„Wir sind bei genauerer Betrachtung doch zu der Erkenntnis gekommen, dass wir es wagen können und sollten, dieses Event nach Göttingen zu holen“, sagte Marc Franz, Geschäftsführer des Erstliga-Lizenz-Inhabers starting five (S5). Dabei unterstrich der 37-Jährige: „Mit dem Heimrecht hätten wir natürlich erheblich bessere Chancen, die Euro-Challenge zu gewinnen. Unser Konzept ist komplett anders aufgebaut als die anderer Klubs aus der Vergangenheit. Die dort eingebrachten Geld-Beträge wären für uns utopisch, das wäre ein finanzielles Grab geworden.“
Die Fiba Europe – die europäische Sektion des Weltbasketball-Verbandes Fiba ist Ausrichter der Euro-Challenge – habe in Gesprächen mit der S5 in Aussicht gestellt, dass nicht automatisch das Konzept mit dem höchsten Budget den Zuschlag erhalte. „Das hat uns letztlich motiviert, diesen Schritt zu wagen“, sagte Franz. Die Veilchen werden also wahrscheinlich das in die Waagschale werfen, was Göttingen besonders auszeichnet: Basketball mit Emotion und Leidenschaft, der in einer in Europa einzigartigen Halle hochprofessionell in Szene gesetzt wird und von einem fachkundigen und begeisternden Publikum getragen wird. Franz betonte zudem, dass Göttingen 2006 als WM-Quartier der mexikanischen Fußball-Nationalmannschaft bewiesen habe, dass es über eine vorbildliche Infrastruktur verfüge.
„Wir werden vielleicht schon am 31. März den Austragungsort bekannt geben. Es haben sich neben Göttingen weitere Klubs um die Austragung des Final-Four-Turniers beworben: Krasnye Krylia Samara und BG-Halbfinal-Gegner Chorale Roanne Basket“, erklärte Sebastian Montag von der Fiba-Europe-Pressestelle. Im zweiten Semifinale stehen sich Krasnye Krylia (Russland) und Scavolini Pesaro (Italien) gegenüber. Wer den Zuschlag erhält, darüber entscheide eine vier- bis fünfköpfige Kommission, der neben Fiba-Europe-Generalsekretär Nar Zanolin die Mitglieder des Sports-Department angehören.
Roanne, dem aktuellen dritten der französischen 1. Liga, der am Wochenende BG-Vorrundengruppen-Gegner Gravelines bezwang, werden eher geringe Chancen auf den Final-Four-Zuschlag eingeräumt. „Das Final-Four der Euro-League findet dieses Jahr im Mai in Paris statt. Es wäre ungewöhnlich, zwei Top-Events an ein Land zu vergeben“, meint BG-Manager Franz. Den Topwettbewerb Euroleague – vergleichbar mit der Fußball-Champions-League – richtet allerdings nicht die Fiba Europe, sondern der Europäische Basketballverband Uleb aus. Die Göttinger blicken heute gespannt in Richtung Fiba-Europe-Hauptquartier nach München und fragen sich, ob bei der Urteilsfindung auch Sicherheitsaspekte eine Rolle spielen. „Die Terroranschläge in Moskau könnten sich dann schon negativ für eine eventuelle Bewerbung Samaras auswirken“, glaubt Franz.
Im vergangenen Jahr wurde das Final-Four der Euro-Challenge in Bologna ausgerichtet, und der Ausrichter hat sich die begehrte Trophäe erspielt. „Es waren knapp 15 000 Zuschauer an beiden Spieltagen in der Halle, das war ein tolles Event – auch für die Stadt Bologna, da zahlreiche ausländische Fans angereist waren“, berichtet Fiba-Mann Montag. Detlef Johannson, Pressesprecher der Stadt Göttingen, begrüßte die BG-Initiative: „Es wäre, soweit ich weiß, das erste Mal, dass in Göttingen das Finale eines publikumsträchtigen europäischen Wettbewerbs ausgerichtet wird. Das wäre sehr gut für das Stadtmarketing.“
Während sich für Göttingen die Chancen, erstmals Gastgeber eines Europa-Pokal-Endspiels zu sein, verbessert haben, hat sich die Personalsituation der BG wohl leider drastisch verschlechtert. Bei Ben Jacobson hat die MRT-Untersuchung ergeben, dass es sich um einen Bandscheibenvorfall handelt. „Er wird noch mindestens zwei Wochen pausieren müssen, vielleicht auch länger“, sagte BG-Pressesprecher Björn-Lars Blank auf Nachfrage. Mindestens ebenso pessimistisch fallen die Prognosen zur Verletzung von Dwayne Anderson aus. Die Knieprobleme resultieren wohl aus einer Meniskusverletzung. Für den 23-Jährigen dürfte eine Bestätigung dieser Prognose das Saison-Ende bedeuten, und für die Veilchen wäre dies sicherlich mehr als ein herber Dämpfer für alle Meisterschaftstitel- oder Pokal-Träumereien.
Von Mark Bambey
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