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Land & Leute

Volkssport Grillen – WM-Land Südafrika eröffnet Grillsaison


Bis zur Fußball WM am 11. Juni sind es noch genau acht Tage. Genügend Zeit, um eine kulinarische Seite der Regenbogennation kennenzulernen – eine besonders fleischige.
Steaks und Spieße legen auch die Südafrikaner gerne auf den Grill.

Steaks und Spieße legen auch die Südafrikaner gerne auf den Grill.

© Archiv

Südafrika ist eine Grillnation und in eben dieser Küchendisziplin werden Südafrikaner oft als Grill-Weltmeister bezeichnet. Zum Markenzeichen von Südafrika ist schließlich das sogenannte Braaivleis (kurz: Braai) geworden, eine Art Barbecue.

Vor allem an Sonntagnachmittagen steigen aus vielen Gärten Rauchwolken empor. Aber auch auf den Straßen, auf den Parkplätzen am Strand und natürlich beim Fußballspielen wird „gebraait“. Wettbewerbe im Schnellgrillen, kreative Fleisch-Gewürzkombinationen oder Show-Grillen sind keine Seltenheit. Dem Grill-Sport zu Ehren ist sogar ein Feiertag gewidmet, der „National Braai Day“. Die sportliche Nation trainiert eben nicht nur hart für die Fußball-Weltmeisterschaft.

Wie hierzulande ist auch im Kapstaat das Grillen Männersache – und eine Kunst für sich. Mit der Bierflasche in der Hand versammeln sich die Herren um die Feuerstelle, zelebrieren das Anzünden, fachsimpeln über die Glut und testen die Temperatur mit der Handfläche. Das Feuermachen ist ein Ritual. Stolz darf derjenige sein, der zu einem „Braai“ geladen wird: Eine Einladung zum „Braai“ ist der Ritterschlag jeder Freundschaft. Wer das Glück hat, sollte am besten Tage vorher nichts mehr essen, die Fleischberge sind riesig.

Was wird eigentlich gegrillt?

Südafrikaner sind Genießer und wenn es ums Essen geht, dann erst recht. Ganze Generationen von Rindern oder Kudus lassen Ihre Schultern und Rippen. Saftige Hinterteile werden mit Soßen bestrichen und einmassiert. Bei einem familiären Sonntagsgrill lagern die Fleischmassen in Kühlkisten, nicht viel kleiner als Badewannen. „Es ist schön am Wochenende die Zeit mit Freunden, einer Flasche Whiskey, Bier und gutem Essen zu verbringen“, meint Jaque Du-Toit, Hobbygriller aus Stellenbosch bei Kapstadt. „Das Fleisch immer mit der Fettseite nach oben aufs Rost legen“, erklärt er. So soll die Hitze das Fett langsam ins Fleisch hinein schmelzen und Kräuter-Gewürzmischungen können tief eindringen. Das Fleisch – das Stück Lebenskraft – wird direkt geröstet. Foliengrills gibt es in Südafrika äußerst selten.

Wie schon erwähnt, grillen ist in Südafrika Männersache, daher trainieren hauptsächlich Herren für Grillwettbewerbe: „Nur das Fleisch, das Bier und das Feuer. Du fühlst dich wirklich männlich“, meint Du-Toit. „Die Damen genießen unsere Grillkunst, entspannen sich oder bereiten Salate vor“.

Die Zeit des Wartens vertreiben sich die meisten Südafrikaner mit einem Sixpack „Castle Beer“ oder Whiskey und ein paar Stücken „Biltong“, dem delikat gewürzten südafrikanischen Trockenfleisch.

Neben all den Fleisch-Spezialitäten zeichnet sich die traditionelle Kap-Küche noch durch eine Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse aus: Niederländer und Deutsche brachten herzhafte Eintopfgerichte mit, Sklaven, die Jan van Riebeeck schon kurze Zeit nach der Gründung Kapstadts im Jahre 1652 aus Madagaskar und der holländischen Besetzung Java (Batavia) an die Südspitze Afrikas bringen ließ, brachten Gewürze, Curries und exotische Früchte nach Südafrika, die Engländer den Pudding und die Hugenotten im Jahr 1688 den Wein. Sie ließen sich in Franschhoek (Französische Ecke) als Winzer nieder. Ob gepökelt, gegrillt, frittiert, gegart, parfümiert oder geröstet: Feinschmeckern und Grill-Fans wird es während der WM 2010 in Südafrika nicht langweilig.

Hanni Heinrich

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