Spielte eine starke erste Halbzeit: Ben Jacobson.
Doch der Funktionär hinter dem Mikrofon hat offensichtlich das System von BG-Headcoach John Patrick auch nach zweieinhalb Jahren Erstligazugehörigkeit immer noch nicht durchschaut – hochdotierte Teams wie Ligaprimus Alba Berlin und der deutsche Meister aus Oldenburg können davon ein Lied singen. Basierend auf einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einer großen Spieler-Rotation avancierte Forward Chris Oliver in der letzten Sekunde zum Matchwinner bei den seit zuvor sieben Heimspielen in Folge ungeschlagenen Tübingern.
Nachdem die BG, allen voran Taylor Rochestie, binnen drei Minuten den Sieben-Punkte-Vorsprung der Hausherren egalisiert hatten, traf der US-Amerikaner den entscheidenden Wurf des Abends zum 77:75 (42:40)-Triumph der Göttinger. Die Veilchen bleiben damit seit sieben Bundesliga-Partien unbesiegt – neuer Rekord seit ihrer Liga-Zugehörigkeit – und Berlin auf den Fersen, das überraschend beim MBC verlor.
Die Spieluhr zeigt 2,3 Sekunden Restspielzeit an – Einwurf für die Gäste auf Höhe der gegnerischen Drei-Punkte-Linie. Es steht 75:75. Taylor Rochestie schaut, sucht den freien Mitspieler und den perfekten Pass, die erste Gelegenheit verstreicht, die Sekunden ticken runter, und der Notpass landet bei Chris Oliver. Der Topscorer der Veilchen nimmt zwei harte Dribblings Richtung Korb, verharrt für den Bruchteil einer Sekunde, steigt gegen mehrere anfliegende Tübinger Hände hoch und trifft aus sechs Metern den spielentscheidenden Wurf. „Chris Oliver war nicht unsere erste Option für den letzten Schuss. Tübingen hat unseren Spielzug stark verteidigt, und Chris hat sich im entscheidenden Moment ein Herz gefasst und diesen unglaublichen Wurf getroffen“, kommentierte Patrick den sogenannten Buzzerbeater (Treffer mit der Sirene) seines Schützlings. Dass Oliver überhaupt in die Situation kam, zum Helden des Abends zu avancieren, lag an der abermals überragenden Teamleistung der Veilchen.
Jeder der elf eingesetzten Spieler leistete seinen Beitrag. Insbesondere Ben Jacobson in Hälfte eins und Taylor Rochestie in Durchgang zwei sorgten durch regelmäßige Wahnsinns-Dreier aus bis zu achteinhalb Meter für stetige Energieschübe bei Mitspielern und den knapp 20 mitgereisten Göttinger Fans. „Wir haben mit Sicherheit heute Abend nicht unser bestes Spiel gehabt, aber ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir konnten nach dem Match auf Zypern kaum trainieren, waren auf Grund der Ankunftszeit mitten in der Nacht aus dem Rhythmus und haben dennoch heute gemeinsam an einem Strang gezogen“, sprach der Headcoach seinem Team ein großes Kompliment aus. Selbst der Tübinger Hallensprecher relativierte nach Spielende seine leichte Überheblichkeit aus vergangenen Minuten und nahm nun seine Tigers in Schutz: „So ein Spiel kann man verlieren. Göttingen ist ja auch nicht irgendwer!“
Das soll am morgigen Dienstag um 19.30 Uhr in der heimischen Lokhalle auch Krasnye Krylia Samara im Euro-Challenge-Spitzenspiel zu spüren bekommen. Ein neuer Spieler wird den Zuschauern dann nicht präsentiert: „Die Starting five hat sich nach Absprache mit John Patrick dafür entschieden, keine weitere Verstärkung zu holen, sondern die Saison mit dem jetzigen Kader zu Ende zu spielen“, erklärte Geschäftsführer Marc Franz gestern.
BG Göttingen
McNaughton (6 Punkte/0 Dreier/2 Rebounds/0 Assist/0 Steals), Rochestie (18/4/3/3/2), Little (4/0/1/0/3), Jacobson (19/4/0/5/0), Frazier (8/2/3/3/1), Meeks (3/1/0/0/0), Boone (7/0/9/0/1),
Oliver (12/1/8/2/0), Kulawick.
Tigers Tübingen
Nadjfeji (27/1/4/5/1), Jenkins (10/1/4/2/1), Travis (12/0/2/1/2).
Teamwerte
Trefferquote: BG 30/60 (50%) – Tigers 30/52 (58%), Dreier: BG 12/27 (44%) – Tigers 4/15 (27%), Freiwürfe: BG 5/10 (50%) – Tigers 11/16 (69%), Rebounds: 28:27, Assists: 14:17, Steals: 7:5.
Von Daniel Endres
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