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00:21 06.10.2014
Von Conrad von Meding
Fast fertig! So sieht das Kröpcke-Center im Oktober 2014 aus. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Was für ein Kraftakt. Ziemlich genau fünf Jahre lang haben sie das Zentrum von Hannovers Fußgängerzone umgebaut. Haben am Schnittpunkt von Georg- und Bahnhofstraße das ungeliebte alte Kröpcke-Center aus den siebziger Jahren Schicht für Schicht abgetragen und dann in moderner Gestalt wieder aufgebaut. Haben irgendwann entschieden, dass das neue Kröpcke-Center keine Turmetagen mehr haben sollte, weil sich trotz zweijähriger Suche kein Großmieter für die dort geplanten Büros fand. Erinnert sich noch jemand an das riesige Kröpcke-Loch, das fast 40 Jahre lang mitten im Platz prangte? Auch das ist verschwunden. Nicht nur das Kröpcke-Center ist fertig, sondern auch der Platz ringsherum.

Das Kröpcke-Center 2009. Foto: Nancy Heusel

In dieser Woche hat Daniel Koberski letzte Hand angelegt an den Pflastersteinen. Der historischen Dimension seines Tuns war sich der junge Mann nicht bewusst, als er die Zementschlämme für das Ausfugen des Gehwegbelags anrührte. „Wir schließen hier nur die Lücken“, sagte er. Aber es waren tatsächlich die letzten Fugen, die er mit seinen zwei Kollegen von der Nienburger Baufirma BST schloss. Falls es nicht noch zu Reparaturarbeiten am Pflaster kommt - aber das wäre dann ein anderes Kapitel.

Das Kapitel des Kröpcke-Umbaus ist eigentlich länger als fünf Jahre. Schon vor dem Expo-Jahr 2000 hatte es mit Millionenaufwand totalsaniert werden sollen. Anliegerklagen verzögerten das Projekt, irgendwann hatte die Eigentümerin, eine Fondsgesellschaft, keine Lust mehr, und wenig später geriet sie wirtschaftlich ins Trudeln, da war an Umbau gar nicht mehr zu denken. Danach galt das Center mit seiner zerklüfteten Betonfassade jahrelang als doppelt stigmatisiert: als Bausünde und nun auch noch als gescheitertes Revitalisierungsprojekt. Ähnlich wie aktuell das Ihme-Zentrum - einige Dimensionen kleiner zwar, aber dafür mitten im Herz der Stadt.

Das Düsseldorfer Unternehmen Centrum schließlich hatte den Mut, es mit Hannovers Kröpcke-Center aufzunehmen. Hauptmieter Peek & Cloppenburg hielt dem Gebäude während der gesamten Bauphase, unter der Mitarbeiter und Sortiment litten (unter anderem gab es einen schweren Wasserschaden nach Vandalismus in den Turmetagen), die Treue. Erst wurde eine Hälfte des Gebäudes abgerissen, Peek & Cloppenburg zog sich so lange in die andere Hälfte zurück, dann ging es im rückwärtigen Teil weiter.

Die Baustelle sah gigantisch aus - doch die wahre Dimension konnte das Auge nie erfassen. Zum Beispiel das Problem mit der Ballastierung. Unter dem Center sind sieben Kelleretagen, in denen unter anderem die U-Bahn-Station Kröpcke liegt. Sie schwimmen im Grundwasser. Ingenieure haben errechnet: Wäre das schwere Kröpcke-Center einfach in einem Stück abgetragen worden, dann wären die U-Bahnstationen im Grundwasser aufgeschwommen und an die Oberfläche gekommen. Deshalb wurden in wochenlangen Nachttransporten insgesamt 8000 Tonnen Kies in die Innenstadt gebracht und in zwei Kelleretagen geschüttet, um beim Teilabriss Gewicht zu schaffen.

Was auch kaum jemand mitbekam: In den Kelleretagen waren überall feine Sensoren installiert, die sonst zum Messen seismografischer Erschütterungen genutzt werden. Sie sollten mögliche Erschütterungen beim Abriss anzeigen, bevor sich die Stahlschienen der Üstra in den Tiefgeschossen verbiegen. Bis auf einen Fehlalarm blieb es aber über die fünf Jahre ruhig, die Stadtbahnen konnten dauerhaft im Tunnel rollen.

Was gab es für Aufregung um die „Entrauchungsschlote“, die das neue Brandschutzkonzept für die Tunnelstation vorsah und die wie dicke Litfasssäulen neben dem Kröpcke-Center in der Georg- und der Karmarschstraße errichtet werden mussten. Jetzt, beklebt mit Werbung für Kultureinrichtungen, sehen sie eigentlich ganz gut aus. Probleme macht noch die Reinigung des Platzpflasters selbst, auf dem die Überreste von Kaugummis und verschüttetem Kakao deutliche Spuren hinterlassen - doch eine neue Reinigungsmaschine soll jetzt Abhilfe schaffen. Sogar der Blätterbrunnen von Emil Cimiotti ist wieder zurückgekehrt, um wenige Meter versetzt, aber dafür komplett gesäubert. Auch die kleine Bronzeschnecke, die Kinder so gerne suchen, hat den Umzug heil überstanden.

Das neue Kröpcke-Center kommt jetzt mit einer zeitgemäßen Architektur daher, wie das Planerbüro Kleihues sie derzeit vielfach baut: bodentiefe Fenster, dazwischen Sandstein, sanft geschwungene Linienführung, kein Protzbau, sondern zurückhaltend vornehm. Ob die Generation in 40 Jahren diese Architektur ähnlich abstoßend findet wie die aktuelle die Architektur des alten Kröpcke-Centers, das muss die Zeit zeigen. Der Platz jedenfalls ist jetzt wieder ein echter Platz, ohne Loch. Es fehlen: die Bronzewappen der Partnerstädte im Pflaster vor dem Café Mövenpick. Die lässt die Stadt gerade verstärken, damit sie nicht von schweren Lkw demoliert werden. Sie sollen im nächsten Frühjahr eingesetzt werden. Dann ist der Platz wirklich fertig.

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