Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte datiert ebenfalls aus 2007. Da zogen die Serben ins Halbfinale des Uleb-Cups ein, dem Vorgänger des Euro-Cups. Spielerisch ist FMP mittlerweile allerdings so weit von den damaligen Erfolgen entfernt, dass es selbst den eingefleischtesten Fans schwer fällt, an den Einzug ins Turnier der besten vier Teams der Euro-Challenge (EC)zu glauben. Doch FMP tritt beim heute um 19.30 Uhr in der Lokhalle stattfindenden ersten Viertelfinal-Duell der „best of three“-Serie mit dem Mut der Verzweiflung an. Ein Umstand, der die kampfstarken Serben noch gefährlicher macht. Denn auch wenn sie in der Liga bisher weit hinter ihren Ansprüchen zurück geblieben sind, auf europäischem Parkett hat das junge Team bisher durchaus überzeugt.
In der Adria-Liga ist Belgrad auf Platz zwölf liegend in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt. Zusätzlich zur sportlichen Talfahrt auf den drittletzten Rang plagen den stolzen Klub auch finanzielle Sorgen. Aus wirtschaftlichen Motiven trennte sich FMP in der vergangenen Woche von Headcoach Vlado Djurovic. Für ihn ist nun Bosko Djokic neuer Cheftrainer. Mal wieder soll die konsequente Förderung des eigenen Nachwuchses die Talentschmiede Zeleznik zurück zu alten Erfolgen führen. Das haben die Belgrader schon einmal geschafft, als der Verein 1991 nach fünfjähriger Stilllegung wieder reaktiviert wurde. In nur vier Jahren stieg der Club in die erste serbische Liga auf.
Vielleicht ist es also gerade die derzeite desolate Verfassung, die diesen Gegener so gefährlich macht. Im Gegensatz zu den Veilchen, die sowohl im Rennen um die nationale Meisterschaft, den BBL-Pokal als auch um den Europa-Pokal in aussichtsreicher Position liegen, haben die jungen Serben nur diese eine Chance, einen Titel zu gewinnen. Und es sind eben nur zwei Siege, die beide Teams vom Einzug in das Top-Four-Turnier trennen.
Wie stark das talentierte Team spielen kann, das bewies es am Wochenende in der Adria-Liga. Zu Hause in der 3000 Zuschauern Platz bietenden „FMP Hall Zeleznik“ bezwangen die Serben den montenegrinischen Top-Klub KK Buducnost Podgorica 73:70. Das Team war Erstrundengegner der Veilchen und fügte ihnen zwei der bisher drei Niederlagen in der Euro-Challenge zu. Buducnost ist das einzige Team, dass die BG in dieser Serie in der Lokhalle bezwingen konnte. Allerdings war diese Partie zu diesem Zeitpunkt bereits ohne Bedeutung, beide waren für die Zwischenrunde qualifiziert.
Überragender Akteur von Zeleznik, das komplett auf Spieler aus Serbien und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien setzt, war einmal mehr der Center Miroslav Raduljica. Der 22-Jährige steuerte 23 Punkte und elf Rebounds zum Triumph bei. Nicht zum Einsatz kam das vielleicht derzeit größte Talent des Balkans, Dejan Musli. Der 19 Jahre alte, 2,14 Meter lange Center spielt im Schnitt elf Minuten und kommt durchschnittlich auf knapp vier Punkte und drei Rebounds. Weitere Leistungsträger im Team, das ein Durchschnittsalter von nur 22 Jahren hat, sind die Guards Nemanja Protic und Filip Covic.
Gespannt dürften sich die Blicke auf die Serben richten, wie sie mit der unkonventionellen BG-Spielweise zurecht kommen. Die Partien gegen Podgorica haben gezeigt, dass die im Passspiel gut ausgebildeten Akteure vom Balkan gut mit dem Druck auf ihre Aufbauspieler fertig werden.
Die BG ist also gewarnt, zumal sie stark gehandicapt in die entscheidende Phase der Saison gehen muss: Defensivspezialist Chester Frazier fällt aufgrund seines Mittelhandbruchs lange aus, ob Leistungsträger Dwayne Anderson trotz anhaltender Knieprobleme spielen kann, entscheide sich erst unmittelbar vor Spielbeginn. Bauen darf die BG sicherlich auf ihr phantastisches Publikum in der Lokhalle, das sein Team auf dem Weg ins Top-Four-Turnier und zum ersehnten ersten Titel der Vereinsgeschichte frenetisch unterstützen wird. Denn auch die Zuschauer wissen: Dieses BG-Team kann Geschichte schreiben – und wer will das schon verpassen.
Das Tageblatt berichtet live im Internet aus der Lokhalle unter www.gt-liveticker.de.
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