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Den Haag

Karadzic beginnt Verteidigung gegen Völkermord-Vorwurf


Der wegen Völkermordes angeklagte ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hat am Montag nach mehrmonatiger Verzögerung seines Prozesses mit der Darlegung seiner Verteidigungsstrategie begonnen.
Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic.

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic.

© afp

Er werde in den nächsten Tagen und Wochen vor allem die Würde seines kleinen Landes Bosnien-Herzegowina und damit auch sich selbst gegen alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft verteidigen, erklärte der 64-Jährige vor dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag.

Karadzic betonte, dass er von dem Gerichtshof eine faire Chance verlange, seine weitere Verteidigung zu organisieren und ausreichend vorzubereiten. Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen bosnische Muslimführer. Sie hätten die Serben in Bosnien-Herzegowina provoziert und zu deren Ermordung aufgerufen. Angesichts dessen hätten die Westmächte und insbesondere der US-Sonderbeauftragte Richard Holbrooke versagt.

Der frühere Präsident der bosnischen Serbenrepublik ist vor dem UN-Tribunal wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in elf Fällen angeklagt. Karadzic soll einer der Hauptverantwortlichen für den gewaltsamen Tod Zehntausender und für die Vertreibung von etwa zwei Millionen Menschen während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 sein. Vor allem wird ihm das Massaker an etwa 8000 Muslimen in der UN-Schutzzone Srebrenica 1995 zur Last gelegt.

Karadzic war erstmals 1995 in Abwesenheit angeklagt worden. Nach jahrelanger Flucht war der studierte Psychiater im Juli 2008 festgenommen und an das UN-Tribunal in Den Haag überstellt worden. Ihm droht lebenslange Haft. Bislang hatte Karadzic es stets verweigert, sich zu den Vorwürfen zu äußern und stattdessen die Zuständigkeit des Tribunals bestritten. Das Gericht registrierte dies formell als Plädoyer auf „unschuldig“.

dpa

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