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Niedersachsen Klinikärzte kämpfen gegen zu hohe Arbeitsbelastung
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21:51 10.04.2019
Demonstration in Frankfurt: „Junge Ärzte wollen nicht schnell zu kranken Ärzten werden.“ Quelle: Silas Stein/dpa
Hannover

Vor allem wegen der hohen Arbeitsbelastung durch Bereitschafts- und Wochenenddienste sind Ärzte kommunaler Kliniken am Mittwoch in einen eintägigen Warnstreik getreten. Rund 5000 Mediziner versammelten sich zu einer Demonstration in Frankfurt, zu der der Marburger Bund aufgerufen hatte. Viele Krankenhäuser in Niedersachsen mussten lange geplante, aber nicht dringende Operationen verschieben. In der Region waren von dem Arbeitskampf die Häuser des Klinikums Region Hannover (KRH) betroffen. „Es kam nur vereinzelt zu Wartezeiten, betroffene Patienten haben mit Verständnis reagiert“, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Marburger Bund erlebt Eintrittswelle

Unter den Protestierenden waren auch Ärzte aus Lüneburg, Braunschweig, Wolfsburg und aus anderen der 43 Kliniken, die in Niedersachsen in kommunaler Hand sind. Vor allem junge Ärzte seien an den Protesten beteiligt gewesen, berichtete Stephanie Hübner, Sprecherin des Marburger Bundes Niedersachsen. Die Organisation erlebe während der Tarifauseinandersetzungen eine ungewöhnliche Eintrittswelle: „Wir haben täglich so viele Eintritte wie sonst in einer Woche“, sagte die Gewerkschaftssprecherin.

In dem Konflikt spielen die Tarifforderungen (der Marburger Bund fordert 5 Prozent mehr Gehalt bezogen auf ein Jahr) weniger eine Rolle als eine verlässliche Dienstplangestaltung mit klaren Höchstgrenzen und mindestens zwei freien Wochenenden in einem Monat. „Junge Ärzte wollen, wenn sie ihren Traumjob haben, nicht schnell zu kranken Ärzten werden“, sagte Hübner. Auch eine elektronische Zeiterfassung müsse nach Ansicht der Gewerkschaft Standard sein.

„Wir brauchen aber auch Regelungen, die die Präsenz der Versorgung nicht gefährden: Es kann nicht sein, dass Patienten am Wochenende nicht behandelt werden“, sagte Dirk Tenzer. Er vertritt den Verband der kommunalen Arbeitgeber.

Arbeitgeber hoffen auf Wiederaufnahme der Gespräche

Durch gezielte Vorabsprachen und eine Notdienstvereinbarung hatten sich die Kliniken auf den Warnstreik vorbereitet. „Bei uns hat man wenig gespürt“, sagte Bernhard Koch vom Klinikum der Region Hannover. „Natürlich waren wir betroffen“, sagte Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums Lüneburg. Hier seien 10 Prozent der Klinikärzte nach Frankfurt gefahren. „Dabei haben wir einige zentrale Forderungen wie etwa elektronische Zeiterfassungen schon seit Jahren eingeführt“, sagte der Klinik-Geschäftsführer. Aus dem Klinikum Braunschweig sind nach Angaben von Sprecherin Thu Trang Tran rund 60 Ärzte nach Frankfurt gefahren – „vorwiegend Assistenzärzte, deshalb blieb es relativ ruhig“.

Der Verband der kommunalen Arbeitgeber reagierte erstaunt auf den Warnstreik, weil der Marburger Bund von sich aus die Verhandlungen abgebrochen habe. „Es gab aus unserer Sicht keinen Grund für diesen Warnstreik, und ich hoffe, dass der Marburger Bund keinen weiteren Streik veranstaltet, sondern bald wieder an den Verhandlungstisch zurückkommt“, sagte Verhandlungsführer Tenzer.

Von Michael B. Berger

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