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19:18 26.09.2016
Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) nahm sich dem Thema Zuwanderer und Handwerksbetriebe an. Quelle: Hartwig
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Göttingen

Es war nicht das erste Mal, dass eine Göttinger Gildenwahl außerhalb der Reihe terminiert wurde. Herbstferien und Feiertage haben den Plan in der Vergangenheit schon einmal durcheinander gebracht; 2001 ließ man die Veranstaltung anlässlich der Anschläge in New York ausfallen. Auch, wenn einmal eine Gildenwahl aus der Reihe tanzt – die Abläufe gestalten sich von Jahr zu Jahr traditionell. So hatte die Kreishandwerkerschaft auch zu dieser 519. Zusammenkunft nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Johanniskirche zur „Morgensprache“ ins Alte Rathaus geladen.

Unter den Handwerkern, Verbandsvertretern und Politikern befand sich auch Carsten Linnemann (CDU, Mitglied des Bundestages). Ihn hatte das Südniedersächsische Handwerk ins Rathaus geladen, um die politische Stimmung zu beleuchten.

Linnemann, der Hausbesuche macht, „um zu erfahren, was den Leuten unter den Nägeln brennt“, sprach von  zunehmendet Unsicherheit in der Bevölkerung. Sorgen um das Land, um Gerechtigkeit, eine sichere Rente sowie Eigenmächtigkeit in Politik und Wirtschaft würden die Menschen beschäftigen. Linnemann möchte mit einem Maßnahmenkatalog die „Lust auf Zukunft“ wieder entfachen.

Eine zentrale Rolle spiele dabei das Thema Zuwanderung. Hier habe die Politik viel Vertrauen verspielt, viel totgeschwiegen und schöngeredet. Ein vom Arbeitsmarkt inspiriertes Einwanderungsgesetz das vom Recht auf Asyl getrennt ist, würde seiner Meinung nach Regelungen vereinfachen und Vertrauen schaffen.

Wichtig sei auch eine Steuerreform, die die Mittelschicht entlastet. „Wenn die Mitte eines Landes wegbricht, ist das Land am Ende“, sagte Linnemann. Leistung und Entlohnung müssten sich die Waage halten, und Steuermehreinnahmen zu etwa einem Drittel wieder an die Bevölkerung zurück fließen; „Das hat auch mit Menschenbild zu tun.“ Die Forderung einer „Flexirente“  sei thematisch  nicht weit entfernt und „extrem einfach“. Man müsse Alter neu denken, und Menschen, die länger arbeiten wollen, eine Chance geben. Wer im Rentenalter arbeite, müsse sich seine Rente aufstocken können. Zusammen mit dem Thema Erwerbsminderung ergäbe sich hieraus eine Rentenpolitik der Zukunft.

Schließlich seien Politik und Wirtschaft angehalten, nachhaltiger und langfristiger zu denken. Parteien müssten wieder ihre Profile schärfen und unterschiedliche Ansichten vertreten. Die Wirtschaft hingegen habe für Transparenz zu sorgen und ihre Projekte der Gesellschaft nahe zu bringen.

„Können nicht ins Steuerparadies“

Zu seiner Ansprache hatte Kreishandwerksmeister Christian Frölich an diesem Morgen einen „bunten Blumenstrauß von Anregungen“ im Gepäck. Gerichtet war dieser auch an die neu gewählten Kommunalpolitiker. „Bitte lassen Sie die Gewerbesteuersätze unverändert“, so Frölich. Denn viele Unternehmen hätten nicht die Möglichkeit, ihren Firmensitz in ein Steuerparadies zu verlegen. Anderes Beispiel, die Immobilienkreditrichtlinie. Diese würde besonders jungen Familien einen Stein in den Weg legen, Wohneigentum zu bilden.

Schließlich noch die Blaue Umweltplakette. 91 Prozent der Fahrzeuge im Handwerk würden mit Diesel angetrieben. Deshalb, und weil preiswerte Alternativen zur Umrüstung von Dieselmotoren derzeit nicht bereit stünden und ein Austausch der Flotten nicht infrage käme, würde das Handwerk diese Regelung ablehnen. Das Handwerk sei „Wirtschaftsmacht von nebenan“. Es benötige stabile Bedingungen sowie einen partnerschaftlichen Umgang aller am Wirtschaftsleben beteiligter Einrichtungen, fasste Frölich zusammen.

Im Rahmen der 519. Gildenwahl stellte der Kreishandwerksmeister einen neuen Obermeister vor. Andreas Grimmig heißt er und leitet die Samitär-Innung Südniedersachsen. Außerdem präsentierte die Buchbinderin Ameli Stock-Gissendammer ihr Meisterstück, ein in Leder eingeschlagenes Buch. Die studierte Pädagogin sagt: Die Arbeit im Handwerk sei für sie befriedigender als das Lehramt. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), der traditionell das erste Stück Speckkuchen und ein Glas Schnaps von jungen Auszubildenden gereicht bekam, nahm sich dem Thema Zuwanderer und Handwerksbetriebe an.

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