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Hype-Band

Gotye überzeugt auch live


Gut zu wissen, dass so etwas im Pop noch geht: Ein Welterfolg ganz ohne Castingshow und Reißbrett-Design, nur mit Hilfe von Talent und starken Songs. Der belgisch-stämmige Australier Gotye macht es vor - und weiß auch live zu überzeugen.
Die australische Popsensation Gotye.

Die australische Popsensation Gotye.

© dpa

Berlin. Der Hit, auf den im restlos ausverkauften Astra alle gewartet hatten, kam schon nach einer halben Stunde: Im Duett mit der hübschen Neuseeländerin Kimbra sang Wouter de Backer alias Gotye die raffiniert verschachtelte Trennungsfrust-Ballade „Somebody That I Used To Know“. Sie gelang den beiden am Dienstagabend beim Berliner Tourneeauftakt ähnlich eindrucksvoll wie auf „Making Mirrors“, dem Überraschungs-Album des Jahres. Spätestens jetzt war klar, dass dieser hoch veranlagte Australier mit belgischen Wurzeln tatsächlich das Zeug zum etwas anderen Popstar hat.

Denn der Triumph von Gotye hat mit den herkömmlichen Mechanismen der Pop-Branche wenig zu tun. Weder ist der 31-Jährige ein strahlender Held vom Reißbrett erfindungsreicher Produzenten, noch hat ihn eine Castingshow in die Charts katapultiert, noch hat er sich über Jahre aus verqualmten Clubs beharrlich hochgearbeitet.

Schon das Debüt „Like Drawing Blood“ (2008) - eine Schnipselarbeit aus nur wenigen selbst eingespielten Instrumenten und jeder Menge Samples - wurde zu einer der besten australischen Platten aller Zeiten gewählt. Der Ende 2011 weltweit erschienene Nachfolger „Making Mirrors“ mit seiner unwiderstehlichen Mixtur aus Pop, Folk, Soul und Weltmusik brachte Gotye dann den Durchbruch - nicht zuletzt dank eines kunstvollen Bodypainting-Videos zu „Somebody...“, das schon bald auf Millionen Smartphones flimmerte.

80,6 Millionen Mal wurde das Stück nach Label-Angaben bisher weltweit auf YouTube abgerufen. Verkaufsrang 1 und Dreifach-Gold für die Single in Deutschland, Platz 3 und eine goldene Schallplatte für das Album - satte Erfolgszahlen für einen nicht mal besonders attraktiven Drummer und Sänger, den noch vor kurzem niemand außerhalb des fünften Kontinents auf der Rechnung hatte.

Dass Gotye kein charismafreier Star aus der Retorte ist, sondern ein höchst versierter Musiker, machte auch das Berliner Konzert deutlich. Der in Brügge geborene Australier und seine vier Mitstreiter nutzten die mit allerlei Schlagwerkzeug vollgestopfte Astra-Bühne als Spielwiese für ein gutes Dutzend Songs, die sie teilweise mit wildem Geklöppel und Getrommel aufmotzten. Gotye verkniff sich dabei jede Bandboss-Arroganz und ließ die Musik sprechen. Beziehungsweise seine Stimme, die oft mit Peter Gabriel verglichen wird, noch häufiger aber mit einem Sting in Bestform.

Dass Gotye bei alledem ein echter Querkopf ist, bewies er in „State Of The Art“ - dem Song, der vom Sound am stärksten an Stings legendäre Erfolgsband The Police erinnert. Ausgerechnet hier verzichtete er auf sein flehendes Falsett und verfremdete seine helle Stimme zu einem spukigen Roboter-Gesang. Sein Händchen für schwerelos-eingängige Pop-Melodien bewies Gotye dann wieder im Zugabenblock nach rund einer Konzertstunde: Mit drei perfekten Songs im Motown-Stil der 60er Jahre schickte er die Fans auf den Heimweg.

Woran es lag, dass der Funke in Berlin nur teilweise übersprang? Womöglich kannten viele Besucher bis Dienstagabend nur „den Hit“ und wussten mit anderen, durchaus ambitionierten Gotye-Songs wie „Bronte“ oder „Eyes Wide Open“ noch wenig anzufangen. Auch das etwas ungelenke Bühnenverhalten der Band hatte seinen Anteil. Bei den gemeinsamen Trommel-Exzessen wünschte man sich, dass Gotye künftig noch mehr Mut zum Risiko hat und einfach mal loslässt. Dann kann aus einem großen Talent auch live ein Popstar mit Langzeitwirkung werden.

dpa

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