Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Niedersachsen Moorbrand: Land wurde erst zehn Tage nach Ausbruch informiert
Nachrichten Politik Niedersachsen Moorbrand: Land wurde erst zehn Tage nach Ausbruch informiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 27.09.2018
Nach Raketentests auf einem Bundeswehrgelände im Emsland schwelt ein großflächiger Moorbrand. Quelle: dpa
Hannover

Die Bundeswehr wird am Dienstag wieder Aufklärungsflüge über das brennende Moor im Emsland schicken. Das teilte ein Bundeswehrsprecher in Meppen mit. Auch Drohnen seien eingesetzt worden, um Aufnahmen des Geländes zu machen, unter dessen Oberfläche sich die Flammen weiter in den zwei Meter dicken Torf fressen. Wann die Brände gelöscht werden, die bereits am 3. September durch zwei von einem Helikopter abgefeuerte Raketen entfacht worden sind, kann noch niemand vorhersagen. Immerhin brennt es an der Oberfläche nicht mehr und immerhin scheinen die Anwohner der benachbarten Emsland-Dörfer nicht mehr unter dem beißenden Qualm zu leiden, der in der vergangenen Woche sogar in Oldenburg oder im noch weiter entfernten Hamburg zu riechen war.

Großbrand auf einem Gelände der Bundeswehr in Meppen. Die Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen. Doch die Löscharbeiten sind äußerst schwierig.

Bundeswehr hat Landesregierung nie informiert

Die politische Aufklärung des Vorfalls, für den sich Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am vergangenen Sonnabend persönlich entschuldigte, steht allerdings noch bevor. Diese Woche wird sich in Berlin der Verteidigungsausschuss mit der Affäre beschäftigen, die dieses gewaltige Ausmaß auch deshalb annehmen konnte, weil die Bundeswehr anfangs versuchte, den selbst entfachten Brand mit „Bordmitteln“ zu löschen – mit einer Spezialraupe, die beim Einsatz nach dem zweiten Abschuss ihren Dienst versagte. Am Montag setzte Niedersachsens Umweltausschuss den Auftakt, nachdem die Grünen als erste um rasche Aufklärung gebeten und der frühere Landwirtschaftsminister Christian Meyer sogar mit einer Strafanzeige aktiv geworden war.

„Offiziell hat die niedersächsische Landesregierung von diesem Ereignis nie erfahren“, berichtete im Ausschuss der Abgesandte des Innenministeriums, Klaus Wickboldt, ein Feuerwehrfachmann. So sei man auf die sich langsam ausweitende Katastrophe erst am 13. September aufmerksam geworden, nachdem sich örtliche Feuerwehren im Ministerium gemeldet hätten. Die seien direkt von der Bundeswehr angefordert worden. Derzeit seien 1670 Einsatzkräfte vor Ort, davon 960 von der Feuerwehr und 150 von der Landespolizei.

Moorbrand hinterlässt großen Schaden

Auch wenn noch völlig unklar ist, welche Folgen die Versäumnisse der Bundeswehr haben werden und ob nicht auch die Landesregierung früher hätte aufmerksam werden müssen, scheint der jetzt schon entstandene Schaden riesig. So erklärte das Landesumweltministerium in der Ausschusssitzung, dass das in Brand befindliche Hochmoor einzigartig im Nordwesten sei, weil es eben nicht wie all die anderen industriell abgetorft worden sei. Zur Regeneration könne man „noch keine belastbaren Prognosen herausgeben“ – wenn es denn überhaupt regeneriert werden kann.

„Sie können davon ausgehen, dass das Hochmoor nachhaltig zerstört worden ist“, sagte ein Fachmann des Umweltministeriums, während der Bund für Natur- und Umweltschutz Deutschland (BUND) die Katastrophe zum Anlass nahm, einen grundlegenden Wandel in der Behandlung von Mooren zu verlangen. Einig in ihrem Ärger über den Leichtsinn der Bundeswehr waren sich nahezu alle Abgeordnete – von Imke Byl (Grüne) zu Marcus Bosse (SPD), Horst Kortlang (FDP) und Frank Oesterhelweg (CDU). Dessen Kollege Martin Bäumer indes empfahl, „sich nicht nur zu echauffieren“ (aufzuregen). Aber was dann?

Von Michael B. Berger

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Niedersachsens Verfassungsschutzchefin Maren Brandenburger sieht eine Nähe von der Jungen Alternativen zu Rechtsradikalen und erklärt, warum sie die Organisation genau unter die Lupe nimmt

23.09.2018

Anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde für Sigmar Gabriel in Goslar hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einer Spaltung des Landes gewarnt.

21.09.2018

Ab 1. Januar 2019 dürfen Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Die Mehrheit der Länder stimmte gegen eine Fristverlängerung. Das Landvolk sprach von einem „schwarzen Freitag“ für die Sauenhalter.

21.09.2018