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Berlin

„Emmely“ arbeitet wieder nach Sieg vor Bundesarbeitsgericht


Der bundesweit als „Emmely“ bekannten Berliner Kassiererin ist Anfang 2008 gekündigt worden, weil sie liegengebliebene Pfandmarken eingelöst hatte. Nachdem sie mit ihrer Klage vor dem Bundesarbeitsgericht Erfolg hatte, sitzt die 52 Jahre alte Frau nun wieder an der Kasse.
„Emmely“: „Es ist angenehm, wieder zur arbeiten.“

„Emmely“: „Es ist angenehm, wieder zur arbeiten.“

© dpa

„Emmely“ genießt ihren Triumph bescheiden. Konzentriert, die Lippen zusammengepresst, bahnt sie sich mit der Geldkassette unterm Arm den Weg zu Kasse 4 - ihrem neuen Arbeitsplatz, nach mehr als zwei Jahren Zwangspause, nach zähen Prozessen, Berufungen und schließlich dem Sieg. „Es ist angenehm, wieder zur arbeiten“, sagt die Kassiererin, die nach 31 Jahren ihren Job verloren hatte. Weil sie zwei liegengebliebene Pfandmarken für insgesamt 1,30 Euro eingelöst hatte.

„Sie finden mich jetzt immer hier“, sagt sie einem ihrer ersten Kunden der Kaiser’s-Filiale. Ein „Schön, dass sie es geschafft haben“, quittiert die 52-Jährige am Dienstag schlicht mit „Danke“. Mehr nicht. Sie will kein Aufhebens machen, kein Öl ins Feuer gießen - auch wenn der Filialleiter ausnahmsweise nicht in Sichtweite ist.

Die meisten Kunden bemerkten ohnehin nicht, dass hier die Kassiererin ihren Einkauf übers Band zieht, deren Bild noch vorletzte Woche in fast allen Zeitungen zu sehen war. Da hatte das Bundesarbeitsgericht ihre Kündigung aufgehoben. Bagatelldelikte rechtfertigten zwar nach wie vor den Rauswurf, befanden die höchsten Arbeitsrichter. Nach 31 Jahren im Betrieb hätte es aber auch eine Abmahnung getan.

Die Vorinstanzen hatten Kaiser’s Tengelmann noch recht gegeben - allen Beteuerungen der Kassierin zum Trotz, der Betrieb wolle sie loswerden, weil sie an einem Streik teilgenommen hatte.

Nun ist die Berlinerin, die bundesweit nur als „Emmely“ bekannt ist, wieder da, wo sie hinwollte: an der Supermarktkasse. Zwar nicht in ihrer alten Filiale - darauf hat sie nach Worten ihres Anwalts verzichtet - aber einen guten Kilometer weiter. Ihr neuer Arbeitsplatz im Untergeschoss eines Einkaufszentrums in Berlin- Hohenschönhausen liegt nicht weit von ihrer Wohnung entfernt.

„Ich war gespannt, wie es heute werden würde“, verrät „Emmely“, die von Fernsehkameras in Empfang genommen wurde. Um den weißen Kragen trägt sie ein dunkles Halstuch mit dem Kaffeekanne-Logo ihres Arbeitgebers, im blonden Haar ein passendes Haargummi. Am Montag war sie an den neuen Kassen geschult worden. Nur manchmal muss sie Kollegen fragen, etwa, welche Nummer die Äpfel haben. „Ich kann es noch“, stellt sie fest.

dpa

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