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Göttingen: Experten diskutieren bei Konferenz

Sportpolitik hat noch viele Entwicklungsregionen

Jens Weinreich kennt sich aus mit Sportpolitik. Der „Sportjournalist des Jahres 2009“ schreibt, spricht und bloggt seit knapp 20 Jahren über die Strukturen hinter Sportlern und Medaillen. In seinem Internet-Blog bat er vor der Konferenz „Sportpolitik als wissenschaftliche Entwicklungsregion“ trotzdem um „Übersetzungshilfe“ für die einleitenden Sätze zur Tagesordnung der Konferenz.

Sport ist identitätsfördernd: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 – hier das Public Viewing in der Göttinger Lokhalle – ist das beste Beispiel dafür.

© Hinzmann
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Weinreichs Ironie gegenüber dem Versuch, in wenigen Worten das Feld der Sportpolitik abstecken zu wollen, macht deutlich, wie unterschiedlich und vielfältig die Problemfälle sind, und wie schwierig es ist, diese klar zu differenzieren. Auch für die Initiatoren Wolfgang Buss und Sven Güldenpfennig, die sich teilweise über Jahrzehnte mit diesem Gebiet beschäftigt haben.  

Die „Entwicklungsregionen“ der Sportpolitik wurden aber bei der eineinhalb Tage dauernden Konferenz klar benannt: Doping- und Korruptionsaffären bringen den Leistungsport immer weiter in eine Glaubwürdigkeitskrise. Das Feld Sportpolitik ist wissenschaftlich in Deutschland völlig unterbesetzt, obwohl der Bedarf steigt. Und: Die Sportpolitik steckt in einem Dilemma, da im Sport allein der Erfolg zählt und die Politik nur diesen Erfolg sehen will, um sich damit zu schmücken.

Sportpolitik hat einen „drögen“ Ruf und mag im Vergleich zu einem Bundesliga-Spiel langweilig sein, aber sie ist weitaus wichtiger als dieses: Sie bestimmt die Grundlagen für das gesamte Sportgeschehen. 

Beispiele aus vielen Bereichen

Arnd Krüger, Geschäftsführender Professor am Sportinstitut, beschäftigte sich im Rahmen der Konferenz mit den Problemen bei der „Zusammenführung zweier Doping-Sport-Systeme“ nach der deutschen Wiedervereinigung. Wilfried Scharf, Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, zeigte die Macht der Medien und ihre Auswirkungen im Sport an historischen und aktuellen Beispielen. Wolfgang Buss, beschrieb anhand der nationalen Euphorie während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, das Verhältnis zwischen Sport und Identität. 

Sylvia Schenk, Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation „Transparency International“ erklärte Zusammenhänge zwischen Korruption und Doping. Wie weit das Feld der Sportwissenschaft ist, machte der Göttinger Ethnologe Rolf Husmann mit einem Beitrag zum Sport in Afghanistan und Kamerun deutlich. 

Von Hendrik Maaßen


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