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Wirtschaft Appartements auf Garagengrundstücken
Nachrichten Wirtschaft Appartements auf Garagengrundstücken
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08:00 11.10.2018
Die Appartements auf dem ehemaligen Garagengebäude „An der Lutter“ sind inzwischen fertig und bezogen – hier in Bild aus der Bauphase. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Zahlreiche Einzimmer-Appartements für Studierende sind in den vergangenen Jahren in Göttingen entstanden. „Bis zu 15 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter zahlen Studierende für ihre uninahen Appartements in Weende und der Nordstadt“, berichtet Christian Frölich, Obermeister der Bau-Innung Südniedersachsen. Zum Vergleich: Das Studentenwerk Göttingen verlangt für unmöblierte Einzimmer-Appartements etwa am Kellnerweg oder am Kreuzbergring pro Quadratmeter rund 11 Euro Warmmiete inklusive Strom. Auf der Warteliste für die 4500 Studentenwerk-Zimmer stehen aktuell 1850 Studierende.

Nachverdichtung als Problemlösung

„In Göttingen würde, befeuert durch die niedrigen Zinsen, noch viel mehr für die mehr als 30 000 Studierenden gebaut, wenn es entsprechendes Bauland gebe“, betont Frölich. Politik und Verwaltung wiesen jedoch keines aus, sondern setzten auf Nachverdichtung. So errichte mancher Bauherr in zweiter Reihe Studentenappartements. Andere rissen Einfamilienhäuser aus den 50er-Jahren ab und ersetzten sie durch Wohnblocks. In Weende habe ein Investor ein Vier-Parteien-Wohnhaus umgebaut und dort mehr als zehn Studentenappartements geschaffen.

„Verwertet werden heute zudem Garagengrundstücke“, berichtet Frölich. An der Springstraße in Weende sei auf einem neun Meter breiten Grundstück ein 30 Meter langer, zweistöckiger Appartement-Block entstanden. Das „anspruchsvolle Genehmigungsverfahren“ für dieses „bauliche Kuriosum“, das vor Jahren laut Frölich undenkbar gewesen wäre, habe mit Erfolg beendet werden können. Auf einen ehemaligen Garagengrundstück „An der Lutter“ in Weende entstand auch das Studentenappartement-Gebäude der Wohnungsgenossenschaft Göttingen, das im Oktober bezogen worden ist. „Wir hatten keine Probleme, Mieter zu finden“, berichtet Vorstand Carlo Scherrer. Mehr als 20 Millionen Euro habe die Genossenschaft in das Gebäude investiert, das mehr als 150 Wohnungen biete.

Steigende Baukosten, höhere Mieten

„Die vergleichsweise hohen Mieten der Appartements haben mit den seit Jahren steigenden Baukosten zu tun“, betont Uwe Witting, Justiziar der Göttinger Haus- und Grundeigentümervereinigung (H+G), Die Genehmigungsverfahren seien kostenspieliger, die Auflagen etwa hinsichtlich Dämmung oder Haustechnik strenger geworden. Zudem würden die teuren sanitären Anlagen in kleinen Wohneinheiten überproportional zu Buche schlagen. „Aufgrund der häufigen Mieterwechsel ist der Aufwand für den Vermieter größer“, führt Witting außerdem an. Bei Umzügen käme es zu Beschädigungen im Treppenhaus. Manche der jungen Leute durchleben eine partyintensive Zeit oder spielen Instrumente, was zu Konflikten mit Nachbarn führe. „Andererseits sind Studenten vergleichsweise unkomplizierte Mieter“, relativiert Frölich.

„In der Nähe der Universität liegen die Mieten höher als Grone oder Geismar“, weiß Witting. Noch günstiger sei Wohnraum in Rosdorf oder Bovenden, der mit dem für Studierende kostenfreien Bus auch gut zu erreichen sei. Aber: Soweit außerhalb wolle kaum einer der jungen Menschen leben. In Großstädten wie Berlin müssten Studierende dagegen oft eine Stunde Fahrtzeit zur Uni einkalkulieren.

WG-Zimmer günstiger als in München oder Frankfurt

Für ein WG-Zimmer zahlen Studierende in Göttingen derzeit nach einer Erhebung des Berliner Moses-Mendelssohn-Instituts und des Internetportals wg-gesucht.de durchschnittlich 330 Euro. In München müssen sie demnach 600 Euro, in Frankfurt am Main 480 Euro aufbringen. Im Osten Deutschlands gibt laut Erhebung andererseits Städte, wo die Belastung im Schnitt nur 200 Euro beträgt.

Von Michael Caspar

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