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Verdacht der Vergewaltigung

Regisseur Roman Polanski in der Schweiz festgenommen

Der berühmte Filmregisseur Roman Polanski ist am Samstag bei der Einreise in die Schweiz überraschend festgenommen worden.
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Der Regisseur Roman Polanski

Der Regisseur Roman Polanski

© ddp

Das teilten am Sonntag die Organisatoren eines Filmfestivals in Zürich mit, bei dem der 76-Jährige am Abend für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte. Grund sei ein US-Haftbefehl aus dem Jahr 1978. Nach Angaben eines Sprechers des Justizministeriums wurde Polanski auf Antrag der USA in Auslieferungshaft genommen. Er könne jedoch Berufung einlegen, sagte der Sprecher. In den USA ist seit mehr als 30 Jahren ein Vergewaltigungsverfahren gegen Polanski anhängig. Der Starregisseur wurde wegen Sex mit einer 13-Jährigen angeklagt. Er bekannte sich schuldig und musste für sechs Wochen ins Gefängnis. Kurz vor der Urteilsverkündung Ende Januar 1978 floh er dann nach Frankreich, weil ihm eine längere Haftstrafe drohte. Seither kann er nicht in die USA einreisen.

Ein Antrag des Starregisseurs, das Verfahren einzustellen, wurde noch im Mai von einem Gericht in Los Angeles abgelehnt, weil er dem Verfahren ferngeblieben war. Auch die US-Bürgerin, die damals von Polanski missbraucht worden sein soll, hatte für die Einstellung des Verfahrens plädiert. Seine Verteidiger teilten in der vergangenen Woche dem Gericht mit, dass der Filmemacher nicht die Absicht habe, in die USA zurückzukehren.

Die Leitung des Zurich Film Festivals zeigte sich am Sonntag bestürzt und verschob die Preisverleihung auf unbestimmte Zeit. Stattdessen wollte sie am Abend Polanskis filmisches Schaffen würdigen. Auch in der Schweizer Filmszene sorgte die Nachricht von Polanskis Verhaftung für Entsetzen. Sie sei nicht nur eine „groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheurer Justizskandal“, erklärte der Verband der Regisseure laut der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. Mit ihrem Vorgehen hätten die Behörden dem Land weltweit Schaden zugefügt, schrieb der Verband Filmregie und Drehbuch.

„Fassungslos“ reagierte auch der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand. Ohne sich in das „sehr alte Verfahren“ einmischen zu wollen, dem ein “übertriebener Wert“ beigemessen werde, bedauere er auf das Heftigste, dass Polanski dieser „neue Belastungsprobe“ unterworfen worden sei, erklärte der Minister. Er erinnerte daran, dass der Regisseur in seinem Leben schon genügend Schicksalsschläge hinnehmen musste.

Polanski wurde 1933 als Kinder polnischer Juden in Frankreich geboren. Drei Jahre später zogen seine Eltern mit ihm nach Krakau. Seine Mutter starb in Auschwitz, sein Vater überlebte das KZ Mauthausen, er selbst wurde nach seiner Flucht aus dem Ghetto von Bauern versteckt. 1969 wurde dann seine zweite hochschwangere Frau, die Schauspielerin Sharon Tate, in ihrer gemeinsamen Villa in Los Angeles von der Charles Manson-Bande brutal ermordet.

Polanski wirkte an gut 40 Filmen mit und wurde mehrfach ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben „Rosemary’s Baby“ und „Chinatown“ die Satire „Tanz der Vampire“. Für sein autobiografischstes Werk „Der Pianist“, das die Überlebensgeschichte eines polnischen Klavierspielers unter den Nazis erzählt, wurde er 2003 mit dem Oscar ausgezeichnet. Den Preis konnte er nicht persönlich entgegennehmen.

afp


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