Was bleibt von diesem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika? In ein paar Monaten, mit etwas Abstand, wird man sich erinnern an feiernde Spanier und traurige Niederländer, doch von der enttäuschenden Partie selbst wird wenig haften bleiben, abgesehen vielleicht von der Treterei, die vor allem „Oranje“ angezettelt hatte. Wenn ein Endspiel repräsentativ sein kann für eine ganze Endrunde, dann war das Finale in Johannesburg der passende sportliche Schlusspunkt: Im letzten aller 64 Spiele bekamen die Zuschauer noch einmal eine Kurzfassung des Turniers in Südafrika präsentiert; vier Wochen WM komprimiert auf 120 Minuten.
Das Tor zum 1:0 durch Andres Iniesta in der 116. Minute als Ausdruck der Torflaute bei diesem Turnier. Nur 1990 in Italien trafen die Stürmer noch seltener als in Südafrika. Schiedsrichter Howard Webb als Repräsentant der schwachen Unparteiischen. Selten war über die Leistung der Schiedsrichter so viel geschimpft worden wie bei dieser WM. Die defensive Ausrichtung von „Oranje“ als das taktische Rezept der meisten Teams in diesem Jahr.
Sicherheit statt Spektakel, das steht für viele Trainer längst an erster Stelle; auch die ballverliebten Trickser aus Brasilien und die Profis aus den Niederlanden, wo „Voetbal total“, bedingungsloser Offensivfußball, bislang als ungeschriebenes Gesetz galt, haben sich dem Fußballtrend untergeordnet. „Wir spielen jetzt deutsch“, hatte ein niederländischer Fan noch vor dem Finale gegen die Spanier angemerkt; weniger spektakulär, dafür aber erfolgreicher, wie man es über Jahrzehnte hinweg vom nicht besonders beliebten Fußball des Nachbarn gewohnt war.
Endspiele bleiben oft hinter den Erwartungen zurück, weil keine Mannschaft zu schnell zu viel riskieren will. Italiens Sieg über Frankreich im Elfmeterschießen 2006 in Berlin zählt ebenso wenig zu den Highlights der WM-Historie wie der müde 1:0-Triumph der deutschen Mannschaft gegen Argentinien 1990.
Die Langeweile in Südafrika aber zog sich durch das ganze Turnier; viele Mannschaften waren so auf Sicherheit bedacht, dass sie vor lauter Ballquergeschiebe das Fußballspielen vergaßen. Das Vorrundenspiel zwischen Algerien und Slowenien (0:1) gilt als der Langweiler schlechthin dieser WM, und das alles lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: 145 Tore sind in den 64 WM-Spielen am Kap gefallen, zwei weniger als vor vier Jahren in Deutschland, was einem Schnitt von 2,27 Treffern pro Partie entspricht. Der Trend ist seit 1994 rückläufig, nur 1990 gab es mit 115 Toren in 52 Spielen (2,21) noch weniger zu bejubeln als in diesem Jahr.
Sogar die Spanier kamen auf dem Weg zum WM-Titel mit einem Minimum an Toren aus: Acht Treffer erzielte der neue Weltmeister im ganzen Turnier und gewann alle Spiele der K.-o.-Runde einschließlich des Endspiels mit 1:0. Trotzdem hat Spanien in Südafrika gemeinsam mit der deutschen Elf das deutlichste Zeichen gegen den Sicherheitstrend und für die Spielfreude gesetzt: Deutschland mit den vielleicht spektakulärsten Partien gegen England und Argentinien, Spanien mit der beeindruckendsten Leichtigkeit und Geduld. Die Iberer ließen sich im Finale auch von der rüden Spielweise der Niederländer nicht beeindrucken, die zeitweise auftraten, als wollten sie nicht nur das Spiel der Spanier zerstören, sondern die Gesundheit ihrer Gegenspieler gleich mit.
Dass sich am Ende der spielerische Akzent durchgesetzt hat, ist irgendwie eine beruhigende Erkenntnis.
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