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Öffentliche Fahndung

Gesuchter Kinderschänder stellt sich der Polizei

Oberstaatsanwalt Reinhard Hübner war von einem schnellen Ermittlungserfolg überzeugt, und er sollte recht behalten. Der Ermittler startete am Mittwochabend mit Fahndern des Bundeskriminalamtes (BKA) die Jagd auf einen brutalen Kinderschänder.
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Rückblick
Der gesuchte Kinderschänder hat sich der Polizei gestellt.

Der gesuchte Kinderschänder hat sich der Polizei gestellt.

© ddp

Um den Mann zu ergreifen, hatten die Ermittler Fotos, Videos und Stimmproben des deutschsprachigen Täters veröffentlicht. „Wir werden ihn schon bald fassen“, sagte Hübner am Donnerstagmittag dieser Zeitung.

Dass der Kinderschänder aber so schnell hinter Gittern sitzen würde, damit hatte Hübner auch nicht gerechnet. Der Mann hatte sich am Nachmittag der Polizei gestellt, nur wenige Stunden, nachdem die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ zum ersten Mal Bilder des Mannes öffentlich gezeigt hatte. Wo und warum der Mann sich gestellt hatte, wollte eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes gestern nicht sagen. Nach Medieninformationen soll sich der Mann im bayerischen Sonthofen bei der Polizei gemeldet haben.

Der Gesuchte hat Jungen im Alter zwischen fünf und sieben Jahren vor laufender Kamera missbraucht und dabei auch Gewalt angewandt. Anschließend hat er Videos über einen Server in Norwegen ins Internet gestellt. Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt daher wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie die Verbreitung von kinderpornografischen Videos. Offenbar hatte der Täter, der auf vielen Aufnahmen selbstgefällig in die Kamera blickt, keine Angst entdeckt zu werden.

Zwei der Opfer redet er mit „Pascal“ und „Marcel“ an. In einem der Videos wird der Täter selbst „Christoph“ genannt. Die Aufnahmen stammen nach Angaben des BKA aus dem Jahr 2006. 40 Videos wurden den Ermittlern von einem Zeitungsjournalisten zugespielt, zwei Videos fanden Fahnder bei einer Durchsuchung auf dem Computer eines anderen Kinderschänders. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der Täter noch weitere Kinder missbraucht hat. Möglicherweise ist er auch mit seinen Opfern verwandt.

Am Donnerstag waren nach dem Fernsehbeitrag vom Vorabend bei den Ermittlern rund 25 Hinweise auf den Kinderschänder eingegangen.

Die Gießener Staatsanwaltschaft hat Erfahrung bei der Jagd nach Kinderschändern. Schon mehrmals habe die Veröffentlichung von Fotos auf die Spur der Täter geführt, sagte Hübner. Als Beispiel nannte er die Veröffentlichung von Tatortbildern. Eine Mutter von zwei Kindern habe darauf das Zimmer ihres Bruders erkannt. Dieser hatte die beiden Kinder missbraucht.

Beteiligt war die Gießener Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben auch an der Jagd nach dem kanadischen Kinderschänder Christopher N. Der Englischlehrer hatte jahrelang in Asien Jungen missbraucht und die Fotos ins Internet gestellt. Dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden war es schließlich gelungen, sein digital verfremdetes Bild zu entschlüsseln und ein Fahndungsfoto zu erstellen.

[Mathias Klein]

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