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Regional Befristete Stellen in Südniedersachsen
Nachrichten Wirtschaft Regional Befristete Stellen in Südniedersachsen
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00:19 15.07.2018
Befristete Arbeitsverträge sind heute in vielen Branchen üblich - aber nicht immer sind sie rechtlich zulässig. Quelle: dpa
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Göttingen

Die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse scheint in Südniedersachsen zu steigen. Bezogen auf alle Beschäftigungsverhältnisse sinkt ihr Anteil aber wohl eher. Darauf deuten Zahlen der Arbeitsagentur hin.

Einen Höchststand von knapp 3,2 Mio. befristeten Arbeitsverhältnissen hatte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Anfang Juli vermeldet. „Vergleichbare Zahlen für die Region erheben wir nicht“, sagt dazu Christine Gudd von der Arbeitsagentur in Göttingen. Die absolute Zahl der gemeldeten Angebote befristeter Stellen steige jedoch seit 2012. In vergangenen Jahr habe sie mit durchschnittlich 2777 Angeboten den Höchststand erreicht. In diesem Jahr liege der Durchschnittswert bei 2702 Angeboten.

Nach der Finanzkrise zögerten Firmen mit Festanstellungen

„Ihr Anteil an allen Stellenangeboten ist jedoch von 38 Prozent im Jahr 2010, als die Unternehmen kurz nach der Finanzkrise dem neuen Aufschwung noch nicht recht trauten, auf 16 bis 20 Prozent in den vergangenen vier Jahren gesunken“, führt Gudd aus. Mit zunehmend stabilerer Konjunktur und angesichts des Fachkräftemangels würden Betriebe häufiger mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen um Personal werben. Die drei- bis sechsmonatige Probezeit gelte als ausreichend, um einen neuen Mitarbeiter ausreichend kennenzulernen.

Gute Mitarbeiter geben sich mit befristeten Stellen nicht zufrieden

„Wir schauen uns Bewerber genau an und stellen sie nach der Probezeit unbefristet ein“, sagt Daniel Behrendt von der KWS Saat AG, dem Einbecker Saatzuchtunternehmen. Angesichts des „hohen fachlichen Niveaus“ der KWS-Mitarbeiter, die sich nicht so ohne weiteres anwerben ließen, sei das auch nicht anders möglich. Von derzeit 1524 Beschäftigten seien 216 befristet angestellt. Unter ihnen befänden sich allerdings 119 Saisonkräfte, die in der Pflanzenzüchtung jeweils nur während der Saat oder der Ernte benötigt würden. Bei den übrigen 97 Mitarbeiter gebe es ebenfalls Sachgründe für die Befristung. Sie arbeiteten in Projekten mit, machten Elternzeit- oder Krankheitsvertretungen.

Befristete Verträge um Auftragsspitzen abzuarbeiten

Das Elektrohandwerk sowie das Bau- und Baunebengewerbe, die zur Zeit aufgrund der vielen Aufträge Fachkräfte händeringend suchten, stellten gute Leute mittlerweile gleich unbefristet ein, berichtet Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen. Befristete Arbeitsverträge seien dann üblich, wenn es Auftragsspitzen abzuarbeiten gelte.

Handwerker zögern mit Festeinstellungen

„Handwerksmeister wollen Mitarbeiter vor einer unbefristeten Einstellung genau kennenlernen“, betont Gliem. Wer nämlich zehn und mehr Personen beschäftige, müsse den Kündigungsschutz beachten. Er könne sich von unbefristet eingestellten Mitarbeitern nur noch aus persönlichen Gründen, etwa Alkoholismus, oder nach mehreren Abmahnungen aufgrund von Fehlverhalten, trennen. Bei betriebsbedingten Kündigungen, wenn also nicht mehr für alle Arbeit da sei, greife die Sozialauswahl. Die alten, kranken Mitarbeiter könnten bleiben, die kräftigen, jungen Leute müssten gehen.

Handel übernimmt 47 Prozent der befristet Eingestellten am Ende

„Im Handel wird es schwer, überhaupt noch qualifizierte Mitarbeiter zu finden“, berichtet Hans-Joachim Rambow, der Geschäftsführer des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen. Deshalb stellten einige Betriebe Mitarbeiter gleich unbefristet ein. In der Regel diene die Befristung zum besseren Kennenlernen insbesondere von Berufsanfängern sowie von Berufsrückkehrern nach längerer Pause. In 47 Prozent der Fälle hebe das Unternehmen die Befristung nach spätestens zwei Jahren auf. In der Gesamtwirtschaft seien es zuletzt 40 Prozent gewesen. Bezogen auf alle Beschäftigten habe der Anteil der befristet Angestellten im Handel bei sieben Prozent, in der Gesamtwirtschaft bei acht Prozent gelegen.

Die meisten Wissenschaftler müssen mit befristeten Verträgen leben

„An der Universität Göttingen sind die Stellen beim wissenschaftlichen Personal in der Regel befristet“, sagt Pressesprecherin Heike Ernestus. Das liege an den vielen Qualifikationsstellen für Doktoranden und an den Stellen in zeitlich begrenzten Forschungsprojekten. Auf 2205 befristet beschäftigte Mitarbeiter kämen an der Uni (ohne die Universitätsmedizin) 660 unbefristet tätige Kollegen. Beim nichtwissenschaftlichen Personal sei es andersherum. Dort ständen 651 befristet tätige Mitarbeiter 1965 unbefristet beschäftigten Personen gegenüber.

Von Michael Caspar

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