Sieht die BG Göttingen auf einem guten Weg: Starting-five-Geschäftsführer Marc Franz.
In der Tabelle rangieren die Göttinger nur deshalb nicht auf dem zweiten Platz, sondern auf Rang drei hinter den Telekom Baskets Bonn, weil der deutsche Vizemeister ein Spiel mehr ausgetragen hat. Die Bonner hat das Team von Erfolgstrainer John Patrick ebenso besiegt wie Meister Oldenburg (in Liga und Pokal) und die meisten anderen Playoff-Kandidaten. Einzige Ausnahme ist Bremerhaven.
Trotz sportlicher Spitzenwerte und steigenden Zuschauer-Zuspruchs (aktuell 3021 im Schnitt und damit Platz zehn in der Rangliste) gehört die BG in wirtschaftlicher Hinsicht nach wie vor zu den armen Schluckern der Bundesliga. „Aufgrund des außerordentlichen sportlichen Erfolges signalisieren zwar weitere Sponsoren Interesse, das drückt sich aber noch nicht in Zahlen aus“, bedauert Marc Franz, Geschäftsführer des BG-Lizenzinhabers Starting five (S5) GmbH. Er sei glücklich über das Engagement der vielen regionalen Unterstützer, „doch für uns ist es immer noch ein Ritt auf der Rasierklinge. Schon ein Ausfall von 10 000 Euro tut uns richtig weh“, umschreibt Franz den engen finanziellen Rahmen, in dem die S5 zu agieren gezwungen ist.
„Oftmals wird unterschätzt, wie viel es kostet, in drei Wettbewerben am Start zu sein. Für Reisen, Schiedsrichter- und Meldegebühren müssen wir eine Menge Geld aufbringen.“ Insbesondere die Euro-Challenge rechne sich nicht, sondern bedeute in erster Linie Imagegewinn. „Wir brauchen weiterhin jede Hilfe, die wir bekommen können. Zur Konsolidierung der Finanzen haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Unser Ziel muss es deshalb sein, uns für große Sponsoren interessant zu machen.“ Das Problem sei, dass sich an den Bundesliga-Standorten fast ausschließlich in der Region ansässige finanzkräftige Unternehmen engagieren – und solche gebe es in Südniedersachsen kaum. „Wir können immer wieder nur zeigen, dass wir ein zuverlässiger Partner sind, der seine Zusagen konsequent einhält, und darauf hoffen, dass potente Partner sich von unserem Konzept überzeugen lassen“, erläutert Franz.
Solange man sportlich auf einer Erfolgswelle schwimme, sei es vergleichsweise einfach, Sponsoreninteresse zu wecken. Franz: „Wir befinden uns momentan in einer außergewöhnlichen Situation, dürfen aber nicht erwarten, dass es in den nächsten Jahren immer so weiter geht.“ Gerade für sportlich weniger erfolgreiche Zeiten brauche man eine stabile wirtschaftliche Basis, um Durststrecken zu überstehen.
Eine besonders frustrierende Folge engen finanziellen Handlungsspielraums sei die Schwierigkeit, Leistungsträger mehr als eine Saison zu halten. „Es ist nicht hoch genug einzuschätzen, was unsere Spieler leisten. Sie zeigen stets aufs Neue, dass sie keine klassischen Profis sind“, lobt der Geschäftsführer das außergewöhnliche Engagement der im Vergleich zu ihren Kollegen in anderen Vereinen schlecht bezahlten BG-Spieler. Es sei aber schon bitter, dass Trainer John Patrick junge College-Absolventen für die Bundesliga fit mache, um sie dann regelmäßig an Klubs zu verlieren, die mit größeren Scheinen winken.
Keine eindeutige Antwort mochte Franz zu der von Patrick geforderten weiteren Verstärkung geben. Die Finanzierung sei noch immer nicht gesichert. „Es darf ja auch nicht nur irgendein Spieler sein, er muss schon perfekt passen – ins Team und von der Leistung her. Außerdem: Wenn Chris Oliver wieder seine alte Form hat und Antoine Jordan integriert ist, sind wir schon in einer komfortablen Situation“, glaubt Franz.
Von Michael Geisendorf
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