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Basketball-Bundesliga

Zwei Trainer, eine Philosophie und ein Ziel


Sie kennen einander gut, respektieren und schätzen die Arbeit des Gegenübers und pflegen beinahe ein freundschaftliches Verhältnis. Doch heute stehen sie sich zum vierten Mal in den vergangenen elf Tagen als Duellanten gegenüber, und das freundschaftliche Verhältnis wird wieder einmal für mindestens 4x10 Minuten ruhen müssen.

Befreundete Duellanten: John Patrick (links) und Doug Spradley schätzen einander und genießen den Ruf, mit geringen Mitteln das Maximum herausholen zu können.

© SPF/CR

Mit einem Sieg seiner Veilchen heute, am Mittwoch, 19. Mai, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Bremerhaven wirft BG-Erfolgscoach John Patrick seinen guten Bekannten und langjährigen sportlichen Rivalen Doug Spradley aus den Playoffs der Basketball-Bundesliga. Doch der 43-jährige deutsch-amerikanische Trainer der Eisbären wird mit seinem athletischen Team alles daran setzen, mit einem Sieg ein entscheidendes fünftes Duell in der Lokhalle zu erzwingen.

Das Aufeinanderprallen der BG Göttingen mit den Eisbären Bremerhaven ist nicht nur ein erbitterter Fight der beiden offensivstärksten Bundesliga-Teams, sondern eben auch das Duell zweier gewiefter Coaches, die sich beide den Ruf erarbeitet haben, mit geringen Mitteln das Maximum herauszuholen zu können. Als Außenseiter führte Spradley in der vergangenen Spielzeit seinen Ex-Klub Paderborn Baskets in die Playoffs – ähnlich überraschend wie Patrick die Veilchen.
„Wir kennen uns lange, und wir haben eine ähnliche Vita. Zudem ähnelt sich auch unsere Arbeitsweise und Philosophie. Ich kann mit John sehr offen reden, auch nach Niederlagen. Auch bei engen Spielen kommt es vor, dass wir uns bei strittigen Situationen anschauen und dann gemeinsam lachen“, sagt Spradley und betont: „Es gibt nicht viele Kollegen, mit denen das geht.“

Die Chancen, trotz des 1:2-Rückstandes noch in das Halbfinale einzuziehen, hält er für durchaus realistisch: „Meine Mannschaft hat gezeigt, dass sie mit Drucksituationen umgehen kann. Das wirkliche Schlüsselspiel fand vor einer Woche statt. Hätten wir das zweite Match der Serie zu Hause verloren, hätten wir in Spiel drei in der Lokhalle wohl kaum eine Chance gehabt“, begründet Spradley seine Zuversicht.

Für ihn wird die Fitness der ausschlaggebende Faktor dieser hart umkämpften Viertelfinalserie sein. Doch der 43-Jährige meint nicht die körperliche Konstitution. „Beide Mannschaften sind austrainiert, die Spieler sind sehr athletisch. Ich denke, dass die mentale Fitness über Sieg und Niederlage entscheiden wird. Wir spielen am Mittwoch in dieser Saison das neunte Mal gegeneinander. Es gibt keine Geheimnisse mehr. Es werden Kleinigkeiten sein, die die Entscheidung bringen“, betont Spradley.
Patrick bestätigt diese Analyse und meint, dass beide Teams „sehr eng beieinander“ sind und dass „mentale Stärke und Einstellung“ den Unterschied ausmachen werden. „Doug und ich haben uns über die Jahre viele verbissene Fights geliefert. Jeder kennt das Coaching des Anderen genau. Doug und ich sind sehr motiviert und ambitioniert, und das verlangen wir auch von unseren Spielern“, sagt Patrick.

Die Entscheidung, zu den wirtschaftlich sehr gut aufgestellten Eisbären Bremerhaven zu wechseln, bezeichnet Spradley als wichtigen Schritt für seine persönliche Entwicklung. Er hat einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben – was Patrick bei der BG gern machen würde. Spradley hatte den Kontrakt mit dem sportlichen Absteiger der vergangenen Serie unterzeichnet, als das Wildcard-Verfahren noch nicht entschieden war. „Ich hatte eine super Zeit in Paderborn, doch irgendwann kommt die Zeit für einen Wechsel. Der Drei-Jahres-Vertrag gibt mir die Möglichkeit, hier langfristig etwas aufzubauen“, so Spradley.

Anerkennung findet Spradley für die BG-Entwicklung: „Ich habe mich für John und Göttingen über den Europapokalsieg gefreut. Ich habe mich schon als Spieler bei Partien in Göttingen sehr wohl gefühlt. Was hier aufgebaut wurde, ist klasse und für die Liga ein Riesengewinn.“ Und mit einer Sache ist sich der Eisbären-Coach ganz sicher: „Der Verlierer dieser Serie wird dem Anderen in den Playoffs die Daumen drücken.“

Von Mark Bambey

John Patrick 

John Patrick wurde am 29. Februar 1968 in den USA geboren. Er lebt mit Ehefrau Alexandra und den gemeinsamen fünf Kindern in Geismar. Seinen ersten Cheftrainerposten bekam er in der 1. Liga Japans: Mit den Bosch Blue Winds hatte er von 1999 bis 2002 erfolgreiche Jahre. 2002/03 kam er zur BG. 2005/06 ging er für ein Jahr zurück nach Japan und führte Toyota Alvark zum Titel. Mit seiner Rückkehr zur BG folgte der sofortige Aufstieg mit den Veilchen in die 1. Liga. In der vergangenen und aktuellen Serie wurde Patrick von den 18 BBL-Trainern und Fachjournalisten zum Trainer des Jahres gekürt.

Doug Spradley 

Douglas Spradley wurde am 16. September 1966 in den USA geboren. Er ist mit Ehefrau Tanja verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Seit 1998 besitzt Spradley die deutsche Staatsbürgerschaft. Spradley spielte von 1992 bis 1996 und 2000 bis 2001 bei den Paderborn Baskets. Von 2001 bis 2009 war er Headcoach des langjährigen Zweit- und Erstliga-Kontrahenten der BG Göttingen. Sowohl als Spieler (1994) als auch als Trainer (2006) führte er Paderborn in die 1. Liga. In der vergangenen Serie erreichte er mit Paderborn überraschend die Playoffs. Er besitzt bei den Eisbären einen Vertrag bis 2013.

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