hier spiele die Familienfreundlichkeit eine große Rolle.

Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hat insgesamt 200 neue Medizinstudienplätze in den nächsten Jahren angekündigt. „Das wird aber nicht von heute auf morgen gehen“, sagte Ministeriumssprecherin Anna Anding der HAZ. Zunächst sollen die 60 Plätze in Braunschweig entstehen, später weitere 140 Plätze an der European Medical School (EMS) in Oldenburg. Dafür ist laut Ministerium aber eine Einigung mit der Universität Groningen notwendig, die an der EMS beteiligt ist. Die Gespräche seien auf einem guten Weg, sagte Anding. Im Haushalt 2019 hat die Landesregierung eine halbe Million Euro für die Medizinerausbildung eingeplant. In den Folgejahren sollen es dann jeweils 10 Millionen Euro sein.

Nach Angaben der Ärztekammer hat Niedersachsen in den vergangenen Jahren jeweils weniger als 600 Ärzte ausgebildet – mit fallender Tendenz. Danach registrierte die Universitätsmedizin Göttingen für das Jahr 2016 genau 247 Absolventen im Fach Humanmedizin, vier Jahre zuvor seien es noch 300 gewesen. Die Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) habe für das Jahr 2016 exakt 272 Examenskandidaten gemeldet – gegenüber 298 im Jahr 2012.

Laut Ärztekammer gehen in den kommenden zwei Jahrzehnten bis zu 1000 Ärzte jährlich in den Ruhestand. Bereits heute gebe der Ärztemangel Anlass zu großer Sorge: Die für die Versorgungssicherung zuständige Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) melde derzeit 408,5 unbesetzte Arztsitze, davon allein 365 unbesetzte Hausarzt-Sitze. Auch in den Krankenhäusern seien viele Stellen nicht besetzt. Um der drohenden Unterversorgung zu entgegnen, müsse Niedersachsen erheblich mehr Ärzte ausbilden.

Die Ärztekammer spricht von einer „absurden Bildungspolitik“, bei der Ärzte aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um eine Mangelsituation auszugleichen, während gleichzeitig deutsche Abiturienten ins Ausland gehen müssen, damit sie die Chance auf einen Medizinstudienplatz bekommen.

Von Marco Seng

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