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Basketball-Bundesliga

BG wird deklassiert, aber wieder respektiert


Rein sportlich gesehen zieht der Abstiegsstrudel die BG Göttingen weiter in die Tiefen der Basketball-Bundesliga. Doch für die eigene Moral war die 68:101 (31:45)-Niederlage gegen den amtierenden zweifachen Doublesieger Brose Baskets Bamberg ein Schritt nach vorn, denn vor 2230 Zuschauern haben sich die Veilchen den Respekt ihrer Fans zurückerobert.

Verloren aber Respekt zurückerobert: Die BG-Spieler (allen voran Sean Evans) haben sich nach langer Zeit mal wieder kämpferisch stark präsentiert.

Symbolträchtig dafür stand Sean Evans. Der zuletzt stark kritisierte und lustlos aufspielende Powerathlet wütete gegen den dominanten Tabellenführer an beiden Enden des Courts, wirkte teils gar überengagiert. Unter den Körben lieferte sich Evans packende Duelle mit Bambergs 2,21-Meter-Center Tibor Pleiß sowie Sprungwunder Marcus Slaughter. „Sean hat die Message verstanden. Darauf bin ich sehr stolz, aber auch der Rest des Teams hat heute tapfer gekämpft“, lobte BG-Headcoach Michael Meeks. Auch Jerel Allen – den Meeks nach einem Fehler zu Spielbeginn bereits nach 14 Sekunden vom Feld nahm – zeigte eine verbesserte Einstellung und war stets gefährlich von der Dreierlinie.

Aber auch das Trainerduo Meeks/Schiecke hatte seine Hausaufgaben erledigt. Die BG war taktisch wesentlich besser auf den Gegner eingestellt als zuletzt in Ludwigsburg. Erstmals seit langem agierten die Hausherren mit verschiedenen Verteidigungs-Varianten, überraschten das oberfränkische Ausnahmeteam nach dem Seitenwechsel mit einer 2-3-Zone. Gleichwohl verfügten die Gäste vom charismatischen und an der Seitenlinie permanent unter Strom stehenden Meistertrainer Chris Fleming über eine individuelle Klasse, die mit Leichtigkeit die Kampfansage der BG annahm.

Wie facettenreich die Gesichter einer Defensive sind, offenbarten die von knapp 100 munter trommelnden Fans begleiteten Gäste. Mit energischem Doppeln im Post zu Spielbeginn zwangen sie besonders Darrell Tucker sowie den glücklosen Vitalis Chikoko zu überhasteten Aktionen und rückten die Kräfteverhältnisse schnell zurecht. So blieb Fleming sogar die Möglichkeit, bereits in der ersten Hälfte eine Zonenpresse auszutesten, die im weiteren Saisonverlauf noch verfeinert werden soll. Nach dem Pausentee boten die Bamberger dann eine Zonen-Verteidigung als traditionell probates Mittel gegen die Veilchen-Offense.

„An der Vielzahl ihrer Möglichkeiten erkennt man, dass Bamberg wie eine gut geölte Maschine arbeitet“, zollte Meeks dem Gegner höchsten Respekt. Seine Veilchen hingegen offenbarten offensiv einen begrenzten Horizont mit vielen Einzelaktionen und wenig strukturierten Systemen. Dazu gesellte sich reichlich Wurfpech vom stark verteidigenden Paris Horne, der sein wackliges Händchen mit mehrmaligem Kopfschütteln quittierte.

Eine Szenerie, auf die sich die BG-Fans in den kommenden Heimspielen wohl einstellen können, spielte sich im Schlussviertel ab. Die Partie flachte auf fast freundschaftlichen Charakter ab, beide Trainer gaben ihren Nachwuchsspielern reichlich Einsatzzeit. Frenetisch bejubelt wurden dabei die ersten Saisonzähler von Bank-Energizer Malte Herwig im Duell mit Bambergs jungem Oliver-Kahn-Double Philipp Neumann.

Stolz auf seine Mannschaft, aber etwas wehmütig kommentierte Gäste-Coach Chris Fleming die Begegnung: „Ich habe immer gerne in Göttingen gespielt, daher ist es sehr schade, dass sie wohl absteigen werden. Allerdings wünsche ich mir wieder Spiele in der Lokhalle.“

Von Rupert Fabig

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