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00:17 30.09.2016
Zum ersten September wurden die Löhne landesweit um bis zu 5,5 Prozent angehoben. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Zum ersten September wurden die Löhne landesweit um bis zu 5,5 Prozent angehoben.

Die NGG Süd-Ost-Niedersachsen hatte die fehlende Tarifbindung der beiden Bäckerinnungen in Stadt und Landkreis Göttingen in einer Mitteilung scharf kritisiert. „Es scheint den Betrieben eher um Gewinnmaximierung zu gehen als um eine faire Bezahlung“, vermutet NGG-Geschäftsführer Manfred Tessmann. Der Obermeister der Bäckerinnung Göttingen, Hann.Münden, Osterode und Duderstadt, Dirk Wollersen, sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt:

Die Innung sei vor zwei Jahren aus dem Verband ausgetreten, weil ein geplantes Schulungszentrum die Verbandskasse mit über sieben Millionen Euro belastet hätte. „Das konnten wir nicht verantworten“, sagt Wollersen. Auch heute noch stecke der Verband in den roten Zahlen. Stattdessen würden nach seiner Einschätzung die Innungsbetriebe in Südniedersachen den jetzt vereinbarten Tariflohn ohnehin zahlen: „Schon letztes Jahr lagen die Löhne für Verkäuferinnen bei zehn Euro und mehr und für Bäcker bei 13 Euro und mehr.“

Laut neuem Tarif sollen erfahrene Fachverkäuferinnen mit Ausbildung ab dem vierten Beschäftigungsjahr Anspruch auf 11,20 Euro pro Stunde haben - vorher waren es 10,60 Euro. Laut neuem Tarif sollen erfahrene Bäcker in der Produktion 13,09 Euro verdienen; „in meinem Betrieb sind es 14 bis 16 Euro die Stunde“, so Wollersen. Ein fairer Lohn sei ein gutes Mittel, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

„Obwohl die Bäckerinnung Göttingen nicht tarifgebunden ist, wird der bisherige Tarifvertrag bei Thiele in allen Punkten angewendet und in Teilen sogar ergänzt“, antwortet der Geschäftsführer Michael Hann auf Anfrage schriftlich. Zusammen mit dem Betriebsrat will man nun überprüfen, was vom neuen Tarifvertrag bei Thiele „Anwendung finden wird.“ Für Axel Artmann von der Vollkornbäckerei Backhaus und kein Innungsmitglied, ist der neue Vertrag kein Thema: „Wir zahlen unserem Verkaufspersonal zwölf Euro. Der neue Tarif gibt da eher die untere Grenze vor.“

Eine so genannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung, kurz: AVE, könnte vom Innungsverband beschlossen werden - dann würde der neue Tarif automatisch für alle gelten. Das ist bisher nicht geschehen, im Gegenteil: „2014 hat der Innungsverband den damaligen Tarifvertrag gekündigt und damit auch die geltende AVE“, sagt Andreas Gliem von der Kreishandwerkerschaft Göttingen. bif

Flächentarif gilt nicht automatisch

Eine so genannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung, kurz: AVE, könnte vom Innungsverband beschlossen werden – dann würde der neue Tarifvertrag automatisch für alle Betriebe gelten. Das ist jedoch bisher nicht geschehen. Im Gegenteil: „2014 hat der Innungsverband den bestehenden Tarifvertrag gekündigt und damit auch die geltende AVE“, sagt Andreas Gliem von der Kreishandwerkerschaft Göttingen.

Im Geltungsbereich der AVE muss jeder Betrieb Kontrollen der Sozialversicherungsträger zulassen, ob die Beiträge in angemessene Höhe abgeführt wurden. So soll die Einhaltung des Flächentarifs sicher gestellt werden. Trotz der Meinungsverschiedenheiten mit dem Innungsverband sei die Rückkehr in die Organisation „ein immerwährendes Thema“, wie Gliem bestätigt. bif

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