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Landgericht Mannheim

Ein kurzer Prozessauftakt im Fall Kachelmann

Von Wiebke Ramm

Im Gericht trifft Fernsehmoderator Jörg Kachelmann auf seine Exgeliebte – die Verhandlung wird jedoch nach wenigen Minuten vertagt. Die Anwälte Kachelmanns hatten Befangenheitsanträge gegen zwei Richter der Kammer gestellt. Die Verhandlung soll am 13. September fortgesetzt werden.
Vor Gericht: Fernsehmoderator Jörg Kachelmann

Vor Gericht: Fernsehmoderator Jörg Kachelmann

© afp

Jörg Kachelmann und seine frühere Freundin Simone haben sich seit sieben Monaten nicht mehr gesehen, seit jener Nacht im Februar nicht mehr, in der ihre Beziehung jäh endete. Gestern sind sie sich erstmals wieder gegenübertreten: Im Sitzungssaal 1 des Mannheimer Landgerichts.

Völlig unerwartet betritt die schlanke, blonde Frau den Gerichtssaal. Sie trägt einen dunklen Hosenanzug, um ihren Hals hat sie ein violettes Tuch gewickelt. Die 37-Jährige wirkt wie eine Frau, die selbstbewusst erscheinen möchte und doch ihre Anspannung nicht verbergen kann. Mit fast schon übertrieben durchgestrecktem Rücken und hoch gerecktem Kinn steht sie da und schaut in die Reihen der Besucher. Sie blickt trotzig, man könnte auch sagen arrogant. Doch ihre Körperspannung verrät ihre Unsicherheit.

Vorab hatte es geheißen, Simone – ihr richtiger, zweiter Vorname, den sie nicht benutzt – werde nicht anwesend sein, sondern sich durch ihren Anwalt vertreten lassen. Was sie bewogen hat, doch dabei zu sein, verrät sie nicht.

Wenig später, wenige Minuten nach 
9 Uhr, betritt Kachelmann den Saal. Er ist deutlich schmaler, als er im Fernsehen wirkt. Er trägt einen dunkelblauen Anzug und eine grau-silber schimmernde Krawatte. Seine Haut ist leicht gebräunt, er ist ordentlich rasiert, sein Haar kürzer noch als bei seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft. Von seiner Zotteligkeit, die fast schon sein Markenzeichen war, ist nichts geblieben. Der 52-Jährige verzieht keine Mine. Seine frühere Geliebte schaut er nicht an.

Elf Jahre dauerte die Beziehung der beiden – bis zur Nacht vom 8. auf den 9. Februar. Damals ist in der Dachwohnung der 37-Jährigen in einem Reihenhaus im baden-württembergischen Schwetzingen zwischen ihnen etwas vorgefallen, was Simone als Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung darstellt und Kachelmann einvernehmlichen Sex nennt. Aussage steht gegen Aussage.

Dieser Tag hat das Gericht der Wahrheit nicht näher gebracht. Die Verteidigung hatte am Vortag einen 67 Seiten starken Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Michael Seidling und eine zweite Richterin eingereicht, weil sie befürchtet, dass sie ihrem Mandanten „nicht völlig unvoreingenommen gegenüberstehen“, so Verteidiger Rainer Birkenstock. Deshalb wurde nicht mal die Anklage verlesen. Auch die Personalien wurden nicht festgestellt. Seidling vertagte die Verhandlung nach nicht einmal zehn Minuten auf kommenden Montag. Den Grund für die Befürchtungen wolle man aus Rücksicht auf die Richter nicht öffentlich machen, sagte Birkenstock.

Vor dem Prozess hatte es Spekulationen gegeben, dass der Vorsitzende Richter privat mit dem Vater des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers bekannt ist: Nach Informationen der „Bild“ stammt er aus dem Nachbarort der Nebenklägerin.

Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, die den Prozess für die „Bild-Zeitung“ nach eigenen Angaben unvoreingenommen verfolgen will, nannte den Auftritt des mutmaßlichen Opfers hinterher „beeindruckend“. Sie habe sich als „stolze“, „sehr entschlossene“ Frau gezeigt. Kachelmann hingegen sei „geschickt wie immer“ aufgetreten: „Er trug kein T-Shirt, sondern einen gedeckten Anzug und machte ein betroffenes Gesicht.“ Sie betonte jedoch auch: „Wir wissen nicht, ob sie wirklich vergewaltigt wurde oder nicht.“

Dass Kachelmann sein Verteidigerteam zum Prozessauftakt um die Heidelberger Strafverteidigerin Andrea Combé erweitert hat, wertete die Frauenrechtlerin als bloße Strategie. Die Botschaft, die sie dahinter vermutet, lautet: „Das weibliche Element hat er jetzt auch auf seiner Seite.“

Bislang sind 13 Verhandlungstage geplant, in denen das Gericht prüfen wird, ob die Beweise der Staatsanwaltschaft gegen den Wetterexperten ausreichen. Bei einer Verurteilung wegen Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall drohen Kachelmann mindestens fünf Jahre Gefängnis.

Es geht also um eine ernste Sache. Comedian Oliver Pocher hält das nicht davon ab, den Vergewaltigungsprozess als Bühne für die ihn typische Eigen-PR zu nutzen. Kurz vor 9 Uhr biegt ein schwarzer Van um die Ecke. Ein schlecht rasierter Mann mit schulterlangem Haar, in weißem Shirt und Lederjacke sitzt auf dem Beifahrerplatz. Er sieht aus wie Jörg Kachelmann. Fotografen und Kameraleute jagen hinterher. Vor der Einfahrt ins Parkhaus öffnet sich das Seitenfenster. „Ich bin unschuldig, das ist alles, was ich sagen kann“, ist zu hören. Es ist Pocher, der da spricht.

Der echte Kachelmann ist da längst ins Gerichtsgebäude gelangt – unbemerkt durch den Hintereingang.

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