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Nach dem Bohrlochverschluss

BP beginnt im Golf von Mexiko mit Aufräumarbeiten


Das monatelang sprudelnde Bohrloch ist dicht, der Ölteppich im Golf von Mexiko scheint fast verschwunden. Während BP seinen Rückzug vorbereitet, warnen Umweltschützer davor, die Folgen der Katastrophe zu unterschätzen.
Endlich erfolgreich: Am vergangenen Dienstag konnte das offenen Bohrloch im Golf von Mexiko verschlossen werden.

Endlich erfolgreich: Am vergangenen Dienstag konnte das offenen Bohrloch im Golf von Mexiko verschlossen werden.

© dpa

Nach der erfolgreichen Abdichtung der defekten BP-Ölquelle haben im Golf von Mexiko die Aufräumarbeiten begonnen. Da kaum noch Öl auf der Meeresoberfläche zu finden sei, sammelten die Einsatzkräfte die im Wasser ausgelegten Barrieren wieder ein, berichteten US-Medien am Samstag. Tausende Fischer, die bisher mit ihren Booten das Öl vom Wasser abschöpften, hätten von der Einsatzleitung diese neue Aufgabe bekommen. Derweil laufen die Vorbereitungen für die endgültige Versiegelung der Quelle weiter.

Die auf tausende Kilometer Länge ausgelegten schwimmenden Begrenzungen sollten das Öl davon abhalten, an die Küsten geschwemmt zu werden. Sie könnten aber bei Tropenstürmen, die sich nun in der laufenden Hurrikan-Saison häufen, zu zerstörerischen Geschossen werden. „Die Barrieren werden zum Risiko, weil sie Schäden im Marschland verursachen können, auf Straßen landen oder sich in den Docks verfangen“, sagte BP-Topmanager Doug Suttles.

Gleichzeitig gingen unten am Meeresboden die Arbeiten an der Ölquelle weiter. Nachdem das vier Kilometer lange Steigrohr zum Öl-Reservoir mit Zement versiegelt wurde, soll nun am kommenden Freitag eine seit Mai laufende Entlastungsbohrung abgeschlossen werden.

Allerdings sei es - anders als bisher geplant - wohl nicht nötig, dabei das rund 18 Zentimeter dicke Steigrohr selbst anzubohren, um es auch von unten mit Zement zu füllen, sagte der Einsatzleiter Admiral Thad Allen. Es genüge, lediglich den äußeren Ring um das Rohr herum abzudichten. Damit solle verhindert werden, dass Öl aus möglichen kleinen Lecks unten in der Quelle nach oben drängen kann.

Trotz der jüngsten Erfolgsmeldungen warnen Umweltschützer davor, die Folgen der Katastrophe zu unterschätzen. „Das Desaster der „Exxon Valdez“ ist 20 Jahre her und die Gemeinden und das Ökosystem in Alaska leiden immer noch darunter“, sagte Kristina Johnson von der US-Naturschutzgruppe „Sierra Club“. Die Verpflichtungen von BP in dem Katastrophengebiet seien längst nicht abgeschlossen. „Wir werden noch lange unter der Ölpest zu leiden haben.“

Große Zweifel herrschen in der Fachwelt weiter an den Angaben der US-Regierung, dass ein Großteil der rund 660 000 ausgeströmten Tonnen Öl auf natürlich Weise verschwunden ist. „Bakterien können durchaus Öl im Meer abbauen, aber das ist ein Prozess, der sich über Monate oder gar Jahre hinzieht“, sagte Prof. Friedrich Widdel vom Max- Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen der dpa. Zudem sei auch der natürliche Abbau problematisch für die Natur, weil dafür Sauerstoff benötigt werde. „Wenn die Bakterien ihn vollständig aufbrauchen, kippt das Meer um. Damit stirbt alles Leben ab.“

Bei allen schlimmen Folgen habe die Ölpest aber zumindest einen positiven Nebeneffekt, sagte Johnson. „Menschen, die sich niemals als Umweltschützer bezeichnen würden, fordern nun ein Ende von der Öl- Abhängigkeit.“ Der Wunsch nach sauberer Energie habe in Amerika stark zugenommen. Die US-Bürger seien es leid, dass die Öl-Industrie Sicherheitsregeln umgehe und eine Energiewende verhindere.

dpa

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