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Osnabrück

Patientin in 
Psychiatrie 
erstickt

Von Karl Doeleke

In der Psychiatrie des ehemaligen Landeskrankenhauses in Osnabrück ist am Montagnachmittag eine Patientin tot aufgefunden worden. Wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück am Dienstag mitteilte, gibt es „Hinweise auf äußere Gewalteinwirkung“.

Nach Informationen dieser Zeitung ist die 46-jährige Frau von einer anderen Patientin unter einer Bettdecke erstickt worden. Es ist der erste gravierende Zwischenfall in einem der ehemaligen Landeskrankenhäuser seit der Privatisierung durch die Landesregierung.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen die psychisch kranke Bewohnerin des Zimmers. Sie gilt derzeit als einzige Tatverdächtige. Nach Informationen dieser Zeitung hatte die 28-jährige mutmaßliche Täterin ihr Opfer mit Schokolade in den Raum gelockt. Möglicherweise hatte es zuvor Streit unter den Frauen gegeben. Beide befinden sich aufgrund vormundschaftsrichterlicher Beschlüsse in der geschlossenen psychiatrischen Abteilung der Klinik. Weder die mutmaßliche Täterin noch das Opfer galten als gefährlich für andere. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft befanden sie sich aus Selbstschutz auf der Station für geistig behinderte Menschen mit psychischen Störungen.

Untersucht wird außerdem, ob die Klinikleitung ihre Aufsichtspflicht über die derzeit 14 Patienten auf der Station verletzt haben könnte. Das Sozialministerium in Hannover, das die Fachaufsicht über die Klinik führt, hat einen Bericht angefordert. „Wir haben die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abzuwarten“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Spieker. Staatsanwältin Wibke Warnking erklärte: „Wir haben derzeit keine Anhaltspunkte für ein Verschulden des Krankenhauses.“

Der Vorfall sei „im Vorfeld nicht abzusehen“ gewesen, erklärte der ärztliche Direktor der Ameos-Klinik, Harald Scherk, auf Anfrage. Den Verdacht der Aufsichtspflichtverletzung seitens der Klinik wies der Arzt zurück. Aggressionen würden die Patienten normalerweise „gegen sich selbst“ richten. Zwei bis drei von ihnen teilen sich auf der Station ein Zimmer. „Alle Patienten können sich besuchen“, sagte Scherk. Das Klinikpersonal hatte die 46-Jährige am Nachmittag vermisst, um 16.15 Uhr wurde die Frau in dem Zimmer der anderen gefunden. Die 28-Jährige soll die Tat gegenüber ihrer Mutter und dem Klinikpersonal eingeräumt haben.

Die Klinik wird seit dem November 2007 von dem privaten Ameos-Konzern mit Sitz in der Schweiz betrieben. Das Land hat vor drei Jahren seine acht Landeskrankenhäuser an private Betreiber verkauft. Lediglich der Maßregelvollzug, also die Betreuung gefährlicher Täter, die sich aufgrund von Schuldunfähigkeit in einer Klinik statt in einem Gefängnis befinden, ist noch in Landeshand. Im Ameos-Klinikum am nördlichen Rand der Innenstadt von Osnabrück werden auf 17 Stationen 350 psychisch kranke Patienten betreut.

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