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Selbstversuch

Paddlerbrücke hilft beim Start in das Abenteuer


Christian Roeben hat sich auf den Kiessee begeben, um sich unter der Anleitung von Johannes Frey, der für den Göttiger Paddler Club in der 1. Bundesliga aktiv ist, in das Abenteuer Kanupolo zu stürzen. Ausgerüstet mit Badehose und Schwimmweste, die jedoch eher als Schutz dient, geht es in einem stabilen Anfängerboot auf‘s Wasser und in feucht-fröhliche Duelle mit dem Ball, den Gegnern, aber besonders mit dem eigenen Können.

Im Kampf um den Ball: Christian Roeben (rechts) und Johannes Frey liefern sich auf dem Wasser spannende Duelle.

© Pförtner

Schön ist es hier am Kiessee. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages spiegeln sich auf der Wasseroberfläche, und das Zwitschern der Vögel lädt dazu ein, sich auf einer Decke im Gras niederzulassen und zu entspannen. Zum Relaxen bin ich aber heute nicht hier, ganz im Gegenteil: Wie dynamisch Kanupolo ist, davon will ich mich heute überzeugen und selbst ins Kanu steigen.

Da ich jedoch nicht gerade eine geborene Wasserratte bin und mich auf dem Land zugegebenermaßen wohler fühle als im oder auf dem kühlen Nass, bin ich froh, dass ich das Abenteuer wenigstens unter professioneller Anleitung bestreiten kann. Johannes Frey spielt beim Göttinger Paddler Club in der 1. Bundesliga, ist deshalb sehr sportlich und sieht auch so aus. „Am besten, du nimmst ein Anfängerboot. Die sind stabiler und schwerer, damit kippt man nicht so leicht um“, rät mir der 21-Jährige. Das klingt gut, zumal ich trotz Schwimmhose nur wenig Lust habe, ein Bad im Kiessee zu nehmen. Schlimm, versichert mir Frey, wäre das nicht: „Das Wasser ist so warm wie im Freibad.“ Kleiner Finger-Eintauchtest meinerseits: „Stimmt nicht“, widerspreche ich. Während die Spieler der Jugendgruppe, die von Frey trainiert werden, sich gerade ein spannendes Match liefern, kraftvoll durchs Wasser pflügen und spielerisch leicht mit Hilfe einer Kenterrolle wieder an die Oberfläche gelangen, wenn sie denn mal umkippen, mühe ich mich zunächst mit der Schwimmweste ab. Die gehört beim Kanupolo zur Standardausrüstung, ebenso wie der Helm. Die Weste, erklärt mir mein Trainer, solle jedoch nicht als Schwimmhilfe dienen, sie fungiere eher als Schutz vor Schlägen und Stößen. Zu Verletzungen, so der Experte, komme es aber nur selten: „In der Bundesliga bekommt man mal was auf die Finger, aber sonst passiert kaum etwas.“

Jetzt, nachdem ich die Weste bemerkenswert unelegant übergestreift habe, ist kein Rückzieher mehr möglich. Oder? Fragend schaue ich zu meinem Fotografen Swen Pförtner. Der deutet auffordernd-grinsend auf das Wasser – mir bleibt wohl wirklich keine Wahl. Erste Lektion: Das richtige Einsteigen ins Kanu. Das soll mit Hilfe der so genannten „Paddelbrücke“ gelingen: Boot parallel zum Ufer ausrichten, Paddel hinter der Sitzmulde auflegen und sich daran festhalten, sich langsam ins Kanu gleiten lassen und dabei auf dem quergelegten Paddel aufstützen, nicht zu sehr wackeln. Geschafft!

Bevor der Ball ins Spiel kommt, den richtige Kanuspieler versuchen, während eines Matches möglichst oft in ein Tor zu werfen, das sich gut zwei Meter über der Wasseroberfläche befindet, versuche ich zunächst, ein Gefühl fürs Paddeln zu bekommen. Das ist gar nicht so leicht, denn ein zu kräftiges Eintauchen führt dazu, dass man sich im Kreis dreht, statt vorwärts zu fahren. Nachdem mein Kanu anfangs Bekanntschaft mit dem Ufer macht, weil ich ständig gegen die Böschung fahre und mich deshalb statt meiner Gegner der Pflanzen erwehren muss, geht es nach ein paar Minuten besser – das bilde ich mir zumindest ein. Unser Fotograf sieht das offenbar anders. „Ein bisschen Angst hast du schon, oder?“, ruft er mir vom Ufer aus so laut zu, dass sogar der Kanupolo-Nachwuchs sein Spiel unterbricht und sich umdreht.

Ich beiße auf die Zähne und schüttele verbissen den Kopf. Unterdessen hat Johannes Frey sich einen Ball geschnappt, den er mir jetzt lässig zuwirft. Fangen ist für mich kein Problem – leider lasse ich dabei das Paddel los, das sogleich davontreibt. Ich lege mir den Ball auf die Knie und versuche, mit meinen Händen als Ruder hinter dem Paddel herzufahren. „Das würde ich nicht machen. Wenn du dir den Ball auf die Beine legst und dann umkippst, kommst du nicht mehr aus dem Boot raus“, sagt Physikstudent Frey. Um Himmels Willen – vor Schreck stupse ich den Ball weg, der jetzt ebenso unerreichbar vor mir hertreibt wie das Paddel. Fotograf Pförtner grinst, ich zucke mit den Schultern – wenn‘s schief läuft, dann richtig.

Nach ein paar weiteren Fahr- und Wurfübungen beschließe ich, meine Kanupolo-Bundesliga-Karriere doch erst nächstes Jahr in Angriff zu nehmen. Aus dem Kanu klettere ich ans Ufer wie ein Affe mit Arthritis – was soll‘s: Man muss auch über sich selber lachen können. Johannes Frey findet trotzdem lobende Worte für mich: „Das war schon gar nicht so schlecht. Wenn du Lust hast, komm doch noch mal vorbei, unsere Freizeitgruppe freut sich immer über Neuzugänge“, schlägt er vor. So abwegig finde ich den Gedanken trotz meines Mangels an Talent nicht, denn Spaß gemacht hat mir der kurze Ausflug in die Welt des Kanupolos allemal. „Im Winter trainieren wir auch im Schwimmbad“, beruhigt mich der Bundesliga-Akteur. Das finde ich gut, denn dort ist das Wasser mit Sicherheit wärmer als im Kiessee – ungelogen. Und Zeit zum Relaxen bleibt danach bestimmt auch noch.

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