Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Alte Schätze im Karton
Nachrichten Wirtschaft Regional Alte Schätze im Karton
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 02.01.2017
Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Für Willi Klie, Inhaber der Traditionsfirma Sylvester Märten in Göttingen ist klar: „Alles, was älter als zehn Jahre ist, wird in der Regel entsorgt.“ Nur wenig Schriftliches wie die Eröffnungsbroschüre aus den 70er Jahren oder besondere Werbeflyer hat er aufgehoben – für alles Weitere fehlte der Platz. „Firmenunterlagen gehören dem Unternehmen. Sie länger als nötig aufzubewahren oder dem Stadtarchiv zur Verfügung zu stellen, ist freiwillig“, sagt Rolf Kohlstedt vom Göttinger Stadtarchiv. Für die Stadt sind alte Unternehmensakten dagegen eine wertvolle, ergänzende Quelle für die Geschichte der Wirtschaft und der arbeitenden Menschen.

Firmenjubiläen bieten oft Anlässe für Unternehmen, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und nach Unterlagen zu suchen. So war es auch bei der Göttinger Messtechnikfirma Mahr, deren Gründerfamilie aus Esslingen stammt. Die meisten alten Unterlagen lagerten bis vor wenigen Jahren an der Universität Hohenheim im Wirtschaftsarchiv des Landes Baden-Württemberg, ungeordnet, in Kartons. „In jedem Karton stießen wir auf kleine Schätze“, sagt der ehemalige Geschäftsführer Thomas Keidel.

Darunter Personalakten, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurückreichen, Patentunterlagen oder Notizen wie diese: „Meine Ware   ist etwas teurer, aber besser.“ Erst kürzlich erschien die Mahr-Chronik, die Keidel mit einem Team aus externen Fachleuten vornehmlich für die eigenen Mitarbeiter erarbeitet hat.  Jetzt verfügt das Unternehmen über ein eigenes Archiv auf dem Firmengelände, geordnet und hochwassergeschützt. Thomas Keidel sieht sich in der Pflicht, diesen Fundus weiter auszubauen: „Nachlässe aus der Familie, aber auch Beschlüsse der Gesellschafterversammlung oder Bilanzen kommen zukünftig in unser Archiv.“

So werden sich auch Jahrzehnte später noch strategisch wichtige Managemententscheidungen nachvollziehen lassen. „Wäre mein Urururgroßvater mit seinem Geschäft nicht von Bad Gandersheim nach Göttingen gezogen, gäbe es uns vielleicht gar nicht mehr“, sagt Susanne Heller. Gegründet 1837, ist das Fachgeschäft für Bettsysteme und –wäsche heute in der sechsten Generation in Familienbesitz, die Chronik ließ Heller zum 165. Firmengeburtstag verfassen.

Von Birgit Freudenthal

Sartorius ordnet Archiv neu

Bereits 2005 brachte das Unternehmen Sartorius eine eigene Chronik heraus. „Wir finden aber immer noch Dinge heraus, die wir noch nicht wussten“, sagt Petra Kirchhoff von Sartorius.  Aufgrund ihres Wegzugs vom alten Standort in der Weender Landstraße lässt die Firma seit Kurzem ihr Archiv professionell vom Historiker Marcel Stierand aufarbeiten. Ziel ist laut Kirchhoff ein „lebendes Archiv“, das auch zukünftig einen geordneten Zugang zum Material gewährleistet. Dem Göttinger Tageblatt berichtet Stierand über seine Aufgabe. „Die Neuordnung von Archivalien ist ein Balanceakt. Einerseits ist es wichtig, bestehende Ordnungen und Strukturen beizubehalten, um daraus Rückschlüsse ziehen zu können.

Derzeit sichten wir das Material, vor allem Akten, aber auch Geräte und Produkte, die sich zurzeit noch an vielen verschiedenen Stellen im Unternehmen befinden. Wir werden alles zusammentragen, verzeichnen und einlagern. Damit entsteht eine Art „Langzeitgedächtnis“ des Unternehmens. Dabei werde ich zusätzlich unterstützt von der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte  in Frankfurt. Eine Besonderheit besteht sicherlich darin, dass ein systematischer Aufbau des Archivs bei Sartorius gerade erst begonnen hat. Das Unternehmen dagegen wurde schon 1870 gegründet und wird bald sein 150-jähriges erfolgreiches Bestehen feiern. Für einen Historiker ist ein so langer Zeitraum natürlich ein Traum. Dabei finde ich den Transformationsprozess sehr spannend, in dem aus täglichen Unternehmensentscheidungen nach und nach archivierte Unternehmensgeschichte wird.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Renommee des Unternehmens gab den Ausschlag: Sarah El Fakhouri nahm das Angebot von Zeiss Microscopy in Göttingen an und startete durch. Mit ihrer Leidenschaft für ihren Beruf avancierte sie zu einer der landesbesten Auszubildenden im Bereich der niedersächsischen Industrie und Handelskammern.

02.01.2017
Regional Tochter Ilona übernimmt das Ruder - Fliegender Wechsel an der Tankstelle

„Es ist Zeit“, sagt Ulrich Runte. Am 01.Januar 2017 gehen er und seine Frau Elsbeth in den wohlverdienten Ruhestand. Nach 17 Jahren übernimmt Tochter Ilona Runte-Ruppin die Leitung der Esso Station Dransfeld.

01.01.2017
Regional Der Bauboom hält 2017 an - Handwerk mit vollen Auftragsbüchern

„Das Handwerk schaut positiv in das Jahr 2017“, sagt Kreishandwerksmeister Christian Frölich. Trotz guter Konjunktur verbessere sich die Ertragslage der Unternehmen aber nicht in gleichem Maße. Gründe sind der Mangel an Fachkräften sowie die Digitalisierung des Handwerks.         

31.12.2016
Anzeige