Göttingen. Abheben, das machen die beiden Geschwister manchmal in ihrer Kür, aber in keinem Fall wegen ihres Erfolges. In ihrem Stammverein, dem 1. RCG, trainieren beide wie selbstverständlich mehrere Nachwuchsgruppen. Das Geld, das sie für Reisen zu Europa- oder Weltmeisterschaften benötigen, laufen sie sich bei verschiedenen Aufführungen zusammen, nehmen es aber zum größten Teil doch aus eigener Tasche. „Rollkunstlaufen ist ein Sport, der in Deutschland relativ unbekannt ist. Wir wollten einfach was Besonderes machen“, erzählt Sandra.
Sportfreie Wochenenden kennen die 20-Jährige und ihr 23 Jahre alter Bruder nicht. „Wir sind eigentlich immer mit unseren Rollschuhen unterwegs. Aber das machen wir gern. Obwohl ich in meinem Alter eigentlich schon ein echtes Auslaufmodell bin“, sagt Hendrik lachend.
Als Hochburg des Sports nennen die Kulle-Geschwister Italien. Dort, so Sandra, werde jeder Wettbewerb live im Fernsehen übertragen, die Rollkunstläufer bestreiten ihre Konkurrenzen in großen und ausverkauften Hallen.
Groß war auch die Wettkampfstätte bei der WM 2011 in Brasilien, im Gegensatz zum Zuschauerandrang. „Dass weniger Zuschauer da waren, hat aber nichts am Spaß oder an der Aufregung geändert“, sagt Hendrik. Über einen sechsten Platz im Wettbewerb der weltbesten Formationen war das „Dream Team“ enttäuscht, sah aber letztlich ein, dass die Konkurrenz aus Italien und Argentinien einfach zu stark gewesen war. „Hinzu kam, dass wir einen Sturz hatten. Wie genau das passiert ist, weiß ich aber gar nicht mehr. Stürze kommen vor, und darüber muss man hinterher auch nicht mehr viel diskutieren“, sagt Sandra.
Gelaufen ist das „Dream Team“ bei der WM vor allem für seinen plötzlich verstorbenen Trainer Wolfgang Grampp. Dieser war es, der es 1995 geschafft hatte, den Deutschen Rollkunstlaufverband vom Formationslaufen zu überzeugen. Fortan war es eine anerkannte Disziplin und das „Dream Team“ fing an abzuräumen. Einmal standen auch die Kulles mit diesem bereits an der Weltspitze, als sie 2009 die Weltmeisterschaft im eigenen Land gewannen. „Da hatten wir rund 6000 Zuschauer“, erinnern sie sich.
An diesem Wochenende führt der 1. RCG sein Rollkunstlauf- Musical Jim Knopf in der Sparkassen-Arena auf. Für die heutige Vorstellung um 15.30 Uhr sind noch Karten an der Tageskasse erhältlich. Die Aufführung am Sonntag ist ausverkauft.
Von Kristin Kunze
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